Live in Berlin: Front 242 + Formalin

9. Februar 2014

BERLIN, HUXLEY´S NEUE WELT

Vorgruppen haben es ja bekanntlich oftmals schwer. Insbesondere wenn nach ihnen eine namhafte Formation erwartet wird, die ein ganzes Genre mitgeprägt hat und deren Einfluss bereits über drei Jahrzehnte anhält. Doch bei ihrem Heimspiel konnte sich die Berliner Band „Formalin“ zumindest über ein zahlreiches Publikum freuen. Die beiden optisch ansprechenden jungen Männer möchten mit ihrer Musik den Moloch ihrer Heimatstadt akustisch umsetzen. Schmutz, Gewalt, Verfall, Kunstszene – der Klang der großen Stadt. Ein harter, technoider Sound, den die anwesenden Zuhörer im gehobenen Durchschnittsalter mit höflichem Beifall bedachten.

Formalin

 
Anschließend begann das große Warten. Obwohl alles bereits aufgebaut war, blieb die Bühne leer. Im Saal wurde es zunehmend unruhiger und der Unmut wuchs, doch nach einer gefühlten Ewigkeit ertönte das Intro und die vier Musiker von „Front 242“ bezogen unter großem Jubel ihre Stellungen.

Die über 30 Jahre seit der Gründung im Jahr 1981 gestalteten sich ereignisreich: Zahlreiche Veröffentlichungen, Besetzungswechsel, Auflösung, Wiedervereinigung und diverse Nebenprojekte markieren den Weg der belgischen Band. Nach einer kurzfristigen Pause – zwei für das Jahr 2012 angekündigte Festivalauftritte wurden abgesagt – ist man nun glücklicherweise zurück auf der Bühne. Zwar mag es sein, dass sich die Herren Jan-Luc De Meyer und Richard „23“ Jonckheere ein klein wenig langsamer und zurückhaltender bewegen, was bei zusammen 108 Lebensjahren wohl kein Wunder ist, aber sie wirkten so enthusiastisch wie in jungen Jahren. Und sie wussten die Menschen vor der Bühne von Beginn an zu begeistern. Großer Applaus belohnte jeden einzelnen Titel – waren bzw. sind diese doch alle gleichsam bekannt wie beliebt. Allen voran sicherlich „Headhunter“, aber ebenso „Im Rhythmus bleiben“, „Body To Body“, „Kampfbereit“, „Punish Your Machine“ und und und… Wer den Blick schweifen ließ, erblickte eine wogende Menge. Einzeln und doch alle vereint im Rhythmus der elektronischen Musik, welche durch das feine wie kraftvolle Trommeln von Tim Kroker garniert wurde. Und in dieser Menge sah man erfreulicherweise auch jüngere Gäste, die der belgischen Legende huldigten. Abgeklärt und kühl im Hintergrund agierend sorgte Patrick Codenys am Synthesizer für den mitreißenden Klang.

„Front 242“ sind auch heute noch der Inbegriff der Electronic Body Music. Vom ersten bis zum letzten Ton standen die Füße der Zuhörer kaum still, die Köpfe nickten, die Hände klatschen langanhaltend Beifall. Es war ein anstrengender wie grandioser Abend.

Fotos: Marcus Rietzsch

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