Zurück auf der Bühne: Goethes Erben in Berlin

04. April 2015

BERLIN, C-CLUB

Vor etwas mehr als einem Jahr feierten „Goethes Erben“ mit zwei mitreißenden Konzerten im Kuppelsaal des Volkspalastes in Leipzig das 25-jährige Bandjubiläum. „Rückkehr ins Niemandsland“ – großartig inszeniert. Die Begeisterung der Gäste ließ sich kaum in Worte fassen. An eine Wiederbelebung von „Goethes Erben“ dachte damals kaum jemand. So war die Überraschung und Freude groß, als weitere Konzerttermine und sogar neue Stücke angekündigt wurden. Der erste dieser seltenen und mit viel Spannung erwartete Auftritt erfüllte jegliche Erwartungen.

Zehn Musiker, deren Leidenschaft nicht nur hörbar aus den Boxen drang, sondern auch für jedermann sichtbar war. Allen voran selbstverständlich Oswald Henke, dessen unbändiges Temperament von Anfang an das Publikum in seinen Bann zog. Aber auch den übrigen Musikern war die Begeisterung anzusehen.

Es war ein Vergnügen, den Blick auch einmal nach links und rechts schweifen zu lassen. Beispielsweise zu Martin Höfert, der sein Cello elanvoll „bearbeitete“ und wiederholt enthusiastisch den Kopf in den Nacken warf. Oder zu Sonja Kraushofer und Jule Klimpel, die Oswald Henke stimmlich unterstützten und einen weiblichen Kontrapunkt setzten. Nicht zu vergessen Sue Ferrers (Violine), Cornelius W. Sturm (Bass), Frank Zeutschel (Gitarre), Tobias Schäfer (Keyboard), Markus Köstner (Schlagzeug) und Susanne Reinhardt (Violine), aufgrund deren „Spielfreude“ und Qualitäten sich ein großartiges musikalisches Gesamtbild ergab.

Bekannte Stücke wurden nach den ersten Takten bejubelt und lösten bei so manchem Gast Gänsehaut aus. Auch die eine oder andere Erinnerung dürfte hervorgerufen worden sein, begleitet die Musik von „Goethes Erben“ doch viele bereits seit Jugendtagen. Aber ebenso neue Titel wie „Ironie im Plattenbau“ oder „Die Sonne schmilzt“ reihten sich nahtlos ein und wurden begeistert aufgenommen. Bei Letzterem musste Sue Ferrers Schwerstarbeit leisten und ein Buch wiederholt im Takt durchblättern und zuschlagen. Ein ungewöhnliches, spannendes Stück. Die Menge wogte und wippte.

Oswald Henke hauchte seinen Texten Leben ein – nicht nur mit seiner Stimme, die flüsterte oder schreite, tobte oder schmeichelte. Er sprang wild herum, gestikulierte und krümmte sich oder verlies die Bühne, um zwischen dem Publikum zu wandeln.

„Goethes Erben“ haben trotz der „Schweigezeit“ nichts von ihrer Faszination verloren. Auch nach über einem Vierteljahrhundert lauscht ein begeisterungsfähiges Publikum mit Herzklopfen dem melancholischen, düsteren oder zornigen Worten Oswald Henkes. Zwei Mal konnten er und seine Musiker mit viel Applaus zurück auf die Bühne geholt werden, ehe „Das Ende“ kam.

Goethes Erben sind zurück!

Setliste:

1. Ironie im Plattenbau
2. Himmelgrau
3. Der Eissturm
4. So sei es
5. Bunter Rauch
6. Die Form
7. Tage des Wasser
8. So weiß ich doch Du warst
9. Kopfstimme
10. Sitz der Gnade
11. Was war bleibt
12. Die Brut 2000
13. Mensch sein
14. Narbenverse
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15. Lebend lohnt es
16. Nichts bleibt wie es war
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17. Die Sonne schmilzt
18. Das Ende

Text: Edith Oxenbauer und Marcus Rietzsch
Fotos: Marcus Rietzsch

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