Dark Spring Festival 2014

22. März 2014

BERLIN, BI NUU

Bereits zum fünften Mal lud die Berliner Band „Golden Apes“ zum „Dark Spring Festival“ ein. Dass sich der Frühling an diesem Tag bereits wieder verabschiedet hatte, spielte dabei keine Rolle. Das ehemalige „Kato“ – heute „Bi Nuu“ – empfing die Besucher mit einer freundlichen und warmen Atmosphäre.

Trotz eines etwas verspäteten Einlasses musste nicht lange gewartet werden, bis die erste Band des Abends „The Wars“ die Bühne betrat. Zwei in sich gekehrte Gitarristen, dazu zwei Laptops mit dem berühmten Apfellogo, die für die rhythmische Komponente sorgten. Sänger Chris Kowski glänzte mit einer warmen dunklen klaren Stimme. Mit zumeist geschlossenen Augen schien er eins mit der Musik zu sein. Melodisch und rhythmisch waberten die Klänge – eine Mischung aus Moderne und Nostalgie – in die Köpfe und Beine. Ein guter Einstieg in den Abend. Direkt an der Bühne standen einige „Mutige“ und die Fotografen, dahinter eine Art Rettungsschneise bis zum „Gäste-Block“. Eine Zugabe war nicht vorgesehen; ein straffes Zeitregime mit kurzen Umbauphasen sorgte für wenig Leerlauf.

The Wars

 
„Christine Plays Viola“ konnten schnell begeistern. Auch bei der italienischen Formation drang die angenehme und kräftige Stimme des Sängers mit dem klangvollen Namen Massimo Ciampani tief in die Gehörgänge ein. Eine am Seil hängende Stoffpuppe (Voodoo?) bekam hin und wieder einen kräftigen Stoß und schwang durch den Bühnenhimmel. Und wie schon bei „The Wars“ war auch hier das Zucken und Wippen als Folge des Musikzaubers auf der Bühne unvermeidbar. Voller Leidenschaft widmete sich Gitarrist Fabrizio Giampietro, der weitestgehend unter einer wahren Mähne wildlockigen Haars verschwand und sich schon einmal auf die Knie warf, seinem Instrument. Wunderbar präsentierte sich auch das Schlagzeug – vehement gespielt mit wenig „Blech“. Die Rettungsschneise wurde deutlich schmaler.

Christine Plays Viola

 
Mit einer sphärischen Geige wurden die Stücke von „Red Sun Revival“ untermalt aber auch als Oberstimme eingesetzt. Zurückhaltend setzte der Sänger seine warme Stimme ein. Romantisch und melancholisch und doch temperamentvoll. Der Bass grub sich tief in die Magengegend. Gothic Rock im Gewand der Jetzt-Zeit. Die Zuhörer waren fasziniert und ließen sich mitreißen.

Red Sun Revival

 
Anschließend gaben sich die Initiatoren des Abends die Ehre: Die „Golden Apes“ mit sechs Personen zahlenmäßig in der größten Besetzung. Viel Bekanntes, was auch sofort zündete. Sänger Peer Lebrecht schmal und schüchtern wirkend klammerte sich wie Halt suchend an seine Zigarette. Woher mag er nur diese volle intensive Stimme holen… Heftiger Rhythmus gepaart mit Düsternis fuhr in Kopf und Beine. In der Dunkelheit erblickte man nun das eine oder andere erfreute, ins sich hineinlächelnde Gesicht. Die Rettungsschneise war inzwischen vollkommen aufgefüllt.

Golden Apes

 
Als durchaus ungewöhnlich kann man die vorletzte Band des Abends bezeichnen. Dunkler Wave aus der Türkei – entsprechend mit türkisch-sprachigen Texten ausgestattet. Für die meisten Anwesenden wohl „unverständlich“. Und trotzdem wurden die zwei Musiker, die ihren Auftritt zurückhaltend aber durchaus mit Leidenschaft bestritten, verstanden. So dass sich die Melancholie der einzelnen Stücke in die Hörerschaft schleichen konnte. Die Gäste im Saal waren nun vollends in „Bewegung“.

She Past Away

 
Ist es eine undankbare Aufgabe, so einen Abend zu beschließen? Viele Gäste hatten „ihre Band“ gehört und waren nun bereits seit über fünf Stunden auf den Beinen. „NFD“ aus England konnten die Massen jedenfalls nicht halten. Die Reihen lichteten sich merklich. Einige dürften sich über den Schlagzeuger geärgert haben, der sich während der letzten Stücke von „She Past Away“ direkt neben der Bühne auf Gegenständen bzw. dem Boden einspielte. Zumindest für die in der Nähe Stehenden unüberhörbar. Ebenso durfte man über das Posieren des Gitarristen differenzierter Meinung sein. Letztendlich war die Musik für viele Hörer aber vielleicht einfach zu metallastig. Harte Gitarrenriffs, treibendes, schepperndes Schlagwerk, wuchtige Bassläufe und mit Peter White ein Sänger, der stellenweise an Carl McCoy (Fields Of The Nephilim) erinnerte, oftmals aber auch in ein gewisses Grunzen abdriftete. Insgesamt scheinbar nicht jedermanns Sache.

NFD

 
Insgesamt war das Dark Spring Festival 2014 jedoch stimmig und bot den Anwesenden genussreiche Stunden. Und wer noch nicht genug hatte und sich mit einer extremen Lautstärke arrangieren konnte, bekam bei der Aftershowparty noch den einen oder anderen musikalischen Leckerbissen geboten.

Fotos: Marcus Rietzsch

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