Günter Abramowski – Vor den Toren von Tag & Nacht

Günter Abramowskis Gedichte klingen etwas enttäuscht, etwas bitter, aber ebenso etwas wütend. Themen wie Essen, die Natur, verwirrende Gedanken, die Kälte bei Talkshows, Vergeblichkeit, Leben als fließendes Wasser, das Altern oder auch die vielen kleinen Eichmänner. Besondere Augenblicke in Worte gefasst. Und doch sind es Wanderungen durch einen fast normalen Alltag. Ich folge diesen Worten, lasse mich mit- und hinreißen. Und staune über die Vielfalt des Lebens.

„…meine hier verkackte zeit
& alles was ich je gelebt
ist meine sehnsucht nicht
war nur ein lebensfernes schweben…“

Eine Erkenntnis? Eine Enttäuschung? War das Leben lebenswert? Schau auf dein eigenes Leben und werte es selbst.

„…und nicht an frage scheitern
warum es der menschheit nicht gelingt
ihre götter vom humanismus zu überzeugen“

 Gute Frage. Nächste Frage. Sind denn Menschen alles Humanisten?

Klappentext
„Günter Abramowski steht ganz sicher in der großen Tradition deutschsprachiger expressionistischer Dichtung und immer wieder finden sich Anklänge an die Dichtung der Neuen Sachlichkeit. Und doch, wie wunderbar, ist es am Ende immer wieder Abramowskis ganz eigener Stil. Großartig! (aus dem Vorwort von Leander Sukov)“

Und die folgenden Zeilen haben bei mir ein Magengrummeln ausgelöst:

„…ich habe eine niere schon
im vorvertrag gegeben
& dafür kriege ich das
Rundumsorgenfreie leben
& jedes jahr 1 neues i-phon
gratis noch dazu…“

Schöne neue Welt. Verdrängte Realität. Günter Abramowski rückt diese Realität grob ins Licht. Wir sehen es. Wir sehen es nicht.

Ein Angriff auf die Heile Welt der Satten und Reichen:

„…was deine führer wollen
geht dich einen scheissdreck an
frag doch mal
wie sich bei permanenten
wachstum werte wandeln…“

Ich bin beeindruckt, fast beschämt. Es ist alles so wahr. Aber ich schließe die Augen und die Ohren. Mein eigenes kleines Leben fliegt mir um die Ohren, wenn ich diese Gedichte in mich hineinlasse. Aber ich lasse sie hinein. Den Fragen darf sich der Lesende noch und noch stellen. Vielen Fragen. Lebensfragen.

ISBN 978-3-939771-44-9
Elbaol Verlag

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