Myk Jung & Klaus Märkert: Ich bin dann mal tot – Schementhemen I

Um es gleich von vornherein festzustellen: jeder Satz in dieser Sammlung von Essays, Kurzgeschichten, Mitteilungen ist absurd. Da gibt es nichts Lehrreiches, nichts Tiefsinniges, nichts Epochales zu lesen. Die Texte sind eher umgangssprachlich gestaltet und manchmal ziemlich grob. Und der Titel sagt es dann schon aus: total meschugge.

Die Autoren stellen sich selbst wie folgt vor:

„Myk Jung ist Mitglied der Band The Fair Sex und lebt in Essen. 1972 erschien sein erstes Buch ‚Die Eisenkugel im Eimer’, 1973 kam die Fahrtenschwimmer-Ehrung hinzu. Schöner und erfolgreicher kann ein Leben nicht sein. Klaus Märkert wurde in seiner Kindheit, immer im Wechsel mit seinen Eltern, von Aliens entführt: erst die Eltern für vierzehn Tage, dann er. Zwischendrin hatten sie einen Tag gemeinsam frei, um Ämtergänge zu erledigen, Wäsche zu waschen oder zum Frisör zu gehen. Schöner und aufregender kann ein Leben nicht sein.“

So richtig ernst nehmen sich die beiden wohl selbst nicht.

Und was sind das für Geschichten? Die Verwicklung um einen Plattfisch namens Bonnie ohne Kleid leitet die Schementhemen ein. Ich bin dann mal tot – diese buchtitelgebende Geschichte beginnt mit Liebeskummer und führt über einen Volkshochschulkurs in ein etwas surreales Eheleben. Tagebuchaufzeichnungen wie man sich beispielsweise einen Tag lang mit Kaffeeumrühren beschäftigen kann oder ob jemand mit der geführten Busenfreundstatistik unzufrieden sein könnte. Oder die Geschichte über einen verhinderten Lottospieler, der gemäss seinem Traum fünf ganz bestimmte Zahlen ankreuzen wollte, der Schein aber in der Lottostelle nicht angenommen wird, weil es keine sechs Kreuze sind. Interessant ist auch der dämonisch-intrigante Arbeitgeber, der zu Spargel-Essen einlädt.

Man erkennt schon, welche Tragweite diese Texte haben. Aber, wenn man nicht nur den oberflächlichen Spaß sucht, dann wird man in so mancher Andeutung und Anspielung auch einige Realitäts-Reflexion erkennen. Nicht immer angenehme, freundliche. Eher kritische. Doch das verdirbt die zynische Freude beim Lesen keineswegs.

Warum der geneigte Rezension-Leser dieses Buch „Ich bin dann mal tot“ lesen sollte: „…weil es der beste Beweis dafür ist, wie gut es ist, am Leben zu sein, denn sonst würden einem diese einzigartigen Geschichten entgehen.“

Liebhabern romantischer Romane (Graf verfolgt arme Försterstocher) ist die Lektüre von „Ich bin dann mal tot“ nicht zu empfehlen. Wer aber das tägliche Elend gegen Erzählungen von „wilden Liebreiz, schrägen Humor und einer Phantasie, die auf das Schönste aus der Art geschlagen ist“ tauschen möchte, sollte das Lesen wagen.

2010, Softcover
196 Seiten
ISBN 978-3-936819-45-8
9,90 Euro
Muschel Verlag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.