Unheilig – Große Freiheit

Wer „Unheilig“ nicht kennt, erwartet oder befürchtet bei dem Titel „Große Freiheit“ jetzt vielleicht ein Hans-Albers-Plagiat? Oh nein. Ein Künstler wie „Der Graf“ – seines Zeichens kreativer Kopf von „Unheilig“ – hat es nicht nötig, ein Plagiat zu schaffen. In diesem Konzeptalbum sind autobiografische Erlebnisse, Erfahrungen und Ansichten verschlüsselt und verschachtelt auf die Beschreibung der Weite der großen Meere und der Seefahrerwelt übertragen. Keine rührenden Schunkellieder, zu welchen man sich wirklich nur in tiefblauen Zustand hinreißen lassen würde. Sondern hier hören wir hymnische Remisessenzen an das Leben, sein Leben, an ihn Begleitende. Letztgenannten werden sich darin wiedererkennen. Und ist eine Hymne nicht etwas Bleibendes? Besser als schnell welkende Blumen zum Geburtstag.

Die Texte lassen viel Raum für eigene Gedanken, für das eigene Leben, für nahestehenden oder auch inzwischen nicht mehr ganz so nahestehende Menschen. Manchem Hörer wird der Vergleich das Auf-und-Ab der Ozeane mit dem Auf-und-Ab des Daseins unter die Haut gehen. Sehnsucht nach der Ferne und doch das Bedürfnis nach einem Zuhause, nach Nähe und Wärme. Oder wie man sein Leben „auf Kurs“ halten kann.

Die starke Stimme des Sängers, eindringlich, markant und emotionsgeladen, wird eingebettet in kräftige Gitarrenparts. Insgesamt etwas rockiger und härter als bei Vorgänger-Alben findet man auf der „Großen Freiheit“ sowohl temperamentvolle Stücke als auch Balladen. Ein textlich wie musikalischer Höhepunkt ist „Geboren um zu leben“. Ein Kinderchor steigert die Wirkung dieses Gänsehautmachers. Das titelgebende Stück ist der Heimatstadt des Frontmanns – Hamburg – gewidmet. Und seine Mom bekommt mit „Unter deiner Flagge“ eine rührende Liebeserklärung. Nur um einige Songs anzudeuten – wertungsfrei.

Dieses Album ist mehr als hörenswert; absolut gelungen. Es ist eine echte Bereicherung.

Zwar gilt „Unheilig“ als Band der Gothic-Szene, doch sollte man nicht davor zurückschrecken und dem „Anderen“ auch einmal eine Chance geben. Dem sonstigen nervigen Musik-Terror aus dem Radio kann man entgehen. „Große Freiheit“ – in ergreifenden Worten verpacktes Leben. Reinhören lohnt sich – für jeden, dem deutsche kultivierte Texte, eine tolle Stimme und eine bemerkenswerte Instrumentalisierung Genuss bereiten.

www.unheilig.com
www.myspace.com/unheilig

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