Hoftexplosion No. 2

23. - 25. September 2016

HOF, FABRIKHALLE HOFTEX GROUP

Die zweite Auflage des Kunst- und Kulturfestivals „Hoftexplosion“ bewies erneut, dass abseits von Galerien, in denen während einer Vernissage Champagnergläser und Häppchen zwischen Abendkleid und Smoking schweben, Kunst bestens präsentiert werden kann.

Etwa 50 Künstler aus den verschiedensten Bereichen sorgten für eine beachtenswerte Vielfalt, die an den drei Veranstaltungstagen ein zahlreiches Publikum lockte. Gerade wegen des Fehlens eines sterilen Galerie-Ambientes wurden Schwellenängste vermieden. Die beiden Hallen inklusive Außenbereich boten ausreichend Platz. Die großzügigen Öffnungszeiten von täglich mindestens elf Stunden (am Samstag gar 15 Stunden) fielen überaus großzügig aus.

Mit einem abwechslungsreichen Angebot – Fotografie, Malerei, Kunsthandwerk, Holzschnitzereien, Installationen, Tanz und und und – haben es die Veranstalter geschafft, unterschiedlichste Menschen anzusprechen, die neugierig die beiden Hallen durchstreiften. Oder sich im urgemütlichen „Gesellschaftsraum“ in eines der alten Sofas oder einen Sessel niederließen. Ebenso fand die sich daneben befindliche „Palettenlounge“ Gefallen. Einwegpaletten zogen sich wie ein roter Faden durch die Gestaltung und waren in vielfältiger Verwendung überall anzutreffen: als Sitzgelegenheit, Tisch, Absperrung, oder auch als „Wand“ für die Kunstobjekte.

Der Geruch von Farbe durchdrang die Luft der Halle 2. In einer Performance wurde ein Pkw farbenfroh besprüht. Im Laufe der Veranstaltung entstanden meterhohe Graffitis. Auch für die kreativen Selbstversuche der kleinen Besucher war alles vorhanden: Flächen, Pinsel und Farbe.

Einem Künstler, der Holzplastiken formte, konnte man bei der Arbeit über die Schulter schauen und Werkzeuge und Techniken kennenlernen.

Skateboarder sausten durch Halle 2 und zeigten ihr Repertoire. Fingerboards standen zum Ausleihen an der Bar bereit, um mit diesen „Miniatur-Skateboards“ in kleinen Halfpipes, Rampen und ähnlichem die eigene Geschicklichkeit unter Beweis zu stellen.

Auch für Gesellschaftskritik war Platz. So wies „Fair shoot“ mit kurzen Darbietungen auf das Thema Menschenhandel und Zwangsprostitution hin. Besonders eindrucksvoll war hierbei die Verbindung der Projektion eines Kunstwerks von Paolo Troilo, Musik von Casper feat. Blixa Bargeld, Dagobert & Sizarr („Lang lebe der Tod“) und der Aufführung der Darstellerinnen. Die präsentierten Daten und Fakten waren und sind erschütternd.

Kunst ist und bleibt Geschmackssache: Manches ist schön, manches nachdenklich, manches unverständlich. Nein, es muss nicht alles gefallen. So steht man als Besucher auch schon einmal ratlos vor einem Exponat und grübelt über die Intentionen des Künstlers, von denen so mancher vor Ort für einen Dialog zur Verfügung steht, Einblicke in die eigene Gedankenwelt gewährt, Denkanstöße gibt und Fragen beantwortet. In Gesprächen unter Besuchern fallen Worte wie „Großstadtflair“. Die Anwesenden äußerten viel Lob. An jenem Wochenende hörte man negative Kritik nur äußerst selten.

Trotz Fabrikhalle mit entsprechenden Raummaßen gelang es den Veranstaltern und den Bands „The Choir“ und „Sea+Air“ zu den abschließenden Konzerten, eine fast intime Atmosphäre zu erschaffen. Die Besucher ließen sich auf den vor der Bühne aufgeschichteten Paletten nieder, um den Klängen mit Begeisterung zu lauschen und den verdienten Applaus zu spenden.

Und so freuen sich viele jetzt schon auf die Hoftexplosion No. 3, die 2017 stattfinden soll.

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