Buzz Kull + Hante. + Box and the twins: Live in Berlin

Buzz Kull

24. November 2018

BERLIN, SLAUGHTERHOUSE

Bereits die erste Band des abwechslungsreichen Konzertabends, zu dem die Macher der Veranstaltungsreihen „Factory“ und „Herzschlag“ einluden, sorgte für wollige Momente und meinen persönlichen Höhepunkt. Mit schwermütigen Gitarrenklängen, gefühlvollem, stellenweise verträumt wirkenden Gesang und teils dezent-dunkler Elektronik entführten „Box and the twins“ die Hörer in melancholisch-gedankenverlorene Sphären. Behutsam aber unaufhaltsam schlichen sich die sehnsuchtsvollen Klänge in Körper und Geist. Über allem schwebte die schwelgerische Stimme von Sängerin Box, die durch ihre ausgelebte Emotionalität auch optisch klar im Mittelpunkt stand. So ließ sie sich auf die Knie fallen, versteckte ihr Gesicht hinter ihren langen Haaren und schien die Songs voller Sehnsucht und Schmerz regelrecht zu „durchleiden“. Der zu diesem Zeitpunkt noch vorhandene Sicherheitsabstand zwischen Bühne und erster Publikumsreihe wurde kurzzeitig überwunden, als Box die Bühne verließ und die Nähe zu den Gästen suchte. Ein überaus emotional-ergreifender Auftritt, der im Gedächtnis bleiben dürfte.

Doch dem nicht genug: Auf dem Plan der restlos ausverkauften Veranstaltung standen schließlich noch zwei weitere spannende und interessante Künstler. Nach einer überschaubaren Umbaupause betrat Hélène de Thoury – einziges Mitglied von „Hante.“ – die Bühne. Die eindringliche Mischung aus kühler Elektronik und sanfter Melancholie machte sich umgehend im Raum breit und ergriff das Publikum. Neben einem hohen Maß an Tanzbarkeit weckte die synthetische Musik tiefe Emotionen. So bewegten sich einige zum Rhythmus der Musik, andere schienen sich den Klängen geistig hinzugeben. Der Applaus fiel entsprechend begeistert aus.

Für den Abschluss sorgte ein weiteres „Ein-Mann-Projekt“. Marc Dwyer alias „Buzz Kull“ wusste vom ersten Ton an zu überzeugen. Der teils getrieben, teils der Welt entrückt wirkende Musiker präsentierte sein im Oktober erschienenes Album „New Kind Of Cross“. Aufgrund der Melange aus anstachelnder Rhythmik und eingängigen Synthie-Melodien erwachte in den ersten Reihen die Lust, sich zu bewegen und sich der musikalischen Kraft hinzugeben. Es schien so, als hätte der aus Sydney stammende Marc Dwyer Unmut und Verdruss in dunkel-rhythmische Klanggebilde verpackt. Die Stimme wurde durch verzerrende Effekte ein Stück weit „anonymisiert“. Weniger wäre hier durchaus mehr gewesen. Gegen Ende des Konzerts gesellte sich Zoé Zanias (Linea Aspera, Keluar, Zanias) zu Marc Dwyer auf die Bühne, um beim nicht ganz unbekannten und mitreißenden „Into The Void“ gesangliche Unterstützungsarbeit zu leisten.

„Box and the twins“, „Hante.“ und „Buzz Kull” gestalteten mit ihren Auftritten einen kurzweiligen Konzertabend, der – so offenbarte der Blick in die Gesichter vieler Anwesender – nicht nur den Musikern auf der Bühne Freude bereitet hat.

Fotos: Marcus Rietzsch

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