Christian von Aster – Das Eherne Buch

Noch ganz unter dem Eindruck einer Lesung von Christian von Aster am 11. September in der Buchhandlung „Otherland“ in Berlin, bei welcher der Autor sein neustes Werk „Das Eherne Buch“ eindrucksvoll vorgestellt hat, las ich kurz darauf die letzten 30 Seiten dieser Neuerscheinung. Nun könnte ich ganz einfach schreiben, dass es sich um einen gesellschaftskritischen Roman handelt, der zweifellos zeitlos ist, doch in den Rahmen einer Pferde-und-Schwerter-Ära gesetzt wurde. Aber: So einfach ist das bei einem Werk von Christian von Aster nun auch nicht. In der Lesung wurde von einem Zuhörer seine Art zu Schreiben als „asterisch“ bezeichnet. Ja, genau. So sehe ich das auch. Egal ob es Ziegenmärchen, Schattenschnitzer, eine Grufti-Glosse oder Trolle sind: Mal mehr, mal weniger trockener Humor, der glücklicherweise Lichtjahre von Comedy-Proll-Witzen entfernt ist. Tiefsinnig ohne elegisch zu sein. Bildmalerische Worte ohne Kitsch. Und immer steckt in jedem Text eine tiefere Aussage, die nachdenklich macht, zum Schmunzeln anregt, einen Stich versetzt. Christian von Aster schreibt Parabeln – manchmal auch etwas längere, die ein Buch füllen.

„Das eherne Buch“ ist bei Klett-Cotta erschienen. DEM Fantasy-Verlag in Deutschland. Ja, dieses Buch wurde mit viel Phantasie geschrieben und man sollte es mit viel Phantasie lesen. Es trägt viel Mystisches in sich. Aber es hat keine Ähnlichkeit mit der Fantasy-Welt aus beispielsweise „Herr der Ringe“. Die Aster-Welten sind sowohl erdachte als auch gleichermaßen reale Welten. Ja, ja, das war zu befürchten: bei Asters Werken muss man mitdenken.

Der Klappentext:
„Mit der fast vergessenen Legende vom Ehernen Buch ist ein göttliches Versprechen auf Frieden verknüpft. Doch die Gefahren für Jaarn sind überwältigend. Fürsten und Räuber haben es auf den jungen Bibliothekar abgesehen, und bald heften sich die gefürchtetsten Meuchelmörder des Reiches an seine Fersen, um das Schwert an sich zu reißen. Seiner Jugend und Unerfahrenheit zum Trotz liegt das Schicksal des Reiches allein in Jaarns Händen. Unter Gaunern und Gelehrten ist es ihm bestimmt, zum Helden zu werden.
Mit einem untrüglichen Spürsinn für die hellen und dunklen Seiten der Menschen erzählt Christian von Aster eine große Geschichte von Hoffnung in Zeiten des Krieges.“

Seit Hunderten von Jahren herrscht Krieg. Wie und warum er begann, weiß niemand mehr so genau. Verschiedene Fürsten schlagen unzählige Schlachten in Erbfeindschaft mit blinder Wut. Es wird getötet und geplündert und in Brand gesteckt. Allianzen, Verräter, Listen zum Überleben.

Als durch Verrat der zweite Sohn des Herrn von Stahl, Geschlecht der Raben, ermordet wird, soll der verheimlichte und verborgene dritte Sohn (Jaarn) ein Vermächtnis erfüllen: das eherne Schwert dem Kriegsbringer zu Füßen legen und damit das Ende aller Kriege erreichen. Und schon beginnt eine chaotische turbulente Reise. Der seltsame Begleiter und Führer Rugk spielt eine mystische Rolle. Schurke oder Held? Oder beides? Oder noch etwas anderes? Andere Helfer sind beispielsweise die Eisenmutter, Kriegerin und Hebamme. Verlorene der Kriege, Ausgestoßene.
Aber was ist denn eigentlich das Eherne Schwert? Ein Schwert voller Geheimnisse, Geschichten, Legenden, ganzen Büchern. Einige Geschichten finden sich im Buch wieder. Wer dieses Schwert mit den bloßen Händen berührt, in den gehen alle diese Worte sofort ein. Legenden von einer Zeit ohne Krieg. Wer einmal den Zauber des Wissens in sich gespürt hat, verliert seinen Hass, seine Kriegswut.
Aber es gibt die Weiße Stadt, rein und sauber, ohne Krieg. Aber hier sind sie: die Kriegstreiber, die mit diesem Geschäft diese reiche Stadt schaffen. Niemand hier will, dass es keinen Krieg mehr gibt. Deshalb werden Militärs und finstere Mächte aktiviert, um dieses Schwert zu erbeuten und einzuschmelzen.

Eine gnadenlose Jagd auf Jaarn und seine jeweiligen Begleiter beginnt. Wir treffen auf die unterschiedlichsten Menschen. Einige sind brutale hirnlose Banditen. Andere Verlorene werden durch Berühren des Schwertes geläutert. Viele opfern sich, um das Schwert zu schützen. Denn bevor das Eherne Schwert dem Kriegsbringer übergeben werden kann, müssen einige verloren gegangene Geschichten wiedergefunden werden. Jaarns gefährlicher Weg führt durch Tunnel und über Baumwipfelpfade. Überfälle und Gefangennahme, Entbehrungen und Todesängste überfordern den 15-jährigen Jaarn, der bisher in der Bibliothek wohnte und das Leben überhaupt nicht kennt. Aber er nimmt seine Bestimmung an. Er wird den Menschen den Frieden wiederbringen. Er wird das Schwert dem Gott des Krieges darbringen.

Die Geschichte vom Ehernen Buch scheint in einer historischen Zeit zu spielen, und doch trifft jedes Wort mitten in das heutige Geschehen. Die „Wortvergolder“ oder auch „Legendenschänder“ verdrehen die Tatsachen, erzählen das, was die Reichen, die Kriegsgewinnler wollen, beschwindeln das Volk. Und dieses lässt sie verblendet in diese Schlachten treiben. Der Tod hält reiche Ernte. Auch das ist zeitlos.

Die Charaktere sind breit angelegt, auch Helden sind nicht immer edel und tapfer und gut. Und Schwächlinge können auch mutig und entschlossen sein. Menschen zweifeln, irren. Das ist wunderbar herausgearbeitet.

Und das größte Wunder für Menschen ist wohl noch immer die Liebe. Die hasserfüllte Erbin eines Clans, die den Sohn des Erzfeindes um der Rache willen töten will, lässt von diesem Vorhaben aus hier nicht zu verratenden Gründen ab. Spät, aber nicht zu spät, begleitet Gvenn den gleichaltrigen Jaarn und das Eherne Buch.

Was ist das für eine Welt, in der nur Kriege herrschen und einige daran verdienen und sie deshalb immer neu entfachen? Es ist unsere Welt. Und die Welt des Buches? Einstmals wurde aus den Geschichten und Überlieferungen das Schwert „Das eherne Buch“ geschmiedet. Auch wir haben unsere Mythen und Legenden von einer friedlichen Zeit. Die Idee, diesen ideellen Traum in einem Schwert materiell darzustellen, gefällt mir ausgesprochen gut. So bekommen Legenden, Geschichten ein Bild, das einem vor Augen bleibt. Mit den überaus detailliert beschriebenen Charakteren kann man bangen, leiden, lachen oder sich fürchten. Spannend aufgebaut. Und durch das dosierte Hinzufügen immer neuer Personen weitet sich das Bild dieser Welt, welche vor dem inneren Auge entsteht.

Tauchen wir ein in die Welt des Ehernen Buches, träumen auch wir davon, der Welt den Frieden zu bringen. Worte aus der Feder des Herrn von Aster sind immer empfehlenswert. Und „Das Eherne Buch“ ist wieder etwas ganz Besonderes. Das etwas andere Fantasy-Werk mit großem Unterhaltungswert und noch größerem Nachdenkenswert.

347 Seiten, Klett-Cotta
ISBN: 978-3-608-93934-7

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