Intersubjectivity – Das neue Album von Cleaning Women

Teil einer dystopischen Zukunft, auf skurril anmutenden selbsterschaffenen Instrumenten und mit einer Aufmachung, die Metropolis entsprungen zu sein scheint, kreieren „Cleaning Women“ seit 1996 klimpernde mechanische Klänge und ungewohnte Kulissen. Die Mitglieder der Band stammen aus Finnland und brachten Beginn diesen Jahres mit „Intersubjectivity“ bei Svart Records ihr viertes Album heraus.

Zehn Jahre lang war es tonlos um die avantgardistische Gruppe „Cleaning Women“, deren vorangegangenes Album „U“ 2009 erschien. Doch während dieser Zeit traten sie in über 200 Ländern und 500 Konzerten in Erscheinung und verliehen Stummfilmklassikern, Dokumentationen und Kurzfilmen einen einmaligen Soundtrack. Nun sind sie als Musikgruppe zurück und haben mit ihrem neuen Album „Intersubjectivity“ eine auditive Erfahrung in petto, die schwer vergleichbar und erst recht einmalig in ihrem Schaffen ist.

Als reinigende Roboter mit der Produktkennzeichnung des Modells CW01, CW03 und CW04 werden die drei Bandmitglieder Teil ihrer eigenen Aktionskunst, die sich nicht nur audiovisuell in ihrer Darbietung spiegelt, sondern auch in Form von Ausstellungen und Installationen einem größeren Publikum zugänglich wird, zuletzt 2014 in Mexiko der unglaublichen Zahl von 50.000 Kunstbegeisterten.

Foto: Klaus Welp

Facettenreich wird ihr Konzept nicht nur durch ihren hohen Wiedererkennungswert in der Stimmigkeit und Komplettierung ihres Auftretens, mit einem Erscheinungsbild, welches die Bandmitglieder zu Robotern werden lässt. Einzigartige Musikinstrumente, selbstgebaut aus umfunktionierten Haushaltsgeräten, erwecken eine Assoziation der Menschmaschine aus Fritz Langs Monumentalfilm Metropolis.

Der damit kreierte Sound ist unverwechselbar und originell, minimalistisch und einmalig. Die ausgewählten Instrumente lassen manuell Klänge entstehen, die man zuvor nur der Elektronik entsprungen kannte. Stilelemente des Techno, Disco und Electro werden mittels Waschmaschinentrommel, Wäscheständer und Kaffeekanne erzeugt. Die Abmischung durch Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) gibt den Hörern der Platte ein wunderbar räumliches Timbre, das den Anspruch hat, die Live-Performance der drei Künstler widerzuspiegeln.

„Intersubjectivity“ bietet mit seinem Klirren und Klimpern, den entrückten und klaren Gesangseinlagen zumeist mehrsprachig auf Französisch („Je Ny’s Crois Pas“), Englisch und Deutsch („Party Teufel“) ein weites musikalisches Spektrum, welches sofort ins Ohr geht. Eine gekonnte Verbindung technisch und mechanisch wirkender Geradlinigkeit mit zahlreichen impulsiven Wendungen im Rhythmus lässt ihre Musik aufregend und spannend werden. Mit „Work It Out“ ist ein Stück enthalten, welches funky und mit Ohrwurmcharakter den Hörer tanzend durch den Tag begleitet. Während „Life Among the Concrete Dust“ mit einer melancholisch düsteren Note, sowohl in Gesang als auch Klangkulisse, eine dystopisch schwere Anmut mit sich bringt. Kraftvoll und mit Zügen des Industrial wechseln die entrückt wirkenden Stimmen einem scharfen Unterton in „Living On the Streets“ und einem schnellen Rhythmus. Das Klirren wird durch eine rasante Fahrt von Hämmern ersetzt. In „Input Output“ wechseln sich atmosphärische und himmlische Klänge mit verzerrten Stimmen und harten Riffs ab. Der abschließende Song „Intersubjectivity“ ist die Kirsche auf der Torte und gleichzeitig nicht nur wörtlich sondern ebenso inhaltlich titelgebend.

„Cleaning Women“ bieten eine immersive Erfahrung und kreieren neue unbekannte Horizonte in der Musiklandschaft. Atmosphärisch, kraftvoll und vielfältig durch Minimalismus und Stetigkeit. Ein scheinbarer Widerspruch, der ein faszinierendes Gesamtbild erzeugt und das Schaffen von „Cleaning Women“ abrundet.

Tracklist

01 Playoff
02 Leap Of Faith
03 Shadows In the Air
04 We Work It Out
05 Je Ny’s Crois Pas
06 Life Among The Concrete Dust
07 Living On The Streets
08 Input Output
09 Party Teufel
10 Intersubjectivity

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