Einheit Esch & Mur – Terre Haute

Wenn sich die Avantgarde zusammenfindet, darf nichts anderes zu erwarten sein, als die Erfüllung der Idee des Fortschritts. Oder eher die Besinnung auf die alte Schule der Künste, so wie es die Musik-Veteranen FM Einheit, En Esch und Mona Mur in ihrer neusten Kooperation „Terre Haute“ auslebten. Eine Symbiose aus Industrial, Rock und punkigem Unterton. Eine Symbiose, die sich eines verbietet: das Begnügen mit Konserven-Beats oder das Verkaufen von Plastikgedudel mit schnöden Gitarrenriffs als Industrial. Ein Zusammenschluss, der hält, was die Zusammenarbeit dreier dominanter Köpfe, unter anderem der „Einstürzenden Neubauten“ oder „KMFDM“, verspricht.

Zur Sache: Das Album ködert mit seiner Eigenwilligkeit, und das nicht nur zwischen den Stücken. Beginnt es auch mit einem ruhigen und überraschend harmonischen „Sleepbabysleep“, so braucht man nicht fürchten, dass sich diese Idylle auf das komplette Album überschlägt. Denn schon das zweite Stück „Hacken“ kündigt sich kratzender und kantiger an, als der Einstiegstitel endete. Und weißt spätestens bei dem von En Esch rauchigem „Im Frühtau zu Berge wir zieh´n. In die Fresse wir kriegen.“ in die Richtung, die das Album einschlagen wird. Ein rauer Ton, der nicht zuletzt durch die verzerrte Stimme Eschs, die sich wie ein roter Faden durch das Album ziehen und von Mur röhrigem Gesang getragen werden wird. Leben „Reachforthesun“ und „Schick kaputt“ vom trägen Rhythmus, der es dennoch vermag, eine musikalische Sogwirkung zu erzielen, so manifestiert sich jener Rhythmus zu marschhaften Charakterzügen, die „Kiss thering“ vorantreiben. Ein Stück, das erneut die derbe Gitarre beiseite legt und dafür den Kontrast zwischen Esch und Mur ausbaut. Um diesen im „Salomon Song“ komplett auszuspielen. Einem Titel, der dem Original aus Brechts Dreigroschenoper einen allzu düsteren Ausdruck verleiht.

Als Fazit kann gesagt werden, das dieses Album der großen Älteren zeigt, was den Neuen fehlt: Das Experimentieren. Und so streift das Album für mich ein wenig die Stimmung der Neubauten, lässt kurz die neuen Werke von KirlianCamera oder Laibach in die Erinnerung rufen und stellenweise eine Meret Becker nachklingen. Nicht unbedingt der konkreten Parallelen wegen, aber doch aufgrund der Atmosphäre. Somit ein solides Stück Avantgarde, das man für sich vielleicht erst warmhören muss, aber das dennoch nicht lauwarm daherkommt. Sondern im Grobschlächtigen seinen Charme besitzt.

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