Live in Nürnberg: Lacuna Coil + Moonspell

4. Januar 2004

NÜRNBERG, HIRSCH

Pünktlich am 04.01. war das erste Mal in diesem Winter der Niederschlag in unserer Region eindeutig als Schnee zu identifizieren. Und das in so reichlicher Menge, das sich allein schon die Anreise nach Nürnberg als Abenteuer herausstellte.

Nun, alles wäre nicht so schlimm gewesen, wenn da nicht um 18.30 Uhr ein Interviewtermin mit Lacuna Coil angestanden wäre, den wir natürlich nicht kampflos aufgeben wollten. Aber das Glück war auf unserer Seite und so wurde pünktlich drei Minuten vorher ein freier Parkplatz angesteuert. Was wir beim Gespräch mit der Band alles erfahren haben, ist detailgetreu in der Rubrik „Gespräche“ festgehalten.

Aber nun ein paar Eindrücke vom düster-rockigen Abend im (trotz Schneechaos) gutbesuchten „Hirsch“:

Zugegebenermaßen habe ich vom Poisonblack-Auftritt nichts mitbekommen, da ich mich zu diesem Zeitpunkt angeregt hinter der Bühne unterhalten habe. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass die finnische Band mit dem attraktiven „Sentenced“-Sänger am Mikro nicht nur die Damenwelt begeistert hat.

Als nächstes waren die Jungs von Passenger an der Reihe. Rockig hart und sehr laut. Die Fans mögen mir verzeihen, aber es traf nicht wirklich meinen Geschmack und hörte sich etwas eintönig an. Auch das Publikum schien nicht so richtig warm zu werden, obwohl die Schweden schon sehr viel Spielfreude zeigten. Ob es wohl am Wetter lag?

Mit Moonspell war dann sozusagen die andere Ecke Europas „on stage“. In den ersten Reihen vor der Bühne drängten sich zahlreiche durch Moonspell-Bandshirts erkennbare Fans und zeugten vom hohen Beliebtheitsgrad der Portugiesen. Die Band präsentierte eine Stunde lang ihre düsteren Klangbilder, die den Hörer scheinbar an eine riesige, komplexe Mauer aus Musik fesseln. Der charismatische Frontmann Fernando Ribeiro im langen, schwarzen Mantel wirkte tatsächlich wie ein „Fürst der Finsternis“, der drohend und mahnend sein Publikum zur Gefolgschaft aufforderte. Was tatsächlich sogar dazu führte, dass sich einige der nur noch leicht angefrorenen Hände in die Höhe reckten…

Zu vorgerückter Stunde betrat dann der Headliner des Abends zum zweiten Mal nach ihrem Auftritt im November 2002 die Nürnberger Bühne: Lacuna Coil aus Italien vervollständigte das europäische Quartett. Die Band um Sängerin Cristina Scabbia und Sänger Andrea Ferro vermag es, mit ihrer mitreißenden Mischung aus Gothic-Metal, gepaart mit melodischem sowie aggressivem Wechselgesang, zu begeistern. „Swamped“, der erste Song des „Comalies“-Albums eröffnete auch die Show der Gruppe, die in den vergangenen Monaten auch mit großem Erfolg in den USA aufgetreten ist. Zu meiner Freude wurden aber nicht nur Stücke des aktuellen Albums dargeboten, sondern von der Vorgängerscheibe „Unleashed Memories“ beispielsweise mit „Senzafine“ auch ein Lied in italienischer Sprache. Sängerin Christina schafft es auf einzigartige Weise, die Songs auf der Bühne zu leben: scheinbar leidend auf dem Boden zusammengesunken, um im nächsten Moment in ein temperamentvolles Duett mit Andrea überzuleiten. Apropos Temperament: die Feststellung Andreas „this is not the capitol of headbanging“ sollte wohl eher zum Mitmachen anregen, aber leider war die Stimmung unverständlicherweise immer noch nicht am Kochen. Glücklicherweise wurde die Band davon nicht gebremst, und als Christina, die im schwarzen Gehrock mit weißem Kragen an eine Priesterin des Goth-Metal erinnerte, den von vielen erwarteten Hit „Heaven`s a lie“ predigte, ist wohl auch das Publikum endgültig aufgetaut. Schade, dass auch Lacuna Coil nur eine gute Stunde Spielzeit zur Verfügung hatte.

So kann man sich vorerst nur auf das geplante neue Album der außergewöhnlichen Band freuen – und auf hoffentlich viele darauf folgende Liveauftritte.

Noch ein Tip ans Publikum: Bitte zukünftig vor dem Konzert die Nacken-muskeln lockern, so macht´s allen mehr Spaß!

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