Live in Berlin: Tempers + Votiiv

Tempers

12. Dezember 2015

BERLIN, URBAN SPREE

Als wir das Außengelände des Berliner Clubs „Urban Spree“ betraten, erwarteten uns bereits die kühlen Klänge des kanadischen Duos mit dem Namen „Votiiv“. Somit vergeudeten wir keine Zeit und schlüpften schnell in den kleinen Raum, um keinen weiteren Ton zu verpassen. Schemenhaft tauchten die Silhouetten von Kat Duma (Gesang) und Cam Findlay (Synthesizer/Keyboard, Gesang), der übrigens ebenso unter dem Namen „Kontravoid“ aktiv ist, aus dem Nichts auf. Die Nebelmaschine schien bis zum Anschlag der Belastbarkeit zu arbeiten. Anfänglich hielten die Anwesenden verhalten Abstand zur Bühne, nach und nach füllten einige Nachkommende diesen Bereich aber bis zum Ende des Auftritts zumindest ansatzweise auf. Obwohl uns die Band bis zur Konzertankündigung kein Begriff war, musste keine große Überzeugungsarbeit geleitet werden. Die rhythmischen und von Kat Duma mit zarter, teils hauchender Stimme vorgetragenen Stücken – stellenweise ergänzt durch die im Kontrast stehende, männliche Stimme von Cam Findlay – konnte uns umgehend begeistern. Viele Informationen über die noch recht junge Band aus Toronto gibt das weltweite Datennetz nicht preis, was sich in Zukunft sicherlich noch ändern dürfte. Schließlich scheinen die beiden Musiker, deren Klangwelten sich grob in den Bereichen Cold Wave und Electro/Synthie Pop verorten lassen, ein gutes Gespür für coole Sounds, tanzbare Beats und eingängige Melodien zu haben. So heißt es in der Zukunft: Augen und Ohren für Neuigkeiten über und von „Votiiv“ aufhalten.

Die nach einer mit recht guter Musik unterlegten Pause aufgetretenen „Tempers“ aus New York City blicken ebenfalls auf noch keine große Bandgeschichte zurück (gegründet 2011), konnten allerdings schon mit packenden Titeln wie beispielsweise „Hell Hotline“ auf sich aufmerksam machen. In der Hauptstadt stellten sie ihr kürzlich beim Berliner Label „aufnahme + wiedergabe“ erschienenes Debütalbum „Services“ live vor. Die Halbperserin Jasmine Golestaneh und der gebürtige New Yorker und Ex-Wahlberliner Eddie Cooper erschufen eine wundervolle bildhafte Atmosphäre zwischen urbanem Großstadtleben und raureifüberzogenen, nebelverhangenen Wiesen. Tanzbare Rhythmen gepaart mit hallenden Gitarrenriffs zu schleichenden Melodien zogen uns sofort in den Bann. Schwelgerische, melancholisch-dunkle Klänge, die in die Glieder fuhren, in denen man sich aber auch bestens mit geschlossenen Augen verlieren konnte. So unterschiedlich Temperamente und Charaktere (=Tempers) sein können, so gegensätzlich erschien die Mischung aus Post Punk, Cold Wave und Shoegaze – irgendwie entrückt und zugleich bodenständig. Kühl und doch gefühlvoll. Gedankenverloren wirkten auch die beiden, regelmäßig im verschwenderisch wabernden Nebel verschwindenden Protagonisten zu sein – ohne dabei allerdings die nötige Leidenschaft vermissen zu lassen. Nach etwa 35 bis 40 Minuten endete das faszinierende Konzert leider viel zu schnell.

Anschließend sorgten u. a. die DJs Philipp Strobel und Ian P. Christ noch für gute Laune. So dürfte unsere Lippen trotz Regen ein durchaus zufriedenes Lächeln umspielt haben, als wir nach draußen in die nasse Nacht traten…

Text: Edith Oxenbauer und Marcus Rietzsch
Fotos: Marcus Rietzsch

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