Live in Berlin: Julien-K

5. Oktober 2012

BERLIN, K17

Auf dem Innenhof des Clubs empfing uns eine gute Stimmung. Viele Menschen standen beieinander, schwatzen, lachten. Mehrere Veranstaltungen liefen gleichzeitig. Und wir lernten einen uns bisher unbekannten Ort kennen: In einem Seitenflügel, zwei Treppen hoch, rechts halten, ein Gang und dann ein relativ kleiner dunkler Raum. Eine Wohnung, in der man scheinbar die Trennwand zwischen Wohn- und Schlafzimmer entfernt hatte? Aber doch geräumig genug für eine Miniatur-Bühne und einen kleinen Tresen. Und: es war warm.

Angekündigt hatten sich drei Bands, deren Schaffen man grob in den Bereich des „Alternative Rock“ einordnen kann.

Den Anfang machten „Nox Interna“ aus Spanien, die offensichtlich sehr pünktlich die Bühne betreten und losgelegt hatten. Denn als wir den kleinen Raum betraten (gewohnheitsgemäß immer etwas nach dem Einlasszeitpunkt), war deren Konzert schon in vollem Gange. Die wenigen Stücke, die wir noch hörten, luden mit kräftiger Rhythmik zum Kopfnicken ein. Der Sänger lockerte den Auftritt mit einer kleinen Bühnenshow auf. Unter anderem mit kleinen weißen Federn, deren Herumwirbeln durch einen Ventilator recht nett anzuschauen war. Eine angenehme Stimme und saubere handgemachte Musik – eine empfehlenswerte Band.

Der Umbau für die nächste Band – „The Crying Spell“ aus den USA – schaute etwas verworren aus. Die einen bauten ab, die anderen auf. Gleichzeitig. Die Enge tat ihr übriges. Als einer der Aufbauenden dann mit entrücktem Gesichtsausdruck auf der Bühne stand und ein Kabelende in der Hand sinnend betrachtete… aber es fand sich dann doch alles zusammen. Der temperamentvolle Auftritt war mitreißend und machte einfach Spaß. Grundsolide rockige Klänge, die – gelegentlich gepaart mit einer melancholischen Note und an Post Punk erinnernde Gitarrenriffs – einheizten. Es war nur sehr warm. Beneidenswert die jungen Mädchen, die nur ein Spaghettiträgertop als Oberteil trugen. Auch wenn der Raum klein war, fand sich genug Platz zum Kniewippen, Kopfnicken und zu sonstigen kleineren rhythmischen Ausdrucksformen – jede Bewegung „erwärmend“.

Es folgte die sicher mit Abstand innovativste Band des Abends: „Julien-K“. Der Auftritt der Amerikaner im K17 war der zweite Termin ihrer Europatour. Und was hierbei zu Gehör gebracht wurde, kann man uneingeschränkt mit dem Wort „Klasse“ bezeichnen. Auf der Bühne standen auch keine Neulinge. Parallel zu „Julien-K“ betreiben die vier Musiker gemeinsam mit „Linkin-Park“-Sänger Chester Bennington noch das Projekt „Dead By Sunrise“. Sowohl poppige als auch rockige Klänge wurden voller Leidenschaft und Energie, die sich auf das Publikum übertrug, dargeboten. Elektronische Elemente, die teils sogar an Dance erinnerten, gepaart mit eingängigen Gitarrenriffs ergab eine interessante Mixtur. Die teils hohe, teils kräftige, angenehme Stimme von Sänger Ryan Shuck bannte zum Zuhören. Die Band agierte mit viel Elan, was mächtig in die Beine fuhr. Abwechslungsreiche Stücke und die stimmliche Modulation des Sängers bereiteten viel Freude.

Nach Ende des Konzerts zog es schnell zurück ins Freie, denn inzwischen war es sehr, sehr warm. Die frische Kühle nach einem regnerischen Tag erschien jetzt wie ein Geschenk. Luft! Trotzdem: ein gelungener Abend.

Fotos: Marcus Rietzsch

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