Luci van Org und Christian von Aster – eine Weihnachtslesung

11. Dezember 2015

BERLIN, THEARTER GALERIE

An einem lauen Dezemberabend, der weder winterlich noch weihnachtlich schien, fand man sich in der theArter Galerie zu einer etwas anderen Weihnachtslesung ein. Die Protagonisten – Luci van Org und Christian von Aster – empfingen die Besucher mit roten Weihnachtsmannzipfelmützen auf den Häuptern, die diese vorzüglich und dem Anlass entsprechend schmückten.

Ohne Sack und Rute, sondern mit knallroter Akustikgitarre und Tablet bewaffnet, betraten die beiden Hauptdarsteller des Abends die kleine Bühne, um sogleich zu witzeln und Spitzen zu werfen, die das Publikum hier und da mit Kichern quittierten.

Luci van Org

Luci van Org präsentierte frivol-sarkastische Liedchen zur Gitarre. Thematisch an ein ganz spezielles Weihnachten angelehnt. Aber ebenso trug sie Coverversionen von Leonard Cohens „Hallelujah“ und Freddy Mercurys „Who wants to live forever“ vor sowie eine Geschichte über die Problematik, wie wann und wo ein Ehepaar einer vergnüglichen intimen Beschäftigung nachgehen könnte – wenn es denn da nicht einen munteren kleinen Sprössling gäbe. Die Pointe hatte dann auch mit Weihnachten zu tun. Desweiteren gab es Auszüge aus ihrem Buch „Schneewittchen und die Kunst des Tötens“, was – man kann es sich denken – nur eingeschränkt besinnlich war.

Christian von Aster brillierte mit schwarzhumorigen, aber auch gesellschaftskritischen Texten wie dem Bericht über 100 aufeinandertreffende Weihnachtsmänner – sich jeder als der einzig Wahre fühlend, einem bedingt fröhliches Gender-Verswerk über eine Weihnachtsperson, etwas über die Gentrifizierung des Wunderlandes oder wie das mit dem Hexenbrennstoff funktioniert. Und als Höhepunkt leistet der Wortakrobat Aufklärungswerk hinsichtlich der überraschenden Identität des Weihnachtsmannes. Wie so manche Erzählung von Christian von Aster nimmt auch diese überaus humorvoll und perfekt vorgetragene Geschichte kein gutes Ende – zumindest nicht für den Weihnachtsmann.

Christian von Aster

Viel zu schnell endete der kurzweilige und amüsante Abend. Entlassen in die mittlerweile regnerische Nacht zauberten die Texte noch lange ein Grinsen ins Gesicht…

Fotos: Marcus Rietzsch

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