Christian von Aster – Jadetrunk und Rabenfuss

Eine kleine Sammlung chinesischer Märchen

Das Vorwort beginnt mit einem Zitat des Meisters Guan, dem die nachfolgenden Märchen von seinen Schülern erzählt werden: „Märchen ersann der Himmel, dass die einen etwas zu erzählen, die nächsten etwas zum Zuhören und andere etwas zum Einschlafen bekämen.“

Der Klappentext:
„Auf dem Gipfel des Tai Shan steht das Haus zum Goldenen Wolkenzepter, in dessen Schriftenkammern die Legenden und Geschichten vergangener Zeitalter ruhen. Um diese Geschichten zu hören, erklimmt der Autor jenen Berg und begegnet in den Mauern des fast vergessenen Klosters dem vermutlich letzten dort lebenden Mönch, der ihm die wundersame Geschichte Meister Guans erzählt. Eingewoben in diese Erzählung werden dem Leser zwölf Märchen zwischen Wahrheit und Wunder zuteil, wie sie verschiedener kaum sein könnten. Sie handeln von Liebe und Leidenschaft, Schuld und Tod, dem Willen des Himmels und dem Geschichtenerzählen selbst. Und von all dem erzählt der alte Tsu so lebendig, dass er damit das Haus zum Goldenen Wolkenzepter beinahe zu neuem Leben zu erwecken scheint…“

Chinesische Märchen mögen keine Ähnlichkeit mit denen der Gebrüder Grimm haben, aber in ihrer menschlichen Aussage sind sie auch Europäern sofort verständlich. Die Pointen entlockten mir ein erstauntes Schmunzeln, haben die zwölf Märchen doch sehr ähnliche Aussagen wie ein auf der letzten Seite des Buches stehender Aphorismus:

„Dschu Ping Mau gab sein ganzes Vermögen dafür hin, von Meister Dschi Li Yi das Drachentöten zu erlernen. Nach drei Jahren war er in dieser Kunst bewandert, doch gab es nirgends eine Gelegenheit, seine Geschicklichkeit zu zeigen.“
Zhuangai (365 – 290 v. Chr), chinesischer Dichter und Philosoph

Die Geschichte, die den Rahmen für die Märchen über menschliche Gefühle, Eitelkeiten und Dummheiten bildet, ist nicht reißerisch, sondern still und fast sanft formuliert. Ein stetiger Fluss von Worten, der gemächlich aber unaufhaltsam zu einem etwas überraschenden Ende führen. Der Mönch Tsu Yan erzählt seinen Besuchern, wie sich der alte Meisten Guan auf das Sterbebett legt und sich von seinen Schülern Geschichten vortragen lässt. Er wartet auf das schönste, beste, sinnvollste Märchen – auf das eine ganz besondere Märchen.

Geschickt sind die Erzählebenen verwoben: der Besucher, der Mönch und die Schüler. Dieses Buch sollte man nicht im Stück lesen. Der Ebenenwechsel durch die Märchen erlaubt Pausen, in denen man sich die Aussage eines Märchens durch den Kopf gehen lassen kann.

Ein stiller Lesegenuss.

138 Seiten, Uni-Edition
ISBN 978-3944072418

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