Alien Hand Syndrome – The Sincere And The Cryptic

Alien-Hand-Syndrome ist eine neurologische Störung, bei der ein betroffener Patient über eine seiner Hände kaum bis keine Kontrolle mehr hat. Die Hand erscheint fremd und wird als dem Körper unzugehörig betrachtet. Es kommt häufig vor, dass diese Hand komplett entgegengesetzt arbeitet. In extremen Fällen ist sogar der Versuch des Erwürgens nicht ausgeschlossen. Eine überaus dunkle und beängstigende Vorstellung.

Angst bereiten die zumeist zarten Klänge des gleichnamigen österreichischen Musikprojekts nicht. Doch der Bandname ist Synonym für den musikalischen Inhalt. Das Schrecken lauert quälend – oft in der Dunkelheit verborgen. Doch immer allgegenwärtig. Exemplarisch ist hierfür der Titel „The Evil And The Lovelorn“. Dunkle Orgel- und Celloklänge und die weiche Stimme von Clemens Engert führen den Hörer wehmütig ins Dunkel und erzeugen Gänsehaut – ehe das „Grauen“ kurzzeitig lautstark hervorbricht, um sogleich wieder im Schutz der Finsternis zu verschwinden.

„The Sincere And The Cryptic“ besticht durch eine große Zerbrechlichkeit, die sich wie ein roter Faden durch alle Titel zieht. Auch die wenigen „lärmenden“ Passagen weisen diese Empfindsamkeit, diese schmerzvolle Angreifbarkeit auf. Ein perfekte klangliche Untermalung für Herbst und Winter, wenn Landschaften vom Nebel verschluckt werden, die Dunkelheit nicht nur die Nacht, sondern auch Teile des Tages bestimmt und melancholische Gedanken durch den Raum schweifen. Eine intensive emotionale Symbiose aus sanften Piano- und Streichermelodien, akustischen Gitarren, synthetischen Klängen, dezenten Percussions und Rhythmen, die den Hörer in eine fragile und schwermütige Welt entführt. Ein überaus gelungenes und homogenes Debütalbum, das sich der dunklen Seite des Lebens „verschrieben“ hat und mehrmaliges Hören erfordert.

www.alien-hand-syndrome.com

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