Edgar Allan Poe Projekt – Visionen

Um es vorauszuschicken: Diese beiden CDs des Projektes sind meiner Meinung nach nicht für einen Einstieg in die düster-bizarre Welt des Edgar Allen Poe geeignet. Wer aber die Geschichten, Gedichte (Geschichten? Sind das Geschichten? Dazu gleich mehr…) kennt, der wird deren Umsetzung in WORDS und MUSIC sehr genießen.

Geschichten – ja also, irgendwie passt diese Bezeichnung nicht so recht. Mit den ersten Sätzen wird man an die Hand genommen und spürt das Geschehen, lebt in diesem kriechend dunklen greifbaren Dunst. Gefangen in Mystik, mit leichtem Schauder – verliert man fast den Blick für den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit.

WORDS – tja, nenne ich es einfach mal: Gedichte. Gedichte, von unterschiedlichsten Interpreten… gelesen, vorgetragen, gespielt. Stimmen… stark akzentuiert, gehaucht, triumphierend, angstvoll, irrsinnig klingend. Diese Stimmen vertiefen den Charakter der ohnehin bedrohlichen Szenarien. Wenn man innerlich stocksteif steht und nur noch auf das nächste Wort wartet, mit flachem Atem, angespannt und irgendwie gänsehäutig – wenn man sich denn einlässt. Die Interpreten – wen nennt man da? Es sind alles bekannte Namen. Ich werde sie alle zum Ende hin aufzählen. Wertungsfrei aber für mich besonders beeindruckend: Ulrich Pleitgen – wie er den „Raben“ herüberbringt – das ist schon exzellent. Und die Stimme von Christopher Lee kann man als charismatisch bezeichnen, zwingend – dieser Mann verfügt über eine gewisse dämonische Ausstrahlung. Und begleitet, „unterstrichen“, werden diese Stimmen von musikalischen Akzenten. Die Dramatik wird dadurch so erhöht – es verschlägt einem fast den Atem.

WORDS hat mir sehr gut gefallen, hat mich gepackt, entführt, unterhalten. Eine Klasse-Idee dieses WORDS.

MUSIC – Künstler (auch aus der „Schwarzen Szene“) setzten Edgar Allen Poe in Text und Ton um. Nun, daraus wurde eine sehr harmonische Allianz. So bietet sich gerade die Grundstimmung in der „Schwarzen Musik“ als Träger für die Gedanken dieses Autors an. Sanft, oder tragisch, düster und drängend. Musik, die angreift, die mit-reißt, und vereint mit den modellierenden Stimmen die Poe-Albträume mitten in den Körper des Zuhörers hineinwirft…

Edgar Allen Poe als MUSIC krallt sich in meine Empfindungswelt ein und bereitet mir einen angenehm-schaurigen Hör-Genuss.

Werte Damen und Herren, mögen Sie gute Stimmen, interessante Vertonungen, faszinierende Texte und vor allem diesen kleinen Grusel? Wenn ja, dann sind die „Visionen“ ja fast ein MUSS. Kann ich nur empfehlen: Edgar Allen Poe Projekt – Visionen.

Die Sprecher von WORDS: Dietmar Bär, Iris Berben, Dero, Hannelore Hoger, Gudrun Landgrebe, Christopher Lee, Jan Josef Liefers, Ulrich Pleitgen, Anna Thalbach und Kai Wiesinger

Die Interpreten von MUSIC: Alexander Veljanov, Christopher Lee, Edgar Allan´s Projekt, FM Einheit, Katharina Franck, L´âme Immortelle, Les Baxter, Mara Kim, Matern vs Die jungen Tenöre, Ronald Stein, Secret Discovery, Subway To Sally und Vince Bahrdt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.