Das war Krach – Protokino

Die Musik der acht Titel versprüht eine große Leichtigkeit und steht im kompletten Gegensatz zu den Worten die Michel und Marion den Hörern im Duett fröhlich entgegenschleudern. Mit einem bösen Grinsen auf den Lippen singen die beiden Schweizer über den täglichen Schwachsinn und die Irrwege, welche das Medienzeitalter des Internets hervorgebracht hat. Eine fröhliche Kritik an Menschen, die nichts hinterfragen und jedes geschriebene oder gesprochene Wort – sei es durch Radio, Fernsehen oder die zahlreichen Plattformen im weltweiten Datennetz – gutgläubig als Tatsache hinnehmen. Und an Menschen, die sich und ihr Leben zu wichtig nehmen. Die mit Hilfe jeder Trivialität nach Anerkennung suchen.

„Guten Morgen Freunde
Ich bin soeben aufgewacht
Ich hatte schöne Träume
Und wie eure Nacht?
Alles ist wichtig,
alles ist wichtig,
alles was mir gefällt
das bin ich,
und das hier bin ich,
und das hier ist meine Welt
alles ist wichtig,
alles ist wichtig,
jede Banalität
gefällt euch das?
Gefällt euch das?
Ich will, dass es euch gefällt.“

aus „Gefällt mir“

Neben solch vortrefflich auf den Punkt gebrachter Beobachtungen des Zeitgeschehens, erhält aber auch Laika, die kleine Weltraumhündin, deren Leben der Forschung geopfert wurde, ein kleines musikalisches Andenken. Im Gegensatz zu den Wichtigtuern dieser Welt konnte sie sich ihr Schicksal nicht selbst aussuchen.

Die aus elektronischen Klangstrukturen, Gitarrenriffs und rhythmischem Schlagzeug bestehende Mixtur vermag es, für eine positive Stimmung zu sorgen. So arbeiten sich die eingängigen, teils rockigen, teils mit einem elektronischen Klanggerüst ausgestatteten Stücke in die Gehörgänge, dringt weit ins Gehirn vor, um sich dort tief einzugraben.

Musik, die mich lächeln lässt. Einerseits, weil ich Marions und Michels Beobachtungen uneingeschränkt teilen kann, andererseits, weil die Klänge des Albums eine gewisse Unbeschwertheit transportieren. Lockere Melodien, die zum Mitträllern auffordern, wären da nicht die dazu konträr stehenden ironisch-bissigen Worte. Eine interessante Mischung…

Bruno Kramm (musikalisch-kreativer Kopf von „Das Ich“ und Gründer des Labels „DanseMacabre“, über welches das Album erscheint) bringt es auf den Punkt: „,Du bist toll‘“ ist ein augenzwinkerndes Geschenk an Wichtigtuer, Aufschneider und Egozentriker und erinnert an die goldenen Zeiten der Neuen Deutschen Welle, bevor sie von der Unterhaltungsindustrie entdeckt wurde.“

Übrigens: Sollten dem einen oder anderen Hörer die Stimmen bekannt vorkommen: Dies ist keine Überraschung, verbergen sich hinter dem Projekt „Das war Krach“ doch „Altbekannte“ aus der Schweiz: nämlich die „Metallspürhunde“.

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