Im Gespräch mit The Gathering

Ein Interview mit „The Gathering“!! Einer unserer großen Wünsche für die Magazinseite… Und er schien in Erfüllung zu gehen, als uns Davy vom „Psychonaut Records“-Team anbot, unsere Fragen per Mail zu schicken. Er könne zwar nicht garantieren, daß die Band bei allem Tourstreß Zeit zum Beantworten findet, aber zumindest bestünde Hoffnung…

Letztendlich kam dann aber alles anders, denn als wir zum Konzert in Nürnberg eintrafen, bestand kurzfristig (das heißt in diesem Fall: innerhalb von zwei Minuten Bedenkzeit) die Möglichkeit, das Interview „live vor Ort“ durchzuführen. Und so fanden wir uns nach kurzem Aufwallen von Panik (ein Glück, daß wir wenigstens das Diktiergerät bei uns hatten…) in einem kleinen Raum backstage wieder. Dort stand uns dann ein gutgelaunter Hans Rutten, seines Zeichens Gründungsmitglied und Drummer von „The Gathering“, Rede und Antwort…

Folgendes haben wir von Hans erfahren:

2004 war ein stressiges Tourjahr für Euch und Ihr habt viele verschiedene Länder bereist. Wo hat es Euch am besten gefallen?

Hans: Schwer zu sagen… Wir waren sehr überrascht von Chile. Es war das erste Mal, daß wir in Santiago gespielt haben und es war wirklich verblüffend. So weit weg von zuhause und alles sehr fremd… Und Tausende von Menschen: wir hatten zwei ausverkaufte Shows. Dort waren wir wirklich wie Rockstars!

Wir haben schon von einigen Bands gelesen oder gehört, daß Auftritte in Südamerika überwältigende Erlebnisse sind. Glaubst Du auch, daß die Menschen dort ein besonderes Feeling für diese Art von Musik haben?

Hans: Ja, alles ist dort sehr emotional. Die Menschen zeigen mehr Gefühle – auch der Musik gegenüber. Folglich macht es auch sehr viel Spaß, dort zu spielen.

Im Moment seid Ihr sehr mit der Tour beschäftigt. Wann arbeitet Ihr an den neuen Songs? Sammelt Ihr auch während der Tour Ideen?

Hans: Natürlich, und wir haben auch während dieser Tour Neues gemacht. Aber das Material klang nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben – wir haben jetzt damit aufgehört und machen erst die Tour zu Ende. Nach einer kurzen Pause wollen wir dann weiterarbeiten. Wir möchten Musikstrukturen und unsere momentanen Ideen mit den besten Elementen aus der Vergangenheit weiterentwickeln. Wir wollen uns immer wieder neu erfinden…

Hat jedes Euerer Bandmitglieder Einfluß auf Euere Musik?

Hans: Jeder macht sozusagen „sein eigenes Ding“. Ich arbeite an den Arrangements. Anneke und Frank beispielsweise machen hauptsächlich Musik, wobei Anneke eigentlich von allem etwas macht. Es ist ein sehr schöner, angenehmer Arbeitsprozess, aber sehr schwierig genau zu erklären – es ergibt sich irgendwie von selbst. Ein guter Song ist in ein paar Tagen geschrieben. Damit ist es ähnlich: er schreibt sich auch von selbst, wenn man nur genau in eine gute Idee hineinhört.

Nun habt Ihr ja auch eine zweite Frau in der Band…

Hans: Ja, die Frauen werden wirklich unterschätzt! Jetzt sind wir beinahe fifty-fifty… (lacht)

Während einer Tour seid Ihr für lange Zeit auf engstem Raum zusammen. Ist das manchmal nicht ein großes Problem?

Hans: Nun ja, manchmal ist es schon sehr schwierig. Gestern abend im Bus zum Beispiel wollte ich einfach mal ein gutes Buch lesen und andere wollten einen Film ansehen – da wünsche ich mir dann schon, einfach daheim im Stillen zu sitzen. Ich glaube, wir freuen uns alle auf eine Pause. Heuer hatten wir 77 Auftritte, das ist eine ganze Menge! Es wird einfach Zeit zum Ausruhen, denn wir waren 2003 und 2004 sehr viel unterwegs.

Also habt Ihr an Weihnachten frei?

Hans: Ja, es stehen zwar andere Dinge an, aber keine Auftritte. Mit unserem eigenen Label und den Arbeiten an den neuen Songs haben wir dennoch viel zu tun. Aber ich kann jeden Abend in meinem eigenen Bett schlafen! (lacht)

Euer Musikstil hat sich durch all die Jahre hinweg verändert. Wie glaubst Du, wird die Entwicklung der Band in der Zukunft sein?

Hans: Das ist immer eine Überraschung – auch für uns selbst. Ich könnte jetzt sagen, daß wir ein gitarrenorientiertes neues Album machen werden, aber das kann sich selbst im Studio noch ändern. Wir folgen einfach unseren Herzen – und das ist das Beste für die Songs. Wir sehen, was das Optimale für die Bedeutung des Stückes ist und denken dann nicht großartig darüber nach – es passiert beinahe von alleine. Natürlich verändern wir uns, lernen Neues und werden von neuen Dingen beeinflußt: Musik, Bücher, Kino… Trotzdem sind gewisse atmosphärische, melancholische Elemente immer vorhanden. Aber es ergibt sich immer etwas Neuartiges. Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum uns die Fans mögen. Wir schauen niemals zurück in die Vergangenheit, sondern nur in die

Zukunft und wir wollen keinen Schritt zurück machen!

„The Gathering“ ist auch sehr bekannt wegen Annekes exzellentem Gesang. Momentan liegen ähnliche Bands ja voll im Trend. Glaubst Du, daß Ihr diesen Bands auch als Vorbild gedient habt?

Hans: Vielleicht einigen, da wir ja nun schon seit fünfzehn Jahren in dieser Band zusammenspielen. Anderen wohl eher nicht.. (Konkreteres verrät Hans leider nicht…)

Ihr macht Eueren Job also schon sehr lange. Eure Landsleute von „Within Temptation“ sind ja sehr erfolgreich mit ihrer Sängerin. Seid Ihr etwas traurig darüber, daß andere so mega-erfolgreich geworden sind?

Hans: (kritisch) Nein, mir erscheint es mehr als eine Wahl, die man selbst treffen kann. Wir könnten genauso einen Vertrag bei einem großen Plattenlabel in Holland oder Deutschland unterschreiben, dann „Mandylion oder Nighttime Birds Part 2“ aufnehmen und vom Label gepusht werden. Aber das ist keine Kunst. Wir machen Musik um der Musik willen und nicht für irgendwelche Trendmagazine. All diese Bands sind sehr groß – und ich weiß, warum. Es kostet sie wirklich sehr viel. Ich weiß auch nicht, was sie damit erreichen wollen. Das ist alles eine Geldsache! Ich glaube auch, daß das nicht wirklich wichtig ist. Das ist die Wahl, die sie getroffen haben… Wir haben uns entschlossen, mehr „underground“ zu bleiben. Dafür haben wir unser eigenes Label und die Kontrolle über alles. Und wir müssen keine blödsinnigen Sachen machen: Playbacks und dumme Auftritte bei „Top of the Pops“. Bullshit! (verärgert) Ich bin darüber nicht traurig und auch nicht glücklich. So ist eben unsere Wahl!

Wie Du bereits erwähnt hast, habt Ihr Euer eigenes Plattenlabel gegründet. Ist das eine Menge zusätzliche Arbeit für Euch?

Hans: Ja, es ist eine Menge Arbeit. Aber mittlerweile läuft es recht gut. Alles ist an Ort und Stelle und wir haben Leute, die für uns arbeiten. Wir haben die totale Kontrolle und alle Freiheiten. Ich denke, es ist besser so, als sein „Kind“ wegzugeben. Genauso fühlt es sich nämlich an, wenn man seine Arbeit an eine Plattenfirma abgibt. Für uns macht so etwas keinen Sinn. Es fühlt sich nur bequemer an. Natürlich ist alles auch eine rechtliche Sache. Wir sind auch nicht so groß, daß wir uns Sendezeit bei Viva kaufen können. Aber wir sind glücklich darüber, frei zu sein…

Wie war Euer gestriger Auftritt?

Hans: Wir hatten gestern eine Show in Lahr, die etwas schwierig war – vielleicht, weil sie an einem Montag war? Es waren ungefähr 200 Leute da. Ich glaube, heute abend wird es besser. Es ist relativ schwierig für uns hier in Deutschland…

Wirklich?

Hans: Ja, aber jede Band hat momentan Probleme in Deutschland, mal mehr – mal weniger. Weihnachten steht vor der Tür und man gibt sowieso viel Geld aus – und man kann es eben nur einmal ausgeben. Aber ich persönlich bevorzuge es sowieso, vor nur 300 Leuten zu spielen.

Wegen dem besseren Kontakt zum Publikum?

Hans: Ja, der ist wirklich viel besser als bei einem Auftritt in einem Stadion oder bei einem Festival…

Wenn Du einen Wunsch für die Zukunft der Band hättest: wie würde er lauten?

Hans: Ich bin eigentlich sehr glücklich. Wir arbeiten momentan an einer DVD und an einem neuen Album. Ich würde mir wünschen, daß beide aus künstlerischen Gesichtspunkten unsere besten werden. Und wir wollen wunderbare Songs schreiben – das ist das Einzige, das zählt. Bei uns dreht sich alles um die Musik. Sonst dreht sich ja fast alles nur noch um Kommerz und alles ist sehr oberflächlich. Wir möchten zeitlose Musik machen, die man sich auch in zehn Jahren noch anhören kann. Im privaten Bereich würde ich mir wünschen, herumreisen zu können und etwas von der Welt zu sehen.

Habt Ihr schon einen konkreten Zeitplan für 2005?

Hans: Wir sind noch ein paar Tage unterwegs. Dann machen wir eine kurze Pause und beginnen dann mit den Arbeiten zum neuen Album. Wir hoffen, die DVD im Sommer und das Album vielleicht im Oktober veröffentlichen zu können. Und außerdem ist Anneke schwanger und bekommt demnächst ihr Baby…

Gute Neuigkeiten also zum Schluß – denn leider war auch unsere Interviewzeit schon vorüber. Bereits seit einer Viertelstunde stand die Vorband „Paatos“ auf der Bühne und das Zimmerchen wurde für die letzten Vorbereitungen vor dem Auftritt von „The Gathering“ benötigt… Es bleibt das Gefühl, daß diese Band nicht nur ein musikalisches Juwel ist, sondern auch durch aufrichtige „Nicht-Kommerz-Sucht“ viel Sympathien verdient! „Herzlichen Dank“ an dieser Stelle nochmals allen, die dieses Gespräch ermöglicht haben – und vor allem aber Hans für die nette Beantwortung all unserer Fragen!

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