Golden Apes – Malus

Schon beim ersten Klang des im November erscheinenden, achten Studioalbums der Golden Apes verschwinde ich in den melancholischen Tönen, versinke in weichen Melodien und lasse mich von einer faszinierenden Stimme gefangen nehmen. Anders als gewöhnlich beginne ich mit dem Niederschreiben meiner Gedanken und Emotionen nicht erst nach dem Anhören des kompletten Albums. „Malus“ (lat.: schlecht, schlimm, böse) nimmt mich umgehend mit in eine traurige und doch klangvolle Welt.

Die musikalische Instrumentation ist phantastisch. Über allem thront dabei Sänger Peer Lebrecht, dessen Stimme aus dem tiefsten Dunkel zu kommen scheint. Obwohl sehr zurückhaltend und fast scheu wirkend, ist er absoluter Mittelpunkt. So schließe ich die Augen, wiege mich sanft zu den Melodien und der Rhythmik – um mich dann einfach fallen zu lassen.

Das erste und längste Lied des Albums „Cedars of Salt“ klingt sehr temperamentvoll. Und so stellt es sich als große Schwierigkeit heraus, gleichzeitig mit dem Körper zu wippen und Gedachtes niederzuschreiben. Vom Sammeln der Gedanken gar nicht zu reden. Verzückung und Begeisterung begleiten mich durch alle dreizehn Stücke.

Doch ein weiterer Titel fällt mir aufgrund einer klaren, weiblichen Stimme im Hintergrund besonders auf: „Drown“ – ein sehr sphärisches und verträumtes Stück. Und auch bei „Missing“ hat sich die seit 1998 aktive Band mit Arianna Froxeanne (Frozen Autumn) weibliche Unterstützung ins Studio geholt, was durchaus für Abwechslung sorgt.

Alle Songs gehen unter die Haut. Unterschiedlich arrangiert, weit und schwebend klingende Gitarren, elektronische Verzierungen, bildhafte Texte, geheimnisvoll anmutende Namen. Und dann immer wieder diese Gänsehautstimme. Das transportiert mein Ich in eine Konzertstimmung: Die Band, die Bühne, das Licht und all die Mitträumenden um mich herum. Wundervoll.

Ausgerechnet der letzte Titel „Malus“ beginnt fast kindlich-entrückt, als sollte sich der Hörer mit allem schlicht und einfach abfinden. Entfernt klingende Sprach-Einsprengsel geben dem Ganzen einen Anflug von Vergeblichkeit.

Wie von der Berliner Formation bereits vielfach unter Beweis gestellt, erfüllt auch das Album „Malus“ alle Wünsche und Träume derjenigen, die dunklen melancholischen Rock mögen. Dem Anflug von Düsternis entgegen ruft die Musik eher das Flair von warmem Kerzenschein als von kalten Nebelschwaden hervor. Und da die „Kerzensaison“ begonnen hat, ist mit „Malus“ alles perfekt.

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