Live in Berlin: Joy/Disaster @ Death#Disco

Joy/Disaster

11. Februar 2011

BERLIN, KING KONG KLUB

„Band stage times: 10.30 pm –> Don’t be late!“ Genau. Pünktlich sein. Wir waren pünktlich. Kurz nach 22.00 Uhr standen wir vor einem ehemaligen China-Restaurant in der Brunnenstraße. Unauffällig folgten wir einem „schwarzen“ Paar ins Innere. Keine Einlasskontrolle, keine Bodyguards – wir standen im einzigen großen Raum, bekamen unsere kleinen Stempel und waren mittendrin. Rechts in der Mitte ein schmucker Tresen, ansonsten alles ziemlich duster. Einige Sessel und Couches an der Fensterseite. Und hier traf uns das Glück des pünktlichen Erscheinens: zwei wuchtige, schwarze Ledersessel nahmen uns freundlich auf. Und wir konnten uns sofort genussvoll dem aufgelegten Mix aus Post Punk, Goth Rock, Cold Wave und Indie hingeben. Die Welt war für uns in Ordnung. Zurück zum Thema „pünktlich“. Das akademische Viertel verstrich. Hatten wir uns verlesen? Nicht 22.30 sondern 23.30 Uhr? Vollkommen egal. In den „tiefergelegten“ Lederpolstern versunken lauschten wir der Scheiben-Musik. Mit Verzögerung, welche aber wohl der zwar angekündigten, aber letztendlich fehlenden Vorgruppe geschuldet war, tat sich etwas in einer hinteren Ecke des King Kong Klubs. Die inzwischen verspätet und trotzdem zum Konzert pünktlich erschienenen Gäste bildeten zwar keine undurchdringliche Mauer, doch wir hielten uns weiter in der Nähe der gemütlichen Sessel auf, in welchen wir selbstverständlich nicht mehr herumlagen. Der direkt ohne Soundcheck einsetzenden Musik von Joy/Disaster – eine der wohl bekanntesten französischen Post-Punk-Bands – lauschten wir gebannt. Die legendären 80er sind nicht tot! Zurück zu den Wurzeln. Ohne nervigen Techno oder weichgespülten Mainstream-Pop. Der Bandname ist angelehnt an Joy Division. Und die Musik und die Texte sind ebenfalls eine Hommage an Ian Curtis´ Band. Aber nicht nur. Sie selbst nehmen Elemente von The Cure, David Bowie, Bauhaus, Placebo und Interpol auf. Und die Band ist unterwegs. In ganz Europa. Und zum wiederholten Male in Berlin. Volle Basslinien, wundervolle Gitarrenmelodien, Melancholie und eine starke Stimme nahmen uns mit auf eine Erlebnisreise. Wir hörten Post-Punk des 21. Jahrhunderts. Frisch und leidenschaftlich. Da klang nichts altbacken und aufgewärmt. Wir wippten und nickten und dann war es leider auch schon zu Ende. Zumindest das Konzert. Die Zeit verging wie im Flug. Vom ersten bis zum letzten Ton mitreißende Spannung. Ein wahnsinnig schönes Konzert und viel zu schnell vorbei. Echte handgemachte Musik – sehr empfehlenswert! Wir ließen uns wieder in die Sessel sinken und schwelgten noch weiter in den von den DJs gebotenen Songs. Ein fast perfekter Abend. Leider mussten wir uns dann doch in die frische Luft retten: der Raucher-Club bescherte Kopfweh, tränende Augen und Übelkeit. Schade. Gerne wären wir bis zum Rausschmiss geblieben.

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