Shy Guy At The Show – The Birth Of Doubt

Mit „The Birth Of Doubt“ stellt die Formation aus Germersheim bei Karlsruhe ihr erstes Album vor. Ein Konzeptalbum. Das allein ist noch nicht außergewöhnlich, das gewählte Thema hingegen schon. Prometheus – ein Gedicht von Johann Wolfgang Goethe. Prometheus ist ein rebellischer Engel, der sich den Menschen zuwendet. Um ihn herum werden die textlichen Adaptionen der 13 Stücke gewoben. Die Texte und die Geschichte dazu findet man auch in einem 50-seitigen Comic wieder, welches nicht nur auf der CD, sondern ebenso auf der Internetseite der Band zu finden ist. Passagen der Songtexte werden hier als „Spoken Word“ eingespielt. Durchaus interessant gemacht. Darüber hinaus berichtet die Band in einem Podcast über ihre Einflüsse und Inspirationsquellen, welche von Ernest Hemingway („A Farewell to Arms“ – dt. „In einem andern Land“) über Herman Melville („Moby Dick“) bis Frank Miller („Sin City“) reichen.

Musikalisch ist das Album selbst sicher nicht als „bahnbrechend“ zu bezeichnen, doch die Arrangements sind nicht alltäglich und gehen ins Ohr und der Rhythmus in die Beine. So wechseln dramatische Passagen im Stil von Musicals mit rockig-melancholischen Songs, opulente Gitarrenriffs mit Blues-Anlehnungen. Die angenehm markante Gesangsstimme von Sebastian Emling unterstreicht dies harmonisch. Vom ersten bis zum letzen Stück kann die geheimnisvolle Atmosphäre durchaus faszinieren. „The Birth Of Doubt” ist ein abwechselungsreiches und ungewöhnliches Werk, durch welches „Shy Guy At The Show“ sicher baldige Beachtung und Anerkennung finden wird.

www.shy-guy-at-the-show.de
www.myspace.com/shyguyattheshow

Prometheus

Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöh’n!
Mußt mir meine Erde
Doch lassen steh’n,
Und meine Hütte,
Die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.

Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn’ als euch Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.

Da ich ein Kind war,
Nicht wußte, wo aus, wo ein,
Kehrt’ ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär
Ein Ohr zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.

Wer half mir
Wider der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du’s nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest, jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden dadroben?Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herren und deine?

Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehn,
Weil nicht alle Knabenmorgen-
Blütenträume reiften?

Hier sitz’ ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, weinen,
Genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!

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