Das Ich – Egodram

Man schrieb das Jahr 1998. Damals fand ich diese Musik und fand „Das Ich“ – ein deutschsprachiges, elektronisch-sinfonisches Musikprojekt. Zuerst fielen mir die „Satanischen Verse“ in die Hände und in die Ohren. Seither bin ich einer Art Hör-Sucht verfallen. 1998 wurde auch „Egodram“ herausgebracht. Dieses längst vergriffene Kult-Album liegt nun in einer Neuauflage vor (für alle, die – aus welchen Gründen auch immer – es damals verpassten). „Das Ich“ sind Bruno Kramm (Instrumente, Komposition und Produktion) und Stefan Ackermann (Texte und Gesang). Bei Konzerten gesellen sich wechselnde Keyboarder und Drummer hinzu. Bruno war schon seit 1984 mit verschiedenen Musikprojekten präsent: Decorated Style, Fahrenheit 451, Alva Novalis. Bayreuth 1986 – die Begegnung der beiden heutigen Protagonisten führte zunächst zu einem weiteren Projekt mit dem Namen „Dying Moments“. Bemerkenswerter Weise wurden die Texte damals in verschiedenen Sprachen vorgetragen. Von „Das Ich“ kenne ich sonst nur Deutschsprachiges. Drei Jahre nach der schicksalhaften Begegnung wurde offiziell „Das Ich“ als Band gegründet. In kurzer Zeit avancierte sie zu den wichtigsten Vertretern der sogenannten „Neuen Deutschen Todeskunst“. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Christentum, mit Texten aus der Bibel, zieht sich durch mehrere Alben. Provozierend, zweifelnd, fragend. Die Songtitel lauten dementsprechend. Und die Konzerte präsentieren recht „grauslich“ aussehende Musiker. Aber ebenso Lyrik und Gedichte bekannter Schriftsteller flossen in das Band-Liedgut ein. Zunehmend wurden auch eigene Erfahrungen und Ansichten „verarbeitet“. Nun haben wir bereits 2011. Vor fünf Jahren erfreute „Das Ich“ die Fans mit dem letzten Album „Cabaret“. Die EP „Kannibale“ kündigte 2008 ein neues Album an, welches aber nicht veröffentlicht wurde. Und das für 2010 angekündigte „Koma“ erschien bisher ebenso wenig – warum auch immer. Das Warten nimmt kein Ende. Nun also die Neuauflage von „Egodram“. Vollständig überarbeitet zuzüglich einer Bonus-CD mit verschiedenen Versionen einiger besonders bekannter und beliebter Titel dieses Albums. Ein leckeres Schmankerl ist darüber hinaus der Video-Clip zum Übertitel „Destillat“. Klasse! Das Album gilt als DAS wichtigste der Band. Sie waren die ersten, welche orchestralen Gothicklänge mit Industrial-, Breakbeat- und Rockeinflüssen zusammenbrauten. Was wohl auch insgesamt die Entwicklung des Gothic maßgeblich beeinflusste. „Das Ich“ – Bruno Kramm, wie ein Fels in der Brandung und Stefan Ackermann mit wütender, rasender, markanter Stimme sind ein geniales Duo. Und ihr „Egodram“ zeichnet sich durch einen brutalen Sound aus. Der aggressive Gesang bringt das Blut der Hörer zum Kochen. Mehr „Werbung“ für dieses Album bedarf es wohl nicht. Die Stücke sind allbekannt und treiben in den Clubs die Massen auf die Tanzfläche. Das Album ist im Grunde ein MUSS. Ob sich die Anschaffung der Neuauflage inklusive Bonus-CD für stolze Besitzer der „Ur-CD“ lohnt, möge jeder für sich selbst entscheiden.

Titelliste:
CD1:
Egodram
Kindgott
Firmament
Destillat
He Mensch
Schwanenschrei
Krieger
Dorn
Chroma
Reflex
Blutquell
Geist

CD2:
Warrior
Destillat (MTV Single Version)
Destillat (Extended)
Kindgott (Childhood)
Kindgott (Extended)
Chroma (Soldano Amped)
He Mensch (Demo)
Egodram (Demo)
Schwanschrei (Demo)
Chroma (Demo)
Dorn (Demo)
Destillat Videoclip

www.dasich.de
www.myspace.com/dasich

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