Franken-Schwarz-Festival 2004

The Fair Sex

24. April 2004

ZEDTWITZ, FERNVERKEHR

Gibt es „schwarze“ Franken? Nun, was die Hautfarbe anbelangt, wohl eher wenige… Was die musikalische Neigung betrifft, sind es schon einige, die sich an diesem Nachmittag nach Zedtwitz begeben haben, um den melancholisch düsteren und rockigen Klängen von sieben Bands, gemischt aus Newcomern und „Alten Hasen”, zu lauschen. Also, was gab es denn so zu hören??

Die erste Band des Festivals war die Regensburger Formation „Atargatis”, die ihren Stil auf der Bandhomepage als „Dark Mystic Metal“ bezeichnet. Man könnte meinen, daß die Band Inspirationen von derzeit sehr angesagten Gruppen wie „Within Temptation“ oder „Nightwish“ bezieht, insbesondere in Bezug auf Gesang und Styling der (barfüßigen!) Sängerin Stephanie. Aber die Frontfrau von Atargatis hat wirklich eine tolle Stimme, die mit den kraftvollen und gleichzeitig melodischen Stücken perfekt harmoniert. Der männliche Gesangs-gegenpart des Bassisten dient dann wohl eher dem Metalimage… Für mich persönlich war es ein gelungener Auftritt, der schon zu früher Stunde die erst nach und nach eintrudelnden Besucher in ihren Bann zog.

Die darauffolgenden 45 Minuten waren für „Soul in Sadness“ reserviert. Sänger „SiS“ wurde von zwei Damen an Keyboard und Drumcomputer begleitet. Die etwas schwerfälligen Darkwave-Songs mit teils deutschen, teils englischen Texten sorgten für die nötige düstere, geheimnisvolle Atmosphäre im Publikum. Sicherlich keine auf Anhieb eingängige aber dennoch interessante Musik…

„Stolzes Herz“, Teilnehmergruppe Nr. 3 des Festivals, präsentierte sich extrem performanceorientiert. Für den musikalischen Part war der Sänger der Band zuständig, die Arrangements kamen vom Band. Die optische Unterstützung und Umsetzung der Texte erfolgte durch zwei Tänzerinnen, die Kälte einerseits und Liebe und Wärme auf der Gegenseite verkörpern. Die Bühne wurde dazu mit Tüchern teilweise verhüllt und mit Kerzen dekoriert. Der Auftritt stellte insgesamt dar, wie nach verlorener Liebe die Kälte Einzug ins Leben nimmt, aber nach gewisser Zeit wieder neue positive Gefühle aufkeimen können. Durch die showmäßige Untermalung wirkte das Ganze recht innovativ, hatte aber seine Längen durch lyricbedingte Wiederholungen.

Mein persönlicher Höhepunkt des Abends war der Auftritt von „Dementi“. Die vier Musiker, die bereits als Supportband von „Umbra et Imago“ tourten, präsentierten viele Songs vom Album „Zweigefühl“ sowie einige neue Stücke. Leider war die rockige und tempogeladene Show mit kleinen technischen Schwierigkeiten behaftet, die allerdings sehr sympathisch überspielt wurden. Das Publikum hatte auf jeden Fall seinen Spaß bei dem temperamentvoll dargebotenen Rock-Metal-Elektrowave-Mix und es kam Bewegung in die Menge!

Die fünfte Band „Gardens of Gehenna“ habe ich zugegebenermaßen nicht gehört – Zeit für`s Plauderstündchen 😉

Zu vorgerückter Stunde betraten „The Escape“ die Bühne. Musikalisch gesehen wurde man an die „Sisters of Mercy“ erinnert; leider wirkte der Auftritt insgesamt etwas schleppend, so daß keine rechte Stimmung bei den Zuhörern aufkommen mochte. Die ein-dringliche Stimme des Sängers (mit dunkler Sonnenbrille!) kam am besten im letzten Drittel des Gigs bei einem Solo mit Keyboardbegleitung zur Geltung, das für Gänsehautfeeling sorgte. Und der Abend war noch nicht zu Ende…

Der Headliner des Festivals „The Fair Sex“ begannen um 0.30 Uhr, das Publikum (teilweise schon auf die Sitzgelegenheiten ausgewichen) wieder aus den dunklen Ecken des Saales zu locken. Die Elektro-Gothic-Rock-Band aus Essen, die bereits 1984 gegründet wurde, hatte sich zwischenzeitlich aufgelöst und ist seit 1999 wieder voll aktiv. In Zedtwitz begeisterte die durchgestylte Gruppe mit einer powergeladenen Bühnenshow die schwarzen Franken (und natürlich auch die zugereisten Nicht-Franken) bis weit nach der Geisterstunde…

Insgesamt gesehen wurde beim 3. Franken-Schwarz-Festival durch Darbietungen in vielen unterschiedlichen Stilrichtungen eine interessante Mischung aus allen Bereichen der Gothic-Musikszene geboten, der ich noch mehr Zuhörer gewünscht hätte. Vielleicht kann man ja im nächsten Jahr als „Zugpferd“ eine wirklich populäre Band gewinnen, die nicht nur ein Insiderpublikum anspricht. So kommen auch die Newcomergruppen in den Genuß, vor gefüllten Reihen zu spielen. Auf das Franken 2005 noch schwärzer werde!

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