INVSN: Live in Chemnitz

8. August 2018

CHEMNITZ, ATOMINO

Der Abend des 8. August 2018 im Chemnitzer Atomino – einem Kellerclub mit über ein mal ein Meter dicken Stützen – kam für mich einer kleinen, gedanklichen Reise in die Vergangenheit gleich. Kurz nach der Grenzöffnung Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts lockte mich das Konzertangebot des AJZ Talschock häufig in das ehemalige Karl-Marx-Stadt, wo mich Auftritte von beispielsweise 25 Ta Life, Face Value, Die Krupps, Dog Eat Dog und vielen anderen begeistern konnten. Aber auch die Aussicht, Dennis Lyxzén auf der Bühne zu erleben, brachte Erinnerungen an längst vergangene Tage zurück ins Gedächtnis. Gehörte seine Stimme in Form des „Refused“-Songs „New Noise“ vor etwa zwei Jahrzehnten doch zum Standardrepertoire zahlreicher alternativer Clubnächte.

Doch ehe Dennis Lyxzén das Mikrophon in die Hand nahm, kündigte eine bedrohlich wirkende Geräuschkulisse den Auftritt des Electro-Punk-Rock-Duos „Prada Meinhoff“ an, welcher mich noch ein Stückchen weiter in die Vergangenheit reisen ließ. Fühlte ich mich doch stellenweise an Zeiten erinnert, als die „Neue Deutsche Welle“ noch nicht zum Großteil aus Klamauk bestand, sondern Bands wie „Ideal“ für Qualität in der deutschsprachigen Musik abseits des Schlagers sorgten. Daneben entdeckte ich hier und da Reminiszenzen – bewusst oder unbewusst – zum Deutsch-Pop heutiger Tage. Über allem lag jedoch eine gewisse Berliner Punk Attitüde und ein wenig Melodram. Im Zentrum der musikalischen Darbietung standen René Riewers „scheppernder“ Bass und Chrissi Nichols´ rebellisch-freche Stimme. Mit Leidenschaft sorgten die zwei Musiker für einen kurzweiligen Auftritt – inklusive eines Kraftwerk-Covers („Das Modell“), welches durchaus hörenswert war.

Nach der obligatorischen Pause betraten die fünf Musiker von „INVSN“ (Invasion) die kleine Bühne und wussten das Publikum umgehend zu begeistern. So benötige es auch nur einen kleinen Hinweis vom gestenreich und mit vollem Körpereinsatz agierenden Sänger Dennis Lyxzén, damit die Anwesenden den Sicherheitsabstand zum Bühnenrand überwanden und sich von dem großartigen Konzert mitreißen ließen. Im Laufe des Auftritts erschien Dennis der Abstand zum Publikum trotzdem zu groß, weswegen er sich kurzerhand unter die Gäste mischte. Die überaus dynamische Darbietung verging wie im Flug. Selbstverständlich entließ man die schwedische Post-Punk-Band nicht, ohne Zugaben zu fordern. Nachdem dieser Notwendigkeit nachgekommen war, begab sich der sympathische Sänger an den Merchandise-Stand, um für Gespräche mit den Fans bereit zu stehen. Doch seine Mitmusiker hatten andere Pläne und kamen zu seiner sichtlichen Überraschung erneut auf die Bühne. So beschloss ein letzter, ungeplanter Song eine wundervolle Zeitreise und einen großartigen Konzertabend.

Fotos: Marcus Rietzsch

Video: Matthias Mloh (Youtube)

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