Matt Lombard – die dunkle Seite der menschlichen Natur

Crowley 1875AD

Die Bilder von Matt Lombard, der sich seit fast zwei Jahrzehnten der Fotografie verschrieben hat, sind seltsam, surreal und verstörend. Themen, die der Künstler erkundet, nimmt er in ihrer ganzen Tiefe auf und verschärft den Blick auf Details. Im Unterbewusstsein gibt es Lücken in der Wahrnehmung und Erinnerung. Bei der Erstellung seiner Bilder lässt er sich von einer inneren dunklen Stimme leiten, um ein Tor zu finden, welches eine Art Wiedergeburt verspricht. Die Erkundung der „weißen Flecken” seiner Seele sind Weg und Ziel zugleich.

Begonnen hat der Amerikaner als „normaler“ Fotograf, wobei er sehr bald seine wahre Ausdrucksform in der digitalen Bearbeitung von Bildern fand. Eine folgerichtige Entwicklung: Die zahlreichen Fotografien gaben nicht die Gefühle und Gedanken wieder, die Matt Lombard visuell umsetzen wollte. So steht mittlerweile ein langer Gestaltungsprozess vor der endgültigen Fertigstellung eines Werkes, welches dann für sich spricht.

In den letzten Jahren stand die Umsetzung zweier Serien im Fokus. Matts Konzentration lag zum einen auf einer Serie mit dem Titel „Dementia“. Der langsame geistige Verfall seines Vaters hatte eine starke Prägung hinterlassen. Die visuelle Verarbeitung der schrecklichen Eindrücke, der Gefühle und der Hilflosigkeit glich einer emotionalen Befreiung. Durch den künstlerischen Schöpfungsvorgang konnte der eigenen Schmerz ein Stückweit gelindert werden. Zum jetzigen Zeitpunkt umfasst die Serie „Dementia“ etwa 50 Bilder. Doch noch hat Matt Lombard keinen Schluss-Strich gezogen. Wer einmal den Verfall eines nahestehenden Menschen begleitet hat, wird die Bilder dieser Serie gut verstehen. Verschachtelte Gesichter, Versatz mit Teilen von Totenschädeln, herausgearbeitete Gesichtsdetails in sich gegeneinander verschiebenden Rechtecken bilden das Zerbrechen einer Persönlichkeit ab. Hier und da brechen Erinnerungen hervor, welche sich schnell wieder hinter Wolken verschieben. Dieses anfängliche Auf und Ab. Der Tunnel, durch den es noch ein Erreichen gibt. Bis auch diese Brücke zerbricht. So gleichen die Bilder einer zerbrochenen Wahrnehmung. Das Unverständliche verständlich abbilden. Versuch um Versuch. Die surrealen Gesichtsflächen zeigen den Kampf eines Sohnes, seinen Vater zu verstehen, als es schon nichts mehr zu verstehen gab. „Dementia“ – eine hochemotionale Serie.

In Matt Lombards zweiter Bilderreihe gehen chirurgische Gerätschaften, Skulpturen und Porträts eine fotografischen Symbiose ein. Diese Arbeiten werden durch die griechische Mythologie, den römischen Göttern und Cäsaren und vielen Symbolfiguren anderer Religionen inspiriert. Die monochromen Fotografien erhalten durch einen speziellen Lichteinfall und eine Strukturveränderung der Oberfläche ihren besonderen Ausdruck. Verwirrende Kombinationen von realen Körpern mit Statuen, ergänzt durch Symbole – wie beispielsweise Widderhörner – schaffen Fabelwesen. Botschafter einer morbiden Mythologie. Verfälschte Gesichter mit boshafter Ausstrahlung. Christlich-religiöse Motive erschrecken durch ihre düstere Überzeichnung, welche die eigentliche Bedeutung ins Gegenteil verkehren. Der Künstler setzt sich mit inneren und äußeren Dämonen auseinander. Dem Betrachter erschließen sich diese Bilder erst auf dem zweiten Blick.

Individuelle künstlerische Anregungen holt sich Matt Lombard durch Filme der Regisseure Darren Aronofsky, Nicolas Winding Refn und Lars von Trier. Ferner entwickeln sich aus musikalischen Reizen verschiedene Ideen. Zu den bevorzugten musikalischen Inspirationsgebern zählen beispielsweise Mazzy Star, Peter Gabriel, The Editors, Depeche Mode, Combichrist, Placebo, Nick Cave, Florence and the Machine und Septicflesh. Die Arbeiten von vielseitigen und teils provozierenden Künstlern wie Olivier de Sagazan, Dan Ouellette, Robert Gregory Griffeth, Dean Karr, Gilles Berquet und John Santerineross regen ebenso an, die eigene Gefühlswelt zu visualisieren.

Verfälscht, zerstückelt, zusammengesetzt, kratzige Oberflächen, furchterregende Fratzen, wirres Haar, diabolisches Gehörn, Todessymbole – Matt Lombards Fotografien sind geprägt von den Zeichen einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Leben. Bilder im fahlen Licht einer ewig währenden Dämmerung.

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