Emilie Zoé – The very start

Zugegeben: Der erste oberflächliche Versuch, mich der Musik von Emilie Zoé (und ihrem Schlagzeuger Nicolas Pittet) zu nähern, war von wenig Erfolg geprägt. Glücklicherweise habe ich das Album mit dem Titel „The very start“ damit nicht abgehakt, sondern mich intensiver auf die zehn Stücke eingelassen. Und plötzlich zog mich eine bittersüße, zerbrechlich klingende Stimme, die über Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit singt, in einen tiefschwarzen Strudel. Unabhängig von der tatsächlichen Bedeutung der teils bedrückenden Texte fanden einzelne Worte und Sätze ihren Weg in den Kopf und formten eigene Geschichten und Gedanken. Intime Momente voller Schwermut und Traurigkeit, denen man hin und wieder Raum geben muss, um sich davon ein Stück weit zu befreien. Getreu der 1907 verstorbenen deutschen Malerin Paula Modersohn-Becker: „Traurigsein ist wohl etwas Natürliches. Es ist wohl ein Atemholen zur Freude.“

Und so schlichen sich nicht nur Textfragmente, sondern ebenfalls die sanften, melancholisch-wehmütigen Klänge machtvoll in meinen Geist. Mit jedem Hördurchgang offenbar(t)en sich neue Facetten, wie die kraftvolle Mehrstimmigkeit bei „Tiger Song“, das todtraurige Piano bei „Loner“, plötzlich einsetzende, fast schon disharmonische und aufrüttelnde E-Gitarren („The Barren Land“), das rhythmische Percussion- und Schlagzeugspiel bei „Nothing Stands“ (und vielen anderen Stücken) und einen bedrohlich über dem Song schwebenden E-Gitarrenklang („Would you still be here“). Und am Ende dieses unglaublich berührenden Werks stürzt den Hörer das Durchbrechen der bis dato zumeist vorherrschenden Fragilität in Form von lärmenden, schmerzvoll klingende E-Gitarren vollends in die Tiefe („Sailor“). Einfach grandios.

„The very start“ ist ein in Tränen getränktes Album voller Gänsehautmomente. Jedem einzelnen der zehn enthalteten Stücke wohnt eine ungeheure Intensität inne.

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