Hieronymus Bosch und seine Bildwelt im 16. und 17. Jahrhundert

Ausstellungsansicht, 2016, © Gemäldegalerie / Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

11. November 2016 - 19. März 2017

BERLIN, GEMÄLDEGALERIE

„Zum 500. Todesjahr von Hieronymus Bosch zeigen die Gemäldegalerie und das Kupferstichkabinett in einer Studioausstellung ihre Bestände an Werken des Meisters selbst, an Kopien nach ihm und an Arbeiten, die von Bosch inspiriert sind. Den Mittelpunkt der Gemäldepräsentation bildet die Tafel mit Johannes auf Patmos, ein signiertes Hauptwerk Boschs. Ihm stehen vier Kopien seiner großen Schöpfungen gegenüber, darunter das monumentale Weltgericht, das kein geringerer als Lucas Cranach der Ältere nach Boschs heute in Wien befindlichem Original fertigte. Ein Triptychon der Versuchung des hl. Antonius, das um 1550 als verkleinerte Variante des berühmten Werks in Lissabon entstand, kann nach einer gerade abgeschlossenen Restaurierung nun erstmals seit 150 Jahren wieder gezeigt werden. Dass die phantastischen Welten des Hieronymus Bosch – so die originale Signatur des Malers – auch noch im 17. Jahrhundert eine Inspirationsquelle für niederländische Künstler waren, zeigen Gemälde von Adriaen Brouwer, David Teniers d. J. und Frans Francken d. J.
Das Kupferstichkabinett verwahrt über die Hälfte der noch erhaltenen eigenhändigen Bosch-Zeichnungen, die als Höhe- und Endpunkt der niederländischen Zeichenkunst des 15. Jahrhunderts gelten. Darunter nimmt Das Feld hat Augen, der Wald hat Ohren als eines der drei sogenannten Meisterblätter eine herausgehobene Stellung ein. Boschs intime Zeichnungen offenbaren einen Virtuosen, der seine Wesen und Visionen in intuitiv-skizzenhafter Weise mit wenigen Federstrichen aufs Papier zu bringen verstand. Zum ersten Mal seit 15 Jahren werden jetzt sämtliche Berliner Blätter von Bosch gezeigt, sowohl Vorder- als auch Rückseiten. Aus konservatorischen Gründen werden die äußerst empfindlichen Arbeiten dabei jeweils paarweise und abwechselnd für wenige Wochen ausgestellt. Ergänzt werden die Originale des Meisters um Zeichnungen und Druckgraphik aus Boschs Umkreis sowie seiner Nachfolge und Rezeption, die von Alart du Hameel über Pieter Bruegel bis zu James Ensor reicht.“ (offizielle Ausstellungsankündigung)

So betrete ich voller Spannung den ersten von zwei Räumen, die dieser Sonderausstellung gewidmet sind. Hinter Glas warten etwa 16 kleinformatige, einfarbige Werke verschiedener Künstler auf eine nähere Betrachtung.

Mit den verstörenden, geheimnisvollen Motiven, mit den unbeschreiblichen Monstern üben die Bilder eine Faszination ohnegleichen aus. Und was den unbedarften Gast dieser Ausstellung eventuell überrascht: Boschs Werke und Handschrift wurde unzählige Male kopiert. Adaptionen von teilweise sehr berühmten Malern. Ich entdecke beispielsweise „Die Versuchung des Heiligen Antonius“ von Pieter van der Heyden oder Michael Heers „Hexensabbat“. Auch Goyas „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ ist zu sehen, aber ebenso Zeichnungen bzw. Skizzen von Bosch selbst.

Große, farbige Bilder ziehen die Besucher im zweiten Raum in ihren Bann. Dem voran der Flügelaltar mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts gemalt von Lucas Cranach dem Älteren. Der Kopist scheint das Original vor Augen gehabt zu haben, trotzdem hat er deutliche Spuren seiner Handschrift hinterlassen. Als Betrachter verliert man sich in der Fülle der Details. Ein unüberschaubarer Reichtum an phantastischen Bildelementen.

Nach einem Rundgang durch die Dauerausstellung, bei dem es mir vor allen Dingen ein Vanitas-Stillleben von Pieter S. Potter und eine Flußlandschaft im Mondschein von Aert van der Neer angetan haben, zieht es mich noch einmal zurück in die Welt des Hieronymus Bosch. Der zweite und dritte Blick offenbart bisher Unentdecktes. Die Menge an Details überflutet das Gehirn.

Zum Abschluss setze ich mich in eine Art offenes Separee, um den bereitliegenden Ausstellungskatalog durchzublättern und zu begutachten. Ein umfangreiches Buch, welches viele Informationen liefert und Daheimgebliebenen mehr als nur einen Eindruck in die kleine Ausstellung gewährt.

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» Rezension: Ausstellungskatalog

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