The Dark Shadows – 11:11

„Ich möchte ein Eisbär sein im kalten Polar
dann müsste ich nicht mehr schreien
alles wär‘ so klar.
Eisbären müssen nie weinen“

Wer kennt diese Worte nicht? Brigitte Handley – die Frontfrau der australischen Band „The Dark Shadows“ – hörte diese musikalische Perle der 80er-Jahre, als sie die Schweizer Band „Grauzone“ in Deutschland sah. Und war – wie sie sagt – „sofort hin und weg“. Trotz einer gewissen Nervosität der hohen Qualität des Originals betreffend und mit dem Wissen, dass man sich auf ein gefährliches Terrain begibt, wagte man sich daran, diesen Klassiker der deutschsprachigen Musik zu covern. Von der fremden Sprache ließ man sich nicht abschrecken: „Wir lieben die Herausforderung und das war es auf jeden Fall, wenn meine Zunge versuchte, deutsche Texte zu singen! Es war eine interessante Aufgabe, in einer anderen Sprache zu singen Es gab mehr Freiheit mit der Stimme, die besser mit der Musik verschmolz. Deutsch eignet sich fantastisch für Lieder, es ist einfach klangvoller.“ Auf der deutschen Ausgabe der Mini-CD mit dem Titel „11:11“ befindet sich neben der durchaus gelungenen, sich stark am Original orientierenden deutschen Version von „Eisbär“ auch eine englischsprachige – „Icebears don´t cry!“

Bei den anderen fünf enthaltenen Stücke handelt es sich um Eigenkompositionen. Als Basis für die gitarrenorientierten Titel diente Rock´n´Roll. Angereichert mit Einflüssen aus dem Post Punk und New Wave. Und gewürzt mit viel Melancholie und einer gewissen dunklen Romantik. Eine dezent im Hintergrund agierende Orgel sorgt für eine der Jahreszeit entsprechende dunkle Stimmung. Selbst umschreibt die Band ihren Sound mit der Genreschöpfung „Post-Punk-Noir-Wave“. Bei den Klängen von „Blame“ – dem zweite Track und meinem persönlichen Höhepunkt der Mini-CD – erscheint eine einsame Landstraße und die grüblerische Fahrt gen Sonnenuntergang vor meinem geistigen Auge. Ein Eintauchen in die eigene, teils verworrene Gedankenwelt. Ohne äußerliche Ablenkungen. Der Song ist „eine Mischung aus Bedauern, Trauer und die Sorge vor dem, was noch vor uns liegt“, wie Brigitte Handley erzählt. „Es ist einfach, den Finger auf jemanden zu richten, man sollte dabei aber nicht vergessen, dass er andere auch auf einen blicken kann.“ Aber auch der Rest von „11:11“ kann überzeugen. Trotz der erwähnten Genreschöpfung sollte man allerdings keine musikalische Neuentwicklung erwarten. „The Dark Shadows“ lassen sich von bekannten Klängen beeinflussen – was der Qualität der Musik aber selbstverständlich nicht schadet. Ich warte jedenfalls schon gespannt auf weitere Veröffentlichungen – und Auftritte; konnten mich die drei Damen aus „Down Under“ doch schon beim Wave-Gotik-Treffen 2009 live überzeugen: Der sympathische Auftritt war eines meiner Highlights der Pfingsttage vor zwei Jahren in Leipzig.

www.thedarkshadows.com.au

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