Ernest Hemingway – Autor zwischen Angst und Todesfaszination

Hemingway gilt neben William Faulkner als der bekannteste und einflussreichste amerikanischer Prosaschriftsteller der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Ernest Miller Hemingway erblickte am 21.07.1899 in Oak Park, einem Vorort Chicagos, das Licht der Welt. Wie die meisten Kinder drückte er ungern die Schulbank. Ernests Hass bezog sich auf Vorschriften und Anweisungen. Im Besonderen versuchte er seiner Mutter zu zeigen, wie unabhängig er bereits war. Er empfand Abscheu gegenüber dieser Frau. Er missachtete Personen, die ihn nicht seinen eigenen Weg gehen ließen.
Von seinem Vater, einem prominenten Landarzt, erlernte er die Kunst des Jagens im frühen Alter von 12. Und teilte von nun an mit ihm diese Leidenschaft. Bis zum Ende seines Lebens hörte Hemingway niemals auf zu fischen und wilde Tiere niederzumetzeln. Seine engsten Freunde sprachen von einer Art „Killerinstinkt“. Er fand große Befriedigung darin, Tiere sterben zu sehen. Seine Gewalt- und Todesfixierung grenzt an Morbidität. Niemand versuchte jemals Hemingway zu ändern.
Während seiner Highschool-Zeit beteiligte sich Hemingway an der Schülerzeitung, genannt „The Trapeze“. Nach Beendigung der Schule arbeitete er für den „Kansas City Star“. Er hoffte soviel wie möglich über Journalismus zu erlernen. Dies war ein Lebensabschnitt, welchen Hemingway genossen zu haben scheint. Die Zeit, während er nicht mehr bei seinen Eltern wohnte, war für ihn eine wertvolle und schöne Erfahrung.
Im Jahre 1917 fügte sich Amerika in den Ersten Weltkrieg ein. Hemingway versuchte der Army beizutreten, um seinen Patriotismus zum Ausdruck zu bringen. Zu seiner Unzufriedenheit trat er den Dienst beim Roten Kreuz an. Es schien, dass er während seines ganzen Lebens zu seinem Leidwesen nicht in Kriege oder Abenteuer verwickelt wurde. Er verversuchte der Welt immerwährend zu beweisen, dass er mutiger als alle anderen ist.
1918 plante Hemingway als Soldat nach Frankreich zu gehen, wurde aber auf Grund eines verpatzten medizinischen Tests als Krankenwagenfahrer nach Italien geschickt. Dort organisierte er seine Versetzung an die Front, wo er riskierte getötet zu werden. Er wurde ernsthaft verletzt und erwartete zu sterben. In den nächsten sechs Monaten vermied er es, bei Dunkelheit zu schlafen, indem er das Zimmer durch eine Lampe erhellt ließ. Er fürchtete den Tod.
Nachdem er nach Chicago zurückkehrte, tauchte sein Wunsch nach einem Schriftstellerdasein auf und so ging er nach Paris, da er keine Möglichkeit sah, seinen Traum in den USA zu verwirklichen. Sherwood Anderson führte ihn in die literarische Welt Paris` ein. Europa stellte für Hemingway einen riesigen Abenteuerspielplatz dar, Paris ein Fest für das Leben. Faszinierend fand er Spanien und seine archaische Seite: Stierkampf und Spanischer Bürgerkrieg sind wichtige Themen seiner späteren Bücher. Hemingways Wahlheimat war Kuba. Er verließ Kuba nach der Revolution, wurde aber nirgendwo wieder heimisch.
1925 schrieb er die ersten seiner short stories, welche seinen Ruhm begründeten, diese wurden später in der Sammlung The first Forty-Nine zusammengefasst.
1954 erhielt er für sein berühmtestes Werk „Der alte Mann und das Meer“ den Literatur-Nobelpreis. Dieses Werk war erfüllt von existenzialistischen Zügen und entsprach somit der europäischen Zeitstimmung. Ein für Hemingway typischer Schreibstil prägte seine Werke. Seine Dialoge zeichneten sich durch extrem kurze Sätze aus, die genügend Raum für Emotionen lassen. Er war nie darauf bedacht, viele Fakten anzubringen. So beschrieb er die Realität.
Charakteristisch waren eine aus der Reportage hervorgegangene Erzählsprache, europäische Schauplätze und die Faszination für Gewalt, Krieg und Tod. Die Handlungen sind minimal und kombiniert mit existentiellem Tiefgang. Die Erzählperspektive wirkt oft distanziert, neutral. Seine literarischen Helden sind typische Beispiele der „lost generation“, sie versuchen ihr Leben zu meistern, ertragen ihr Schicksal mit Fassung. Den Mythos Hemingway haben vor allem seine Romane gefördert, in denen Liebe, Krieg und Tod in immer neuer Verstrickung aufleben. Hemingways Novellen zeigen eines deutlich: Ihr Autor sah keinen Sinn im Leben. Sein lakonischer Stil wirkte innovativ, rutschte aber leicht in Selbstparodie ab. Heute wird seine schriftstellerische Leistung eher distanziert gesehen. Niemals ging er spät zu Bett und besonders in den Morgenstunden arbeitete er an seinen Werken. Wenn er an einem Buch arbeitete, aß er fast nur Sandwiches mit Erdnussbutter. Seiner Gewohnheit nach suchte er des Nachmittags Zerstreuung in Aktivitäten wie Fischen. Er fand keinen Spaß daran, zu Hause zu sitzen.
Es ist kein Geheimnis, dass Ernest Hemingway ein starker Trinker war. Er versuchte seine extrem sensible Seele vor der Menschheit zu verstecken. Vier Mal war er verheiratet, seine dritte Frau Martha Gellhorn war eine unabhängige Schriftstellerin, deren Einstellung dem Macho-Ego missfiel. Seine Männlichkeit war nicht nur für eingefleischte Feministinnen schwer zu ertragen.
Am Ende seines Lebens wurde Hemingway senil, das FBI wollte ihn in ein Gefängnis überführen. Alkohol und Depressionen begleiteten ihn sein Leben lang. 1961 beging er, schwer alkoholkrank, Selbstmord mit Hilfe eines Jagdgewehrs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.