Christian von Aster, Markolf Hoffmann und Boris Koch – Weihnachten im Stirnhirnhinterzimmer

Bedingt besinnliche Geschichten, niedergeschrieben von den Herren Christian von Aster, Markolf Hoffmann und Boris Koch.

Vom Buch-Cover glotzt mich eine rotbemützte Weihnachts-Kröte an. Ziemlich unfreundlich, muss ich sagen. Das lässt darauf schließen, dass mich keine Weihnachtsgeschichten im üblichen Sinne erwarten. 17 bitter-böse Geschichten. Skurril und grotesk um das Thema „Weihnachten“ herumgedacht und nun auf dem Papier.
„Pfui“ werden die Weihnachtsromantiker rufen. Die Adventszeit und Weihnachten sind doch so schön, so besinnlich, so friedlich – und hasten dabei weiter über den Weihnachtsmarkt und durch die Einkaufspassagen. Dabei immer darauf bedacht, den entsprechenden Gegenwert des erhaltenen Geschenkes vom zu Beschenkenden im Vorjahr aufzurechnen. Das ist schön? Im Frühjahr wird lastzugweise Schokolade in Weihnachtsmannformen gegossen und schon im Herbst kann man sich der Dominosteine beim täglichen Einkauf kaum erwehren. Das ist besinnlich? Die Statistik belegt, dass sie die häufigsten Familienzwiste inklusive Handgreiflichkeiten an den Weihnachtsfeiertagen ereignen. Das ist friedlich?
Deshalb sind die „Geschichten um finstere Christkindelsmärkte, verschneite Waisenhäuser, verbrecherische Weihnachtsmannhorden, gleißende Wintermörder, prähistorische Schneemänner und pelztragende Superhelden“ schon beinahe authentische Berichte. „Hier wird die biblische Weihnachtsgeschichte und manch liebgewonnener Weihnachtsmythos einer Generalüberholung unterzogen.“
Die 17 kleinen Erzählungen erscheinen eigentlich nur auf den ersten Blick als frei erfunden. Denn wenn wir den Weihnachtsrummel mal objektiv betrachten, dann hat sich vieles verselbständigt. Das Kampf-Schenken, die Terror-Weihnachtsmusikbeschallung und das große Fressen… wo ist denn da noch wirklich ein besinnliches Weihnachtsfest enthalten? Auf jeden Fall machen die Geschichten nachdenklich und das Grinsen bleibt im Halse stecken. Denn (leider) sind sie zwar überzeichnet, doch der Realität erschreckend nah.
Wer sich trotz Weihnachten ein wenig Stillstandzeit gönnt und des Lesens mächtig ist, dem sei dieses Büchlein wärmstens an Herz gelegt. Und vielleicht wird der eine oder andere Leser dann über Weihnachten nachdenken: warum aus einer Kultur ein Ritual wurde. Und ob das der Sinn der Weih-Nacht ist.

Medusenblut
www.medusenblut.de
152 Seiten
ISBN 978-3-935901-15-4
Preis: 10,00 Euro
„Dieses Buch wurde mit der Rute geschrieben“

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