White Lies – Friends

Zugegeben: Es gibt sicherlich innovativere Bands als die „White Lies“ (Notlügen) aus London. Und vielleicht kann man ihnen ebenso den Vorwurf machen, allzu großen Pathos an den Tag zu legen und sich ein Stückweit ungeniert  an den Klängen der 80er-Jahre zu bedienen. Aber was soll´s? Denn schon die ersten Klänge des vierten Studioalbums mit dem Titel „Friends“ haben meine ungeteilte Aufmerksamkeit geweckt: Der anfänglich vordergründige Bass von Charles Cave und die samtweiche Stimme von Harry McVeigh (ein charakteristisches Alleinstellungsmerkmal) nehmen mich aller kritischen Unkenrufe zum Trotz sogleich gefangen. Schlagzeuger Jack Lawrence-Brown treibt den Song voran, dessen gefühlsbeladener Refrain sich förmlich ins Ohr drängt und im Kopf festsetzt.

„I’m in love with the feeling
Oh take it out on me
Maybe hooked on the healing
Oh take it out on me
I’m in love with the feeling of
Being used”

Dazu eine gewissermaßen fröhliche Melodie, die den ersten Sonnenstrahlen gleicht, welche an einem Herbsttag durch die dicke, graue Nebeldecke bricht und ein zufriedenes Lächeln in das Gesicht des Hörers zaubert. „Take it out on me“ ist ein Stück, das mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur bei den Auftritten der aktuell stattfindenden Tournee für Begeisterung sorgen wird, sondern ebenso zu einem festen Bestandteil zukünftiger Konzerttitellisten werden dürfte.

Schlagzeug, Bass, Gitarre und Keyboard/Synthesizer bilden einen weichen Teppich, worüber der Gesang förmlich schwebt und die einzelnen Songs dominiert. Der typische Post-Punk-Sound vergangener Tage klingt an der einen oder anderen Stelle dezent durch, aber auf „Friends“ stehen Synthieflächen im Vordergrund. Man möchte fast sagen: Sehnsuchtsvolle Popmusik in Reinkultur. Tanzbar, traditionell und einfach strukturiert, gefühlsselig, mitsingbar. Was im Falle der „White Lies“ durchaus nicht negativ gemeint ist. Schließlich muss gute Musik nicht immer kantig, besonders tiefgründig und schwer verdaulich sein. „Friends“ macht einfach Spaß.

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