April – Oktober 2026
BERLIN, DARK MATTERBlaue Lichtspuren, begleitet von einem gleichmäßigen, rauschenden Geräusch, erzeugen die Illusion von dichtem Regen. Plötzlich flammt grelles Licht auf, Blitze erhellen die Dunkelheit, ein dumpfes Donnergrollen setzt ein, das in einen rhythmischen, clubartigen Sound übergeht.
In der Transformator-Halle in Berlin-Lichtenberg zeigt Christopher Bauder mit „Forest Seasons“ eine Installation, die den Wandel der vier Jahreszeiten in Licht und Sound darstellt. Über den Besucherinnen und Besuchern spannt sich ein Wald aus kopfüber hängenden Nadelbäumen, während am Boden einige Flächen mit Gräsern, Blumen und kleinen Bäumen die Szenerie ergänzen. Bauder begreift Natur dabei nicht als Abbild, sondern als Resonanzraum für Stimmungen und innere Zustände.
Die vier Jahreszeiten
Die Installation folgt einem 45-minütigen Ablauf, der sich kontinuierlich wiederholt. Dabei sind die einzelnen Jahreszeiten erkennbar, ohne immer eindeutig erzählt zu werden.
Der Frühling setzt auf Leichtigkeit: Vogelstimmen, sanfte Klänge und eine gezielte Beleuchtung der begrünten Flächen rücken Wachstum und Aufbruch in den Vordergrund. In einem Moment werden diese Flächen besonders hervorgehoben: Projektionen lassen Wasser über den Boden fließen, vor- und zurückweichend wie an am Ufer. Zusammen mit getragener Musik entsteht ein ruhiger, beinahe meditativer Moment. Die Szene bleibt insgesamt zurückhaltend und funktioniert vor allem über Atmosphäre statt über visuelle Zuspitzung.
Am eindrücklichsten gelingt der eingangs geschilderte Sommer. Der Abschnitt entwickelt sich von einem ruhigen Regen zu einem intensiven Gewitter; Licht und Klang greifen dabei eng ineinander. Auffällig ist dabei der musikalische Aufbau: Zunächst liegt eine sphärische Klangfläche unter der Szene, die sich allmählich verdichtet und eine zunehmend bedrohliche Spannung erzeugt, bevor ein treibender, elektronischer Rhythmus einsetzt. Hier erreicht die Installation ihre größte Dichte und Präsenz.
Der Herbst wird über zwischen den Bäumen hängenden Blättern visualisiert. Die um Leuchtstäbe angeordneten Blätterranken senken sich langsam herab und werden dabei gezielt beleuchtet – ein ruhiger, entschleunigter Moment innerhalb des Zyklus.
Im Winter dominieren Dunkelheit und punktuelle Lichtquellen. Die Bäume beginnen zu funkeln, weiße Lichtpunkte fallen wie Schnee. Begleitet wird die Szene von kühleren, teils windartigen und stellenweise düster wirkenden Klängen. Gleichzeitig entsteht ein vertrautes Bild, das an die Weihnachtszeit erinnert und nah an bekannten Motiven bleibt.
Zwischen Klarheit und Offenheit
Manches erschließt sich sofort, anderes bleibt offen. Nicht jede Sequenz hat eine klare jahreszeitliche Bedeutung. Rote Lichtpunkte etwa, die ähnlich wie Regen oder Schnee inszeniert sind, lassen sich unterschiedlich deuten – oder auch gar nicht. Gerade diese Uneindeutigkeit wirkt stellenweise reizvoll, führt aber auch dazu, dass einzelne Passagen weniger prägnant sind.
Die Installation lässt sich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Besucherinnen und Besucher können sich in der kompletten Halle frei bewegen. Durch einen Standortwechsel verändert sich der Eindruck, auch wenn sich das Geschehen vorwiegend über den Köpfen abspielt. Man sollte sich die Zeit für mindestens zwei Durchläufe nehmen.
Während die seitlich aufgestellten Sitzgelegenheiten funktional bleiben, wirken die dort platzierten Schaukeln weniger stimmig. Ihre Bewegungen stehen meist im Kontrast zur jeweiligen visuellen und akustischen Atmosphäre und lenken so vom eigentlichen Geschehen ab.
Der technische und gestalterische Aufwand ist enorm. Allein die Menge und Anordnung von Lasern, Spots, Leuchtstäben sowie unzähligen Blättern, Blumen, Gräsern und Sträuchern ist beeindruckend und zeugt von einer großen Komplexität.
Für die musikalische Ebene zeichnet der niederländische Komponist Chris Kuijten verantwortlich. Seine Kompositionen bewegen sich zwischen ruhigen Flächen, rhythmischen Strukturen und düster klingenden Passagen und prägen so die Wahrnehmung der einzelnen Abschnitte maßgeblich.
Fazit
„Forest Seasons“ übersetzt die vier Jahreszeiten in eine Abfolge von Licht- und Klangbildern, die zwischen klaren Motiven und offenen, teils abstrakten Sequenzen wechseln. So entsteht eine vielschichtige Installation, die unterschiedliche Stimmungen transportiert und Raum für eigene Interpretationen lässt.














