Leipzig in Schwarz – 25 Jahre Wave-Gotik-Treffen

9. März - 29. Mai 2016

LEIPZIG, STADTGESCHICHTLICHES MUSEUM

Leipzig, 8. März 2016. In gespannter Erwartung der offiziellen Eröffnung der Ausstellung „Leipzig in Schwarz“ ließen wir uns auf zwei der bereitgestellten Stühle nieder. Noch war genug Zeit, um die Blicke neugierig wandern zu lassen. Nach und nach trafen immer mehr Gäste ein. Bekannte und unbekannte Gesichter. Schwarz als auch bunt Gekleidete. Interessierte sowie Teilhabende. Die vorhandenen Sitzplätze waren schnell allesamt belegt. Zahlreiche Gäste standen an den Seiten und im hinteren Bereich des in nachbarschaftlicher Verbundenheit vom Museum der Bildenden Künste zur Verfügung gestellten Foyers, dessen Decke ein beeindruckendes Gemälde des Malers Ben Willikens ziert. Das „Leipziger Firmament“ in etwa 17 Metern Höhe misst stattliche 32 mal 15 Meter und ließ so manchen Besucher den Kopf in den Nacken legen, um einen scheinbar unendlich hochstrebenden turmartigen Innenraum zu bestaunen. Eine Illusion der Perspektive.

Die Begrüßungsrede hielt der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums Dr. Volker Rodekamp. Es folgten Grußworte von Bürgermeister Michael Faber – seines Zeichens auch Beigeordneter für Kultur der Stadt Leipzig – und eine Einführung von Kuratorin Dr. Johanna Sänger, die die Ausstellungsinhalte kurz umriss und ihre Freude über die großartige Unterstützung durch Szenekenner und -mitgestalter zum Ausdruck brachte. Frühzeitig kristallisierte sich heraus, dass eine Verwirklichung ohne Hilfe aus der Szene unmöglich ist. Der Zuspruch sei aber so groß gewesen, dass nicht alle angebotenen Exponate gezeigt werden können. Sehr nette Worte, welche die Verbundenheit der Stadt und der Leipziger Bürger mit den „schwarzen“ Pfingstgästen widerspiegelt. Ein besonderer Dank wurde an Jennifer Hoffert-Karas gerichtet, die entscheidend zum Gelingen der Ausstellung beitrug und das wesentliche Szenewissen vermittelte. Für die musikalische Begleitung sorgten das Ensemble „Saeldes Sanc“ mit handgemachtem mittelalterlichem Folk angereichert mit einem Hauch Klassik – eine überaus angenehme Untermalung. Als Dr. Rodekamp den feierlichen Teil der Eröffnung beschloss, hatten sich bereits zahlreiche Gäste auf den Weg in die Räumlichkeiten des Stadtgeschichtlichen Museums gemacht.

Da der Ausstellungsraum den großen Andrang kam würde fassen können, suchten und fanden wir den einen oder anderen Gesprächspartner, dessen bekanntes Gesicht längst von uns in der Menge entdeckt wurde. Gerd Lehmann beispielsweise, dessen ungestellte Porträtaufnahmen die Ausstellung bereichern. Oder den Pressesprecher des WGT Cornelius Brach. Was jedoch nichts daran änderte, dass auch zu späterer Zeit die Ausstellungsräume noch sehr gut gefüllt waren. Nach weiteren Gesprächen mit dem früheren Pressesprecher Peter Matzke und Veranstalter Thomas Görnert warfen wir uns ins Getümmel. Vorbei an einem Sarg mit Skelett stilecht flankiert von alten Grabsteinen. Vor allen vor den erklärenden Schrifttafeln und Monitoren, auf denen Interviews mit Besuchern, Organisatoren und „normalen“ Leipzigern zu sehen sind, versammelten sich „Szenefremde“. Der Wissendurst schien bzw. scheint groß zu sein. Berührungsängste kennt man in Leipzig hingegen kaum.

Bei langjährigen Besuchern des Treffens weckten die Ausstellungsstücke manche schöne Erinnerung und so betrachten wir die Exponate lächelnd und mit einem wissenden Kopfnicken. Treffenbecher, Tickets, Programmbücher. Bühnenkleidung von JU Age („Age Of Heaven“) und Oswald Henke („Goethes Erben“) einschließlich der Holzskulptur von Remo Sorge (Kreuzmühle), welche als Bühnendekorationen diente. Einige Leihgaben vom „Schemenkabinett“, die in einer sehenswerten Ausstellung vor einigen Jahren im „Schwarz 10“ gezeigt wurden. Komplette Outfits von Besuchern, wie beispielsweise Karlsson vom Dach mit seinem auffälligen Propeller auf dem Rücken. Videomitschnitte von WGT-Konzerten (u. a. von „Hekate“ und „Front 242“) bringen die für die Szene essentielle Musik näher und rufen ebenso Vergangenes ins Gedächtnis. In Vitrinen fanden wir Bücher, Filme, Schallplatten. Besonders freute uns selbstverständlich ein Stapel des von uns herausgegebenen „Pfingstgeflüster“.

Zugegebenermaßen haben wir die Ausstellung nur oberflächlich in Augenschein nehmen können. Die Menschenfülle und die vielen Gespräche ließen eine eingehendere Betrachtung, für die man sich die nötige Zeit nehmen sollte, nicht zu. In erster Linie ist „Leipzig in Schwarz“ wohl für den interessierten „Normalbürger“ konzipiert. Eine Art „Aufklärung“. Wohltuend unaufgeregt und vielschichtig. Kein Vergleich zu einem Gros der reißerischen und verfälschenden Machwerke vieler Medienvertreter. Sicherlich werden wir die Ausstellung – eine Hommage der Stadt Leipzig an das Wave-Gotik-Treffen, welches in diesem Jahr bereits zum 25. Mal stattfindet – spätestens an den Pfingsttagen noch einmal mit kritischen Augen inspizieren, die einzelnen Schwerpunkte (siehe unten) begutachten und uns auf eine Reise von dem Vorläufer zu DDR-Zeiten, über das Schicksalsjahr 2000 bis in die Gegenwart begeben.

Begleitend zur Ausstellung ist ein von Dr. Rodekamp, Alexander Nym und Jennifer Hoffert-Karas herausgegebenes Buch (ISBN 978-3-910034-778) erschienen. Farbige Bilder, schwarz-weiße Fotos und Illustrationen runden sachliche, informative und fundierte Texte ab.

Text: Edith Oxenbauer und Marcus Rietzsch
Fotos: Marcus Rietzsch

Themenschwerpunkte der Ausstellung:
Klischees „Fressen die auch Katzen?“
Hauptsache: Schwarz
Tod und Teufel
Die Musik zum Treffen
Körper und Kult
Spitze, Samt und Latex
Spiel oder Ernst?
Coming home

Links:
» Stadtgeschichtliches Museum: Leipzig in Schwarz
» Leipziger Volkszeitung: Fotogalerie zur Ausstellungseröffnung
» Pfingstgeflüster
» Schemenkabinett

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