BenSwerk – phantasievolle Illustrationen

Ben ist diplomierte Grafikerin mit Sinn für Humor, Körper und Geist. Dass Ben „fließend Tai Chi“, was sie seit nunmehr fast zwei Jahrzehnten betreibt, beherrscht, lässt uns anerkennend schmunzeln. Sie besitzt den schwarzen Gürtel in Karate – Ihre Vorliebe für Äxte wollen wir deshalb lieber nicht hinterfragen. Schon vor ihrer Geburt stand der Berufswunsch fest. Später versuchten Dämonen ihr diesen auszutreiben – aber Ben hat ja die Axt… Seit 1999 lebt die Künstlerin in der deutschen Hauptstadt: „Der beste Ort zum – um Wladimir Kaminer zu zitieren – diffus kreativ sein.“

Diese „diffuse“ Kreativität zeigt sich in verschiedenen Techniken, die jeweils den unterschiedlichen Inhalten entsprechen. „Wenn ich gestalte, setze ich mich mit den anregenden Welten anderer auseinander. Meine freien Arbeiten machen meine Welten sichtbar – das sind gerne Szenen oder Portraits aus der Anderswelt.“ Die freien Arbeiten sind eine „wilde Mischtechnik“: Pigmente, Alkydharz, Kohle, Bleistift und Tee. Für Gestaltung und Illustration steht der Computer bereit.

Bisher gestaltete sie unter anderem für einen „weltweit agierenden“ Computerkonzern, eine Welthungerselbsthilfeorganisation, ein Öko-Kompetenzzentrum. Seit 2010 ist Ben für die gesamte Rahmen- und Buchgestaltung des Golkonda-Verlags verantwortlich. Außerdem illustriert die Grafikerin für „Autorinnen und Autoren, die nicht rechtzeitig das Weite suchen“. Ihre Gestaltung zum Roman „Der Spieler“ von Paolo Bacigalupi (US-amerikanischer Science-Fiction-Autor) wurde für den Kurt-Laßwitz-Preis nominiert.

Inspiration? Vorbilder? Außer in „den Tiefen des Earl-Grey-Tees“ findet die Künstlerin in der Musik (vorwiegend metallischen Ursprungs) und Bücher Inspiration. Bücher, die fantastisch und skurril sind, wie „Hiobs Spiel“ von Tobias O. Meißner. „Ich liebe zum Beispiel den schrägen Blick aufs Leben von Terry Pratchett oder Christian von Aster, die großartige Auseinandersetzung mit Magie, wie sie bei Robin Hobb oder in Jo Waltons ‚In einer anderen Welt‘ vorkommt.“ Die Bandbreite reicht von ernsthaften Texten („gern auch mit Abgründen“) bis hin zu skurrilem Humor. „Inspirierend finde ich auch, wie andere gestalten und illustrieren.“ Gerne sieht sie sich z.B. die Arbeiten von Mateo, Seymor, Florian Bertmer, Niklas Sundin (Cabin Fever Media) und die norwegischen Designer Trine & Kim an. In Buchläden geht sie „wie andere Menschen in Museen“.

Das Betrachten fremder Arbeiten ist Eines – jedoch zunehmend wichtiger wird es Ben, sich auf sich selbst zu besinnen. Im eigenen Universum besser werden. „Wo stehe ich mit mir verglichen von vor 5 Jahren?“

Bei der Beurteilung der eigenen Entwicklung stellt sich fast zwangsläufig die Frage, was eine gute Illustration bzw. eine gute künstlerische Arbeit ausmacht. „Vertiefung“, antwortet die Wahl-Berlinerin. „Toll finde ich, wenn man einer Illustration ansieht, dass die IllustratorIn tief in die Welt des/der Autors/Autorin eingetaucht ist. Im besten Falle gibt sie der Geschichte mehr Atmosphäre als diese auf dem ersten Blick hat, ohne etwas dazu zu erfinden. Obwohl. Schön ist auch, wenn in der Illustration ein weiterer, verborgener Blickwinkel erscheint. Wie eine kleine Extra-Welt, die sonst nicht sichtbar gewesen wäre. Die Gratwanderung dabei ist, die Illustration nicht über den Text zu stellen, sondern ihn zu unterstützen. Gute Illustration dient und ist gleichzeitig was Eigenes.“

Ben liebt die Literatur. Besonders die Phantastik ermöglicht ihr, sich in Welten zu versetzen, die sie sich nicht selbst ausgedacht hat. Während des Kunststudiums gewann die Grafikerin den Eindruck, „dass es dabei oft lediglich darum ging, eigene, innere (Bild)Welten sichtbar zu machen“. Um Cover zu gestalten und zu illustrieren muss sie sich mit den ungewöhnlichen Situationen immer neuer Welten auseinandersetzen. Zwangsläufig geht da der Blick über den Tellerrand hinaus. Und öffnet die Augen für die Magie im eigenen Alltag und dem Zauberhaften der Realität. „Magie ist überall. Ob ich mich mit den Energien im Tai Chi auseinandersetze, eine Reise an einen zauberhaften Ort mache – real oder in der Meditation, oder ob ich illustriere. Es geht mir immer nur darum: Kontakt zu den Welten anderer, zur Welt und allem darüber hinaus (zeitlich und räumlich gesprochen) und zur Magie zu finden.“

Magie und Phantastik finden sich dann auch in allen Covern, Illustrationen, freien Arbeiten. Eine Auswahl ist nun hier zu betrachten.

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