Martin Popoff – Worlds Away: Voivod und die Kunst von Michel Langevin

Überrascht betrachtete ich das vor mir liegende, große schwere Buch mit dem Titel „Worlds Away: Voivod und die Kunst von Michel Langevin“. Auf dem Umschlag prangt ein stilisierter Totenkopf oder etwas ähnliches, mit waffenähnlichen Verzierungen. Was ist denn das?!

„Voivod“ ist eine weltweit bekannte Band aus Kanada. Und ein typischer Vertreter des Heavy Metals. 1982 gegründet, wechselte in der Vergangenheit der Stil zwischen Trash Metal und Progressive Metal hin und her. Einflüsse aus Industrial, Punk, Folk und Elektro sind erkennbar.

Im Gegensatz zu mir werden Liebhaber dieses Musik-Genres schon beim Lesen des Bandnamens Bescheid wissen. Ich allerdings begebe mich auf Entdeckungsreise.

Der Schlagzeuger der Gruppe, Michel „Away“ Langevin, begeisterte sich als Jugendlicher für die Schlagzeugtechnik verschiedener Musiker – beispielsweise Lars Ulrich von „Metallica“ – und setzte viel Mühe darin, mindestens genau so gut zu werden. Mit zwei Schulfreunden gründete er eine Band. Ein weiteres künstlerisches Talent war das Zeichnen. Damals noch frei Hand und ohne große Hilfsmittel.

„Worlds Away, Voivod und die Kunst von Michel Langevin“ ist das große Buch über eine Metal-Band. Über das Leben und die Schicksale der Mitglieder, über Einflüsse, Ansichten, Erlebnisse und Ängste. Illustriert mit einer großen Anzahl Bilder von Michel Langevin.

Texte und Artworks von „Voivod“ thematisieren bedrohliche Szenarien aus Science Fiction, Endzeit, Krieg, Vampire, Maschinenwelten, Tschernobyl, Ronald Reagens SDI-Programm, die Challanger-Katastrophe, die Waco-Sekte. Beweggründe und Macharten werden im Buch ausführlich erläutert. Anekdoten geben Einblick in die Tourneen und Konzerte der Band in vielen verschiedenen Ländern. Sehr intime, sehr persönliche Einblicke. Als wäre man selbst dabei gewesen.

In der Auseinandersetzung der sehr jungen Musiker zu Beginn der Bandgeschichte mit den Themen Krieg, Umweltzerstörung, Monster und Aliens spürt man ihre Wut und die pazifistische Grundhaltung. Anklagend die Texte, anklagend die skurril-phantastisch gezeichneten Comic-Monster, anklagend die martialische erscheinenden Auftritte, anklagend die Gesangsstimme.

Der Leser erfährt etwas über die Gründe der Wahl eines bestimmten Stils. Der Ursprung des Bandnamens ist auf unterschiedliche Weise zu deuten. Auch dies wird detailliert beschrieben.

Erstaunliches liest man über Inspirationen: Lovecraft, Bram Stoker, Franz Kafka, Prokofjew, Schönberg, Bartok, Schostakowitsch. Bands wie beispielsweise „Metallica“, „Slayer“ oder „Bauhaus“ gehören zu den Favoriten. Aber auch Filme wie „La Strada“, „Der Tag, an dem die Erde still stand“ und „Akte X“ beeindruckten die Musiker und wurden in Tönen und Texten umgesetzt.

Zeichnerisch ergaben sich im Laufe der Jahre neue Möglichkeiten. Erste Versuche am Computer. Grafische Darstellungen mittels variierter Buchstaben eröffneten ebenfalls neue Möglichkeiten. Passend zu den Inhalten der Alben.

Auf der Buchrückseite liest man unter anderem: „Michel ‚Away’ Langevin zeichnet und malt seit Ende der 70er Jahre genauso fieberhaft, wie er Musik macht. Im Underground des härteren Metal gilt er als lebende Legende. Als Schlagzeuger, Vordenker, Texter und nicht zu vergessen manischer Künstler zwischen Psychic und Science-Fiction hat er mit seiner ins Weltall schweifenden Gruppe Voivod fantastische Welten erschaffen, die seit 1984 Cyber-Thrasher und Hobbyastronomen gleichermaßen in ihren Bann schlagen. Für Worlds Away beschreibt er sein Leben und die Geschichte seiner Band Voivod ausführlich in Bildern und Worten.“

Metal-Fans werden dieses Buch wahrscheinlich lieben. Für Voivod-Fans dürfte es ohnehin Pflicht sein. Und potentiellen Lesern, die in keine dieser beiden Gruppe passen, bietet das Buch die Chance, eine bisweilen sehr unverständliche Welt etwas verstehen zu lernen.

Edition Roter Drache
184 Seiten, durchgehend farbig, 23 x 30,5 cm, gebunden, mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-939459-57-6
Martin Popoff (Autor), Michel Langevin (Autor, Illustrator), Andreas Schiffmann (Übersetzer)

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