Im Gespräch mit Corwin von Kuhwede

Hallo Corwin, wenn man Deine Website betrachtet, fällt einem die Vielfalt auf. Aber auch eine gewisse Hintergründigkeit. Du bist unwahrscheinlich fleißig und voller Einfälle.

Das wirkt nur so, weil meine Webseite die Arbeiten von sieben Jahren zeigt. Es gibt Phasen, in denen habe ich viele Ideen und schreibe diese auf. Und dann gibt es Phasen der Ideenlosigkeit, in denen mir dann meine Notizen helfen. Manchmal bin ich fleißig, ein anderes Mal liege ich den ganzen Tag nur auf der Couch und lese ein Buch. Doch beides sind gleichberechtigte Teile meiner Arbeit, es ist wie in der Musik. Ein Ton ist ohne die Stille nichts wert.

Magst Du einen Miniaturlebenslauf preisgeben?

1979 Geburt – 25 Jahre lang Suche und Verirrung – 2005 Neugeburt und Beginn des wahren Lebens.

Wie entwickelte sich die Leidenschaft für die Fotografie? Gab es davor schon andere künstlerische Ambitionen?

Es gab einen Tiefpunkt in meinem Leben, an dem ich nicht weiter wusste. Meine Partnerin beschäftigte sich damals mit Malerei und Fotografie. Das hat mich irgendwie angesteckt, da ich irgendein Ventil brauchte, um mich von dem ganzen Negativen abzulenken. Die Fotografie war eines der Resultate aus dieser Zeit, mit der ich lernen konnte, die Welt aus einer neuen Perspektive zu sehen.

Es gibt viele Fotografen und die unterschiedlichsten Ausdrucksweisen. Wie würdest Du beschreiben, warum Du so und nicht anders fotografierst?

Ich fotografiere so und nicht anders, weil es mir genauso Spaß macht und es sich für mich richtig anfühlt. Mehr steckt da nicht dahinter. Ich habe meinen Stil nicht bewusst gewählt, er hat sich einfach so ergeben. Und das, was ich fotografiere, sagt sicher eine Menge mehr über mich aus, als ich mir vorzustellen vermag. Aber eine konkrete Antwort auf das Warum kann ich Dir nicht geben.

Bist Du noch auf anderen Gebieten kreativ?

Ich denke, man ist in allem kreativ, was man mit Liebe und Begeisterung tut. Denn wenn etwas von ganzem Herzen kommt, kann es gar nicht anders als kreativ sein. Man holt etwas von seinem Innersten hervor und bringt es in die Außenwelt. Mehr ist für mich Kreativität nicht. Aber zumindest weiß ich, in was ich total unkreativ bin: Im Handwerken. Ich kann es zwar, wenn es sein muss, aber es fehlen mir der Spaß und damit auch die nötige Kreativität. Ich hoffe, das ändert sich irgendwann mal noch.

Auf der „künstlerischen Seite“ gibt es nicht nur viel zu schauen, sondern auch zu lesen. Und da muss man schmunzeln und kann sich an der Mischung von Ironie, Witz und schwarzem Humor erfreuen. Bist Du prinzipiell etwas „locker“ und nimmst das Leben nicht ganz so ernst, wie es ist?

Ich nehme das Leben sehr ernst. Doch ich nehme es mit Leichtigkeit. Und dabei nehme ich mich selbst nicht zu ernst. Das ist wohl eher die Mischung, die Du in meinen Arbeiten wahrnimmst. Ich bin ein sehr gläubiger Mensch und das Leben läuft für mich daher nach gewissen Prinzipien von Ursache und Wirkung. Vor kurzem las ich ein schönes Zitat. Es sagte sinngemäß, dass der Unterschied zwischen einem glücklichen und einem unglücklichen Menschen reinweg nur darin liegt, wie er das Leben wahrnimmt. Und da ist viel Wahres dran.

Bücher, Kalender, Praktikanten – das sieht nach einer vollen Auslastung aus. Ist dem so?

Es ist nicht so, dass ich mich vor Aufträgen nicht retten kann. Wenn ich gerade keinen Auftrag habe, arbeite ich an einem meiner freien Projekte und habe somit immer etwas zu tun. Langeweile kenne ich nicht und Freizeit habe ich genug, wenn man von Freizeit reden kann. Da ich Privat und Beruf allerdings nicht trennen kann und möchte, stellt sich die Frage nach viel Arbeit und viel Freizeit nicht, weil es ein fließender Übergang ist.

Was hast Du für Pläne? Und was wolltest Du schon lange machen und es hat nur nicht geklappt?

Meine Pläne sind internationale Ausstellungen, internationale Kunden und meine Bilder auf den Covern der großen Magazine. Ich möchte, dass es Wachstum und Weiterentwicklung gibt. So wie es in der Natur allen Lebens liegt. Mir fällt gerade nichts ein, was ich schon lange machen wollte und nie klappte. Ich denke, mit etwas Geduld und genug Energie werden irgendwann alle Wünsche war, die man hat. Und für einige Dinge war es bisher einfach nur noch nicht der richtige Zeitpunkt.

Was macht für Dich eine gute Fotografie aus?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Eine Fotografie in einem Magazin muss anderen Kriterien entsprechen, als ein Foto auf einer Ausstellung oder in einem Museum. Eine Auftragsfotografie ist vielleicht sehr erfolgreich, doch würde im Kunstbereich nicht funktionieren und anders herum. Es gibt kein Patentrezept für gute Bilder, so wie es keine Kochrezepte gibt, die allen schmecken. Ein Bild muss seine Aufgabe in diesem Rahmen erfüllen, in dem es präsentiert wird und es muss gegenüber allen anderen vergleichbaren Bildern ein Alleinstellungsmerkmal besitzen; etwas, das heraus sticht. Denn anders als früher gibt es heute eine so große Bilderflut und ein gutes Bild muss sich neben 100 weiteren guten bewähren und das schafft es nur, in dem es andersartig ist.

Hast Du Vorbilder? Was zeichnet diese Vorbilder aus?

Ich habe keine Vorbilder und versuche mir stets das Leben selbst als Vorbild zu nehmen. Von allen Menschen können wir etwas lernen, vom Penner bis zum Millionär. Ich schaue mir hin und wieder mal gute Fotografien an, aber eigentlich langweilen mich statische Bilder. Wenn, dann schaue ich mir lieber Filme an. Und da gibt es einige Regisseure, die mich sehr inspirieren: Tim Burton, Guy Ritchie, Fatih Akin, die Coen-Brüder und viele mehr.

Was inspiriert Dich noch?

Mich inspiriert das Leben selbst. Gute Gespräche, gutes Essen, Filme, Frauen und Sexualität. Inspiration ist überall, sie muss nur den richtigen Kanal in uns finden und wir müssen offen sein für sie. Und manchmal ist man so verschlossen, dass nichts durch einen hindurch fließen kann und manchmal fühlt es sich an, als fließe die ganze Welt durch einen.

Digitale Technik – Fluch oder Segen?

Es geht hier nicht um das „oder“ sondern es ist ein „und“. Doch es gibt eindeutig mehr Vorteile als Nachteile. Die digitale Technik bietet mir als Fotograf so unendlich viele Vorteile. Die Bilder sind in einem Bruchteil einer Sekunde sichtbar, ich habe in der digitalen Nachbearbeitung Vorteile, um die mich damals jeder Analogfotograf beneidet hätte, fotografieren ist für jedermann bezahlbar geworden und es gibt gerade in der Auftragsfotografie eine ungeheure Zeitersparnis. Viele Menschen können die Fotografie nutzen, denen es vorher nie möglich gewesen wäre.
Der einzige Nachteil ist, dass wir Menschen jetzt so viel unsinnigen Schrott fotografieren und damit das Internet und die Printmedien zumüllen, dass es mir schon aus dem Hals hängt. Leider denken die wenigsten nach, bevor sie auf den Auslöser drücken, sondern fotografieren frei nach dem Motto: Ich mach einfach viele Bilder, da wird schon ein gutes dabei sein.

Corwin von Kuhwede – ein interessanter Mensch mit ebensolchen Gedanken und Bildern.

Über eben diesen bemerkte Christian von Aster folgendes:

„CORWIN VON KUHWEDE
aktiver Ausübender der Kunst Bildermachens unter Zuhilfenahme fotografischer Apparaturen.

Die Einen haben ein Auge für Kunst. Andere haben eines für Kommerz. Corwin von Kuhwede hat ein Auge für Geschichten und ein zweites für Bilder. Zusammen machen sie ihn zu einem Geschichtenerzähler, der Geschichten für das Auge erzählt. Seine bevorzugten Motive sind dabei – gleich, ob es sich um Akte, Porträts oder Produkte handelt – vor allem solche, hinter denen sich Geschichten verbergen.

In einer unverbissenen Mischung von Handwerk und Inspiration, Muss und Muse, schafft es von Kuhwede in seinen Bildern gleichsam Sinn wie Unsinn des Abgebildeten sichtbar zu machen und neben den Dingen auch die Dinge hinter den Dingen abzubilden.

In glaubwürdiger Vielseitigkeit verschmilzt dabei unter seinem Auge, inmitten eines erzählerischen Wimpernschlags, kaum merklich Kunst mit Kommerz und Auftrag mit Bedürfnis. Zu einer Geschichte, der das Auge gerne lauscht.

Corwin von Kuhwede ist ein Bildermacher mit einem Blick für das Wesentliche. Selbst dann, wenn es unwesentlich ist.

Machen Sie sich selbst ein Bild, und lassen Sie sich ein Bild machen.“

Die Bildwerke des Herrn Corwin von Kuhwede sind ästhetisch. Haben aber nichts mit Beauty oder Glamour zu tun. Denn er will eher zeigen, was hinter der Fassade liegt. Er will mit seinen Bildern Geschichten erzählen. Und diese Geschichten sollte man sich mal in aller Ruhe anschauen – es lohnt sich.

Hier ist nur eine kleine Auswahl an Bildern zu betrachten. Um die Vielfalt wirklich zu erfassen, ist der Besuch der Internetseite des Corwin von Kuhwede dringend zu empfehlen. Dort sind auch alle Informationen zu seinem bisherigen Schaffen und den Veröffentlichungen zu finden.

Das neue Buch „Geschichten einer Wand“ und der Kalender für das Jahr 2014 sind in seinem Shop erhältlich.

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