The Dark Rooms Veins: Mehr als Licht und Klang

Actualization III von Lumus Instruments

10. bis 26. Juli 2026

SECRET LOCATION, BERLIN

Ein Kino ist ein Ort für Geschichten. Hier wird gelacht und geweint, gefürchtet und gestaunt. Für ein paar Stunden taucht man in andere Welten ein. Was auf der Leinwand passiert, hat mit der eigenen Realität manchmal wenig und manchmal erstaunlich viel zu tun.

Auch die zehn Installationen der Ausstellung The Dark Rooms Veins griffen Fragen auf, die man in ähnlicher Form aus Filmen kennt: Wie nehmen wir unsere Umgebung wahr? Was bedeutet Vertrauen? Wie verändern gesellschaftliche Entwicklungen unseren Blick auf die Welt? Die Arbeiten näherten sich diesen Themen allerdings nicht über ausgedehnte Erzählungen, sondern zumeist über Licht, Klang und Bewegung.

Dafür wurde ein ehemaliges Kino in einen temporären Ausstellungsraum verwandelt. Wie bei den vorherigen Ausgaben blieb die Adresse zunächst geheim; erst 48 Stunden vor dem gebuchten Termin wurde sie bekanntgegeben.

Hinter dem Sichtbaren

Zunächst führte der Rundgang durch schmale Versorgungsgänge, vorbei an Räumen, die einst den Filmvorführern vorbehalten waren. Statt der bekannten Perspektive aus dem Kassenfoyer und der öffentlichen Wege bewegte man sich durch die verborgene Infrastruktur des Gebäudes. Hinter einer Scheibe stapelten sich alte grüne Kinosessel – Relikte einer vergangenen Zeit. Später konnte man durch die Projektionsfenster von der Rückseite aus in die Kinosäle blicken. Das Kino zeigte sich dabei aus einer Perspektive, die seinem Publikum normalerweise verborgen blieb. Eingespielte Projektorgeräusche erinnerten zugleich an die ursprüngliche Funktion dieses Orts.

Manche Säle waren noch vollständig bestuhlt. In anderen waren lediglich die gestuften Podeste erhalten geblieben. Beim Betreten der dunklen Räume stellte sich ein vertrautes Gefühl ein: dieses kurze Orientieren, das Suchen nach einem Platz, die gedämpften Stimmen der anderen Besucherinnen und Besuchern, wie man es von Kinobesuchen kennt.

Zwischen Konzept und Wirkung

Viele der zehn Installationen arbeiteten mit Licht, Klang und Bewegung. Mal dominierten raue, maschinelle Klänge, dann wieder sphärische Flächen, Klavier oder Streicher. Einige Installationen wirkten bedrohlich, andere beinahe meditativ.

Begleitende Texte gaben Einblicke in die Gedankenwelten der Künstlerinnen und Künstler und eröffneten zusätzliche Perspektiven auf die Installationen. Sie machten die Hintergründe und Intentionen nachvollziehbarer, veränderten aber nicht zwangsläufig die eigene Wahrnehmung. Bei einigen Arbeiten entstand dadurch ein zusätzlicher Zugang, bei anderen blieb das Konzept weniger greifbar.

Besonders deutlich wurde das Zusammenspiel von visueller Wahrnehmung und inhaltlicher Ebene bei Bloom. Die Installation zeigte einen Schwarm schwebender Quallen, deren Bewegungen beinahe choreografiert wirkten. So entstand ein faszinierendes Bild. Erst der Begleittext stellte diese Schönheit in einen völlig anderen Kontext und verwies auf gesellschaftlichen Krise, Polarisierung und die Frage, wie sich unser Blick auf den Menschen verändert. Gerade der Gegensatz zwischen der ästhetischen Erscheinung und dem dahinterliegenden Gedanken machte die Installation eindrücklich.

Bloom von Sven Sauer und CEYYS
Bloom von Sven Sauer und CEYYS

Im Gegensatz dazu präsentierte sich Trust verblüffend einfach: In einem schmalen, dunklen Gang hingen zahlreiche Messer mit der Spitze nach unten von der Decke. Die Installation griff den Widerspruch zwischen offensichtlicher Gefahr und unserem alltäglichen Verständnis von Vertrauen auf. Deutlich wird dies vor allen Dingen bei unserem Umgang mit digitalen Technologien und wie selbstverständlich wir Smartphones, Apps oder Cloud-Dienste nutzen, obwohl uns die Unsicherheiten dieser Systeme durchaus bewusst sind.

Trust von KON
Trust von KON

Anders als bei Trust blieb das Konzept von Actualization III für mich weitgehend abstrakt. Dennoch entwickelte die Installation eine unmittelbare Anziehungskraft. In einem der größeren Kinosäle, dessen Bestuhlung noch erhalten war, bewegten sich kleine Spiegel entlang einer schmalen, treppenartigen Konstruktion in der Mittelachse des Raumes. Sie fingen laserartigen Lichtstrahlen auf und leiteten diese an die Decke. Die Installation beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Wirklichkeit und Simulation in einer zunehmend digital geprägten Welt voneinander unterscheiden lassen. Ausgangspunkt ist der Klang von Wind auf dem Mars, der einer realen Aufnahme entstammt und einer im Raum erzeugten Lichtprojektion gegenübergestellt wird. Für mich entstand die Faszination nicht durch diese theoretische Ebene, sondern durch das Zusammenspiel aus Licht, Bewegung und der Atmosphäre des alten Kinosaals.

Actualization III von Lumus Instruments
Actualization III von Lumus Instruments

Mit The Dark Rooms Veins wurde das ehemalige Kino nicht einfach zur Kulisse. Neben den Installationen waren die verborgenen Gänge, die leeren Säle und die erhaltenen Spuren vergangener Nutzung ein wesentlicher Teil des Erlebnisses. So begleitete die Atmosphäre des Gebäudes den Besuch bis zum Ausgang.

Am Ende erhielt man noch einen Hinweis auf die nächste Ausstellung der Veranstalter: Im Oktober folgt eine dritte Ausgabe von „Himmel unter Berlin“. Als Ausstellungsort wurde das unterirdische Labyrinth einer alten Fabrik angekündigt. Mehr dazu gibt es in Kürze.

» The Dark Rooms
» Himmel unter Berlin

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