White Lies: Live im Huxley´s

31. Oktober 2016

BERLIN, HUXLEY´S NEUE WELT

In der Vergangenheit hat uns so manche Vorgruppe positiv überrascht. Hierfür waren Musik und Auftritt der Band „The Ramona Flowers“ jedoch zu klinisch-sauber, zu zahnlos, zu kitschig. Die poppigen Klänge zwischen U2 und Disco-Sound stießen aber durchaus auf eine gute Resonanz. Uns vermochte die Band aus Bristol, deren Name von der Graphic-Novel-Reihe „Scott Pilgrim vs. the World“ inspiriert wurde, allerdings nicht zu überzeugen. Aber es sollten ja noch die „White Lies“ folgen.

Das neueste Album im Ohr erwarteten wir einen bewegungsreichen Abend voller 80er-Jahre-inspirierte, überaus eingängige Pop- und Post-Punk-Songs. Und wir wurden nicht enttäuscht.

Vom ersten Ton an lag den „White Lies“ nahezu der komplette Saal zu Füssen. „Take it out on me“ vom aktuellen Albums „Friends“ erwies sich als perfekter Konzertauftakt. Ein Refrain, der sich – obwohl relativ neu – bereits gnadenlos ins Gedächtnis vieler Anwesender gebrannt hatte und dementsprechend textsicher mitzelebriert wurde. Und auch beim dritten Titel – dem genialen „To lose my life“ – machten die gesungenen Worte keinen Halt, sondern fanden ohne jegliche Umwege in die Köpfe der Hörerschaft.

„Let’s grow old together
And die at the same time
Let’s grow old together
And die at the same time
He said to lose my life or lose my love
That’s the nightmare I’ve been running from
So let me hold you in my arms a while
I was careless as a child”

Und so hatten wir zu diesem frühen Zeitpunkt das Gefühl, der Enthusiasmus könnte den Siedepunkt bereits erreicht haben. Doch wir wurden eines Besseren belehrt.

Optisch dominierte Halloween die Bühne, auf der sich die Herren Musiker mit Skelettkostümen, dunkel umrahmten Augen und schwarzem Kapuzenumhang vor dekorativen Spinnweben im Hintergrund tagesaktuell präsentierten. Als weitaus gruseliger erwies sich aber der eine oder andere Mitsingende, der die richtige Tonlage meilenweit verfehlte. Für die einen ein tolles Gemeinschaftsgefühl, für andere etwas schade, hätte man doch gerne noch mehr von der samtweichen Stimme Harry McVeighs gehört. Dieser konnte so hin und wieder seine Stimme schonen und mit einem schwer zu deutenden Lächeln der Darbietung der „Gastsänger“ lauschen.

Eingängigkeit wird bei „White Lies“ groß geschrieben. Diesen Umstand mag manch einer von der heimischen Couch aus kritisieren, die anwesenden Konzertbesucher zeigten sich hingegen begeistert. Und ja, auch die großen Gefühle werden überproportional, pathetisch und oftmals in einfacher Art und Weise besungen.

Von Stück zu Stück schien der Lautstärkepegel der Mitsingenden anzuwachsen. Als das Ende dieses Konzertabends fast erreicht war, kannte die Begeisterung kaum noch Grenzen. Die euphorisch auf- und abspringenden Besucher streckten Arme in die Höhe und klatschten im Takt. Von Seiten der Musiker war hierzu wenig Animation nötig. So klang dieser Halloweenabend mit einer angenehmen Fröhlichkeit und wohltuender Leichtigkeit aus.

Text: Edith Oxenbauer und Marcus Rietzsch
Fotos: Marcus Rietzsch

» The Ramona Flowers
» White Lies

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.