Thomas Manegold und Marion Alexa Müller – Morbus Animus

Psychophatische Kurzgeschichten und Tiraden

Im Nachwort wird auf die Bedeutung des Buchtitels eingegangen. „Morbus Animus“ bedeutet „Die Krankheit Geist“ und nicht etwa die „Krankheit des Geistes“ oder „der kranke Geist“ (morbus animi).

Geist, also Intellekt, gesunder Menschenverstand, Denken, Nachdenken – das ist eine Krankheit? Ja. Augen schließen, das Tag-erlebte vorüberziehen lassen. Wenn DAS alles „normal“ ist, bin ich zwangsläufig verrückt. Denn mir macht das „Normale“ Angst. Vor ein einigen Tagen wurden in Griechenland das „Sparprogramm“ von knapp der Hälfte der Abgeordneten des Parlamentes beschlossen. Die andere Hälfte war also dagegen. Die, die sparen sollen, wurden nicht gefragt. Es wurden auch nicht diejenigen gefragt, die zahlen sollen. Die Banken haben die Griechenland-Schuldscheine an die EZB und den IWF „verkauft“: Wer versorgt diese Institutionen mit Finanzmitteln? Richtig: der Steuerzahler. Du und Du. Herzlichen Glückwunsch. Das ist aber normal. Ich muss verrückt sein…

Diesen Aspekt des Buches, dass Geist eine Krankheit ist, kann ich noch leicht nachvollziehen. Sich im Sessel zurücklehnen und über die Welt im Besonderen und die Menschen im Einzelnen zu richten, gibt ein so gutes Gefühl. Bin ich nicht toll? Ich habe den totalen Durchblick.

Doch ein Nachwort ist nicht das Buch an sich. Das Buch – das sind die Geschichten darin. Und die Betrachtungen. Gemischt präsentiert.

Die Geschichten sind Blicke in das Hirn eines Insassen der geschlossenen Abteilung. Dort finden sich Fetzen, Reflexionen der uns umgebenden real existierenden Wirklichkeit, inklusive hilfreicher Medienlandschaften. Nur sind diese Reflexionen absurd, überzogen. Jedoch leider trotzdem nicht undenkbar. Beim Lesen will manchmal ein Grinsen aufkommen – ein recht verzerrtes Grinsen. Der Verrückte erlebt Menschen, Handlungen und Dinge, die grauslich sind. Dies will man ja gar nicht so genau wissen. Beispielsweise Magersucht. Was geht mich das an? Nicht so, aber es ist doch real. Um mich herum. Menschen. Wie Du und Ich. Wir kamen alle gleich unbeschrieben zur Welt. Was haben wir daraus gemacht? Was haben wir aus uns gemacht? Was haben die anderen aus uns gemacht? Und warum haben wir das zugelassen? Und jetzt lehne ich mich im Sessel zurück und schaue auf „die anderen“. Schaue ich auch auf mich? Äußerst ungern.
Und die Betrachtungen sind bittere Auseinandersetzungen eines multiplen Philosophen mit sich selbst, mit Gott und der Welt. Hier hat der Philosoph die eigenen Erfahrungen ins Verhältnis zum Dasein von Familie, Freunden, Bekannten und den Namen- und Gestaltlosen dieser Welt gesetzt. Jeder ist Einzel und doch Masse. Jeder tut für sich allein und macht doch das, was alle machen. Die Menscheit hat Probleme, weil jeder Mensch die Probleme macht. Fast jeder. Der Leser nicht und ich auch nicht. Zwei. Wir sind die Guten. Zurück zu den Betrachtungen. Glaube und Religion, Liebe und Sex, Genuss und Konsum, Umwelt, Kriege… das ist es, was die Welt zusammenhält. Oder?

„Morbus Animus“ ist nichts für selbstgefällige satte Konsumenten. „Morbus Animus“ ist für Zweifler, die den Rebellen in sich noch nicht ganz begraben haben und die mutig genug sind, das eigene Unvermögen zumindest zu hinterfragen. Und bitte, die Vorstellung des Verlages als Episodenroman sollte man nicht so wörtlich nehmen. Episodenroman klingt zu harmlos. Und wer sich die offiziellen Kurzinhaltsangaben zu Gemüte führt, wird auch nicht im geringsten ahnen, was ihn erwartet. Den mutigen Leser erwartet ein mit Feuer und Eifer und Leidenschaft niedergeschriebenes „Geständnis“ eines lebenserfahrenen Suchers und Kritikers. Suchen… nach Sinn und Unsinn des Lebens, eines Lebens. Kritisieren… den Sinn und den Unsinn des Lebens.

Und wer jetzt sagt „da haben wir doch selbst schon manche Rotwein-Nacht drüber gegrübelt, gestritten, gehofft, gelitten“ – ja, gut. Aber auch so klar, deutlich, temperamentvoll und eindringlich? Wer weiß… also lesen, studieren, einatmen und damit auseinandersetzen.

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