Pressure Points – Remorses to remember

Lange Songs für lange Nächte

Schneegestöber und kalte Temperaturen. Der Postbote hat es nicht einfach die Tage. Aber er versorgt uns stetig auch mit den Veröffentlichungen von Firebox Records aus Finnland. Hereingeschneit kam in diesem Fall das Debütalbum der jungen Gruppe „Pressure Points“. Gegründet in 2004 hatte man bisher ein Demo und eine Webveröffentlichung vorzuweisen. Die Auftritte beschränkten sich bisher auf das heimatliche Finnland. 2009 hat man als Vorgruppe für „Septic Flesh“ aufgespielt. Parallelen zu „Septic Flesh“ sind auf dem Debüt vor allem beim Opener „Atonement“ zu Beginn vernehmbar. Aber es wäre falsch, hier schon auf einen uninspirierten Abklatsch altbekannter Death-Metal-Pfade zu deuten. So einfach mach ich es mir nicht, sondern lausche Sekunde um Sekunde. Bis auf „Calm“ als Instrumentalstück sind die sechs Songs von epischer Länge jenseits der Sechs-Minuten-Grenze. Lange warten muss ich nicht, bereits nach 2 Minuten unterbrechen harmonische und klare Gesangslinien die einführenden Grunts (=Krächzen, Grunzen, Knurren – die Redaktion). Das Tempo wird verringert, der Synthesizer ist bemüht darum, sphärische Hammondlinien zu infiltrieren. Das gelingt vortrefflich. Minutenlang wird ausgiebig den einzelnen Instrumenten zur Entfaltung eingeräumt bevor man das Eingangsthema wieder aufgreift. Dieses Wechselspiel hält das Interesse bis zum Ende des zehnminütigen Stücks aufrecht. „Temptation for hate“ gefällt ebenso durch die Tempiwechsel. Der progressive Einschlag schafft Abwechslung zu den übermächtigen Grunts. Am Ende des Songs werden noch harmonische Naturen mit einem ruhigen Ausklang milde gestimmt. „Edge of Endurance“, das schon 2006 als Websingle veröffentlicht wurde, ist mein persönlicher Anspieltipp. Hier passt einfach alles. Grunts in den Strophen und ein Refrain zum Dahinschmelzen. Dazwischen viel Gitarrenarbeit, welche zusätzlich für Atmosphäre sorgt. Klasse! Das besinnliche Instrumental „Calm“ sorgt mit seinen Akustikgitarren für eine Verschnaufpause. „The Past Within“ startet mit klarem Gesang. Im Mittelteil bekommen Gitarre und Keyboard spielerische Freiräume, bevor gutturale und klare Gesangslinien den Refrain gemeinsam vortragen und das Outro im Wechselgesang gestalten. Die beiden letzten Songs „Out of Sync“ und „Grand Delusion“ haben jeweils über neun Minuten Spielzeit ganz im Stile von „Dream Theater“. Es wird wieder ausführlichst progressiv zu Werke gegangen. Die letzten beiden Minuten des poppigen „Out of Sync“ ziehen sich etwas dahin, aber „Grand Delusion“ ist bestens mit Ideen ausgefüllt.

Mein Fazit: Ein ambitioniertes Debüt, das stellenweise zu brillieren versteht und den Spagat zwischen Härte und Harmonie schafft. Der progressiv eingestellte Hörer dürfte hier auf seine Kosten kommen.

Veröffentlichungstermine: 15.01.2010 (Finnland) & 29.01.2010 (Europa)
www.pressure-points.net & www.myspace.com/pressurepointsband

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