CHRISTIAN LEBRECHT – Bilder mit Seele, die es zu entdecken gilt

Der Name Christian Lebrecht dürfte bisher eher musikbegeisterten Menschen ein Begriff sein. So blickt der Berliner Bassist auf viele Veröffentlichungen der Band „Golden Apes“, die für melancholisch-romantische Klangwelten stehen, zurück. Sowohl stimmlich als auch musikalisch werden Nachdenklichkeit und Gefühle transportiert.

Nachdenklichkeit und Gefühle kann und will Christian Lebrecht aber auch visuell ausdrücken. Eine künstlerische Entwicklung? „Ich glaube, dass sich künstlerische Ausdrucksformen in ihrer eigentlichen Erscheinungsform nicht entwickeln, sondern als Anlage von Anfang an vorhanden sind. Entscheidend ist der Punkt, an dem man sie als etwas Vertrautes, Eigenes begreift und lernt, sie als Sprache zu benutzen! Ich habe erst relativ spät für mich herausgefunden, dass die Malerei eine Form kreativen Ausdrucks ist, mit dem ich mich wohlfühle und der mir Spaß macht.“

Kreative Menschen tragen oft vielfältige Talente in sich, die es nach und nach zu entdecken gilt. Kreativität ist unweigerlich mit Emotionen verbunden. Musik befördert im Kopf die Vorstellung von Szenerien, Situationen, Gesprächen, Bildern. Sowohl beim Musiker als auch beim Zuhörer. Musik hat durchaus etwas Bildhaftes. „Der Hang, Eindrücke, Emotionen und Gedanken im Kopf visuell umzusetzen und zu adaptieren, war immer schon da (soweit die Erinnerung erlaubt, dies zu behaupten), aber ich denke, dass die ernsthafte Beschäftigung mit kreativen Betätigungsfeldern (in diesem Fall die Musik) automatisch weitere Türen aufstößt und Neugier und Hunger weckt. Selbiges gilt für die Intensität von Inspiration und Impression.“

Anfang der 90er entstanden erste ernstzunehmende Arbeiten. Stark beeinflusst von den Romanen seines Lieblingsschriftstellers H. P. Lovecraft (einer der weltweit einflussreichsten Autoren im Bereich der phantastischen und anspruchsvollen Horror-Literatur).

Musik, Malerei und Familie zeitlich unter einen Hut zu bringen, ist und bleibt jedoch schwierig. Die Musik und die Arbeit mit der Band nehmen den höchsten Stellenwert ein. „Aber ich finde, dass beide Bereiche (abgesehen vom zeitlichen Tribut) auch nicht wirklich konkurrieren, sondern eher wechselseitig wirken, sich beeinflussen und sich in Bezug auf Richtung und Art der eigenen Verarbeitung von Eindrücken sogar inspirieren und so denke ich, dass auch bald wieder die Muse für die Malerei an Wertigkeit gewinnt, ein Umstand, der mir trotz der Musik immer wichtig bleiben wird.“ Aber Malen erfordert einen großen Zeitaufwand. Es ist kein Hobby, das sich – eine gewisse Ernsthaftigkeit vorausgesetzt – ganz nebenbei betreiben lässt. Aber nicht nur die Zeit ist entscheidend, auch ein kreativer Ausbruch ist nötig. Der „richtige“ Moment muss abgewartet werden. „Aber das Gute daran ist, dass ich von vornherein keinerlei Druck oder Stress zugelassen habe. In erster Linie male ich für mich und den Zustand, den der Prozess in mir auslöst. Und so ist es auch in keinster Weise Drama oder Entbehrung, wenn ich mal ein Jahr keinen Pinsel zur Hand nehme! Mir ist bei der Malerei immer wichtig, mit der richtigen Lust und Freude an die Arbeit zu gehen und es gibt einfach auch Zeiten, da kann und sollte man nicht zwingend malen. Derzeit gibt es da ein paar Arbeiten, die ich über die letzten Jahre angefangen und weitergeführt habe und die demnächst beendet werden und dann natürlich auch einsehbar sein werden.“

So ganz nebenbei erfahren wir, dass Christian einen „ehrbaren“ Beruf erlernt hat: Tischler. Diese Fertigkeiten sind von Nutzen, wenn schwere massive Bilderrahmen geschaffen werden – von eigener Hand. Alle Achtung!

Und obwohl man den Bildern nicht ansieht, dass sich Christian eigentlich noch in einer „Lernphase“ befindet, will er zunächst beim Malen mit Ölfarben auf Leinwand bleiben. Andere Maltechniken werden erst in Angriff genommen, wenn die Malerei mit Ölfarben perfekt beherrscht wird.

Selbstverständlich präsentiert Christian seine Werke auf einer eigenen Internetseite. Die Gestaltung der Seite selbst ist auch schon eine Art Gemälde. „Im Grunde war die Idee dahinter, eine Collage aus bestimmten Momenten verschiedener Bilder zu machen, quasi ein Resümee aus Grundstimmung und Atmosphäre. Gleichzeitig entstand aber auch eine Art inhaltlicher Kompass, ein leicht verwitterter aber dennoch entzifferbarer Wegweiser durch die Thematik meiner Arbeit: Glaube, Vergänglichkeit, Versuchung, Abgründe, Horizonte, Hoffnung, Erleuchtung, Verführung, Himmel, Schwärzung…“ H. P. Lovecraft lässt grüßen.

Auf Lovecrafts Romane muss man sich einlassen können. Seine Phantasie mit der eigenen verbinden. Eine Wirkung entstehen lassen. Träumen und Hinabgleiten in eine andere Welt. Kann man durch Lovecraft inspirierte Bilder erklären? Eine Bedeutung suchen? „Ich glaube, man nimmt den Bildern ihre Wirkung, wenn man beginnt sie zu erklären. Denn eigentlich geht es doch genau darum! Der Reiz des Unbekannten und das Aufbrechen des Fremden und Sonderbaren, das Entdecken von Hinweisen und Schlüsseln, das Deuten von Sinn und Empfindung… Ich würde den Bildern einen großen Teil ihrer Seele rauben, würde ich sie auf einen bestimmten Sinn reduzieren und würde dem Betrachter einen wichtigen Teil des Weges vorenthalten… so wie mir selbst!“

Der letzte Satz ist ein wunderbares Geständnis: Christian lässt nicht nur seiner eigenen Phantasie, seinen eigenen Emotionen freien Raum – er gesteht diese Freiheit auch allen Betrachtern zu.

Der Unterschiedlichkeit der Gemälde trete man also mit Offenheit entgegen. Und mit viel Zeit. In den Bildern steckt mehr, als nur farbige Darstellungen. Es sind Geschichten und Sichtweisen.

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