Battle Of Metal 2006

20. bis 22. Juli 2006

GEISELWIND

Früher war immer alles besser! Schenkt man diesem Spruch Glauben, so trifft er wohl auch auf dieses Festival zu. Bilder vom Besucheransturm im vergangenen Jahr, als das Ganze noch „Earthshaker“ hieß, künden von einer erfolgreichen Vergangenheit. Leider gab es wohl Streitigkeiten zwischen den beiden gemeinsamen Veranstaltern und so gingen heuer am gleichen Wochenende ein neues „Earthshaker-Fest“ und eben „Battle of Metal“ getrennt über die Bühne.

Der neue Name für das zweieinhalb Tage dauernde Open-Air erscheint mir leicht irreführend. Die Setlist bestand eben nicht ausschließlich aus Heavy-Metal-Größen, die gegenseitig versuchen, sich in Sachen Lautstärke, Intensität der Crowls und Anzahl der zertrümmerten Gitarren zu übertrumpfen. Vielmehr ging die Tendenz dazu, auch den Gothic- und Melodic-Metal-Bereich abzudecken – und mit „Funker Vogt“ wurde sogar ein Ausflug in Richtung „Electro“ gewagt.

Viele Szenegrößen wie „Subway to Sally“, „Dimmu Borgir“, „The 69 Eyes“, „Therapy?“ und die Chartstürmer „Oomph!“ (um nur einige wenige aufzuzählen) bereicherten das vielseitige Programm. Leider war uns aus familiären Gründen der Festivalbesuch nur am Samstag möglich, so dass wir über den Grossteil der Auftritte nicht speziell berichten können. Sicher ist jedoch, dass bei viel Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen viel Schweiß beim Headbangen geflossen ist – bis am späten Samstagnachmittag kräftige Gewitterschauer für Abkühlung sorgten. Und das gleich in zweifacher Hinsicht: während auf der riesigen Außenbühne teilweise das Programm unterbrochen werden musste, weil wahre Sturzbäche von oben auf die wenigen eisernen, mit Regenschirmen bewaffneten Zuhörer hereinbrachen kamen auch die zur zweiten Bühne in der Eventhalle geflüchteten Fans auf ihre Kosten. Die Kanalisation konnte wohl die Wassermassen nicht so ganz fassen und man stand an manchen Stellen plötzlich nicht mehr im Trockenen, weil der Regen dann von unten aus den Toiletten strömte…

An dieser Stelle aber gleich ein dickes Lob an die Reinigungskräfte, die alles schnell in Ordnung brachten und sowieso für die saubersten Sanitäranlagen sorgten, die ich je bei einem Festival erlebt habe. In der Halle standen ausreichend festinstallierte WC`s und Duschen zur Verfügung, so dass die üblichen Anblicke der Dixi-Klo-Wälle im Freibereich entfallen konnten. Überhaupt das Gelände! Ein fantastisches Areal für Open-Air-Veranstaltungen: Der Autohof, gleich nach der Autobahnausfahrt Geiselwind gelegen, bietet eine riesige asphaltierte Freifläche für Bühne, Verkaufsstände und Publikum – und somit auch die Voraussetzung, auch bei Regen nicht durch meterhohen Schlamm waten zu müssen. Zur Eventhalle mit der „Second Stage“ ist es ein Katzensprung von zwei Minuten Gehzeit

Die Indoor-Area bietet auch Bistrotische und Galerien für ruhige Geniesser, die sich nicht auf der Tanzfläche austoben wollen. Der nebenan gelegene Campingbereich liegt idyllisch am Waldesrand, ist mit Frischwasser versorgt und bietet müden Musikfreunden die optimale Aussicht auf die Bühne ohne sich vom Zelt fortbewegen zu müssen. Zur stillen Einkehr gibt es eine Autobahnkirche und für Komfortfreaks Hotelzimmer. Die Verpflegung an den Essensständen war vielseitig und auch ein Burger King befindet sich nebenan, einzig die Verkaufsbuden für Klamotten und den üblichen Krimskrams waren nicht mehr zahlreich vertreten, da aufgrund der relativ geringen Besucherzahl bei einigen Händlern schon vorzeitig eingepackt und abgereist wurde. Das Angebot war allerdings vielseitig und reichte sogar bis zur „Tokio Hotel“-Flagge. Die wurde meines Erachtens allerdings nicht verkauft…

Wie gesagt: einziges Manko des Events waren die eher spärlich erschienenen Gäste. In einer Pressekonferenz am Nachmittag nahm der Veranstalter, Herr Toni Strohofer, dazu Stellung. Er erwähnte wohl, dass er nicht enttäuscht sei und Klasse statt Masse bevorzuge, aber auf Dauer aus Idealismus ein Open-Air dieser Größenordnung auf die Beine stellen zu können, erscheint mir nicht rentabel. Herrn Strohofers Aussage nach wird es aber auch im nächsten Jahr wieder ein „Battle of Metal“ geben – und im hauseigenen Magazin ist der Termin auch schon eingedruckt. Zur Frage, ob das Line-Up wieder ähnlich aussehen wird, hat sich der – nach eigenen Worten „Unternehmer statt Unterlasser“ – leider nicht konkret geäußert. Meiner Meinung nach wäre die gleiche Mischung wiederum erstrebenswert, um eine gute Bandbreite an Metal- und Gothic-Geschmack abzudecken.

So, nun noch ein paar kurze Worte zur Musik. Alle Bands, die wir live erleben konnten, gaben absolut ihr Bestes und man hatte nicht den Eindruck, dass die Motivation fehlte, vor kleinerem Publikum zu spielen. Die Zeitpläne der Auftritte waren geschickt arrangiert, so dass man zumindest immer noch einen Teil der Show auf der anderen Bühne sehen konnte und Umbauphasen fanden nie gleichzeitig statt. Diese waren mit 20 Minuten angesetzt, die fast immer eingehalten wurden, ohne dass der Sound Qualitätseinbussen erlitt. Meine persönlichen Favoriten des Tages waren „End of Green“, „Funker Vogt“ (die Fans freuten sich sicherlich über den ausreichenden Platz zum Abtanzen) und „After Forever“ mit stimmgewaltiger und ausdrucksstarker Frontfrau als Highlight des Abends. Über die Szenegrößen „Oomph“ und „ASP“ finden sich Berichte an anderen Stellen unseres Magazins.

Alles in allem war das „neue“ „Battle of Metal“ ein gelungenes Experiment, dem ich auf jeden Fall wesentlich mehr Zuhörer gewünscht hätte. Aber mit der oben bereits erwähnten Euphorie des Herrn Stohofer wird das Festival nicht untergehen und man kann glauben: in der Zukunft wird alles besser!

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