Live in Gefrees: Persephone + Bella Donna

19. Mai 2006

GEFREES, PENDRAGON

Eines der wohl ungewöhnlichsten Konzertereignisse dieses Jahres ist vorüber! Wie kann man so etwas jetzt schon behaupten, obwohl noch nicht einmal der Wonnemonat Mai verstrichen ist? Nun, selten fallen so viele extraordinäre Komponenten zusammen, wie bei dieser Veranstaltung…

Zuerst einmal die Location – kein Insider-Gothic-Club oder eine der allseits bekannten (und unbeliebten) Betonhallen. Nichts dergleichen, denn klein aber fein stellte das „Pendragon“ im beschaulichen oberfränkischen Gefrees seine Räumlichkeiten zur Verfügung. „Hausherr“ Andy Lang, der hier sonst mit seiner eigenen Band Irish-Folk-Events zelebriert, schaffte im „Roten Salon“ ein einzigartiges Ambiente in gemütlicher keltischer Atmosphäre. Wo sonst kann eine bunt gewürfelte (obwohl dennoch überwiegend schwarz gekleidete) Zuhörerschaft in gemütlichen Sesseln und auf fellbedeckten Bänken bei Kerzenschein den angekündigten „Gothic-meets-Classic“-Melodien lauschen?

Hiermit sind wir also beim Hauptthema angekommen: der dargebotenen Musik. Eröffnet wurde die Klangreise durch die „Lokalmatadoren“. Diese Bezeichnung rührt nicht daher, weil jeder Nordostbayer die Band Bella Donna kennt; nein, der Kopf der Truppe, Songwriter Jochen Schoberth stammt aus der nahe gelegenen Wagnerstadt Bayreuth. Er präsentierte seine Kompositionen und das neue Album „II“ in interessantem Line-Up: mit den zwei Sängern Jan Kunold und Chris Goellnitz. Beide repräsentieren durch ihre Stimmen vollkommen unterschiedliche Songaspekte. Einerseits sehr klassisch – andererseits im Wave-Bereich angesiedelt, wechseln beide Vokalisten durch Bella Donnas Melodien und münden letztendlich in einem mitreißenden finalen Duett. Der knapp einstündige Auftritt verging wie im Fluge und konnte in einer anschließenden halbstündigen Pause bei einem gemütlichen Glas Wein oder selbst kreiertem Punsch nachklingen.

Der Act des Abends war aber zweifelsohne der Auftritt von „Persephone“ auf dem mittlerweile mit weißen Lilien dekoriertem Bühnenboden. Die Frontfrau mit dem knallroten Haarschopf, Sonja Kraushofer, ist vielen von ihrem populären Hauptprojekt „L´ame Immortelle“ bekannt. In Begleitung von drei Cellisten bezauberte sie mit eindringlichem, gefühlsintensivem Gesang, gebettet in zauberhafte Stücke, deren Texte sich vor allem um das immer aktuelle Thema „Liebe“ ranken. Diese Sängerin durchlebt die Kompositionen regelrecht, unterstreicht ihren Vortrag durch rege Gestik und bezieht schon mal den ganzen Raum des „Pendragon“ mit ein, indem sie Duftöl verfächernd durchs Zimmer rauscht. Die Lieder erzählen Geschichten wie vom „Spieglein an der Wand“ und entführen sowohl in Traumwelten als auch in amouröse Tragödien. Leider war dieser fesselnde Vortrag viel zu schnell vorbei, doch ein begeistertes Publikum erhielt auch die geforderten Zugaben, wobei mir dabei vor allem die brillante Coverversion von „Perfect Strangers“ im Ohr haften blieb.

Alles in allem wurde in den kurzweiligen Stunden musikalische Kost vom Feinsten geboten, die tatsächlich sowohl Liebhaber der Klassik als auch Fans aus der Gothic-Szene begeistern konnte. Einzig wünschenswert wäre eine etwas größere Besucherschar gewesen. Aber allen dabei Gewesenen wurde in dieser eher kühlen Frühlingsnacht auf jeden Fall allein durch die Musik das Herz erwärmt.

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