Engelsstaub – The 4 Horsemen Of The Apocalypse

Obwohl die Band „Engelsstaub“ bereits seit 1992 aktiv ist, war mir die dreiköpfige Formation bisher kein Begriff. Dies sollte sich nun durch die Veröffentlichung des Mini-Albums (Laufzeit etwa 37 Minuten) mit dem spannenden Titel „The 4 Horsemen Of The Apocalypse“ ändern.

Zunächst verwirrte mich jedoch der Name „Engelsstaub“ – „Angel Dust“, eine Droge, die schnell abhängig machen soll. Werde ich von der Band auch abhängig? Die Band aus Kassel distanziert sich aber ausdrücklich von Drogen: „Vielmehr verfolgt die Band mit dem Namen einen esoterischen Ansatz, der sich besonders im Album ‚anderswelt‘ widerspiegelt.“

Der Titel des Albums weckt ebenso Assoziationen. Unweigerlich kommt mir der Dürer-Holzschnittes „Die apokalyptischen Reiter“ in den Sinn – die Boten der nahenden Apokalypse, des Jüngsten Gerichts. Siehe 6. Kapitel der Offenbarung des Johannes: „Dann sah ich: Das Lamm öffnete das erste der sieben Siegel; und ich hörte das erste der vier Lebewesen wie mit Donnerstimme rufen: Komm! Da sah ich ein weißes Pferd; und der, der auf ihm saß, hatte einen Bogen. Ein Kranz wurde ihm gegeben und als Sieger zog er aus, um zu siegen. Als das Lamm das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite Lebewesen rufen: Komm! Da erschien ein anderes Pferd; das war feuerrot. Und der, der auf ihm saß, wurde ermächtigt, der Erde den Frieden zu nehmen, damit die Menschen sich gegenseitig abschlachteten. Und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben. Als das Lamm das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte Lebewesen rufen: Komm! Da sah ich ein schwarzes Pferd; und der, der auf ihm saß, hielt in der Hand eine Waage. Inmitten der vier Lebewesen hörte ich etwas wie eine Stimme sagen: Ein Maß Weizen für einen Denar und drei Maß Gerste für einen Denar. Aber dem Öl und dem Wein füge keinen Schaden zu! Als das Lamm das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten Lebewesens rufen: Komm! Da sah ich ein fahles Pferd; und der, der auf ihm saß, heißt ‚der Tod‘; und die Unterwelt zog hinter ihm her. Und ihnen wurde die Macht gegeben über ein Viertel der Erde, Macht, zu töten durch Schwert, Hunger und Tod und durch die Tiere der Erde.“

Und so entströmen den Boxen Klänge eines beeindruckenden Gemischs aus Neoklassik, Neofolk, Ambient und Ritual. Ein Sprechgesang – perfekt für einen Bibelmonumentalfilm – bringt düstere getragene Botschaften. Feine helle Stimmen – „engelsgleich“ – ergänzen die „abgehobene“ Atmosphäre. Dumpfes Trommeln, klare Klänge der Stundenglocken, hymnische und dramatische Kompositionen. Es ist wie in einem Traum, in welchem man auf die untergehende Welt schaut. Die Apokalypse. Den vier Boten sind die Stücke gewidmet. Alles dreht sich um das Ende der Menschheit. Zu den Reitern passenden Bibelstellen werden verlesen – oder besser: gepredigt. In polnischer Sprache übrigens, wodurch sie geheimnisvoll und auch drohend klingen. Man braucht nicht viel Phantasie, um sich die vier reitenden Boten vorzustellen. Ein Soundtrack, der Bilder vor dem geistigen Auge erschafft.

Und je nachdem, welches Siegel gebrochen wird und welche Botschaft über die Menschheit kommt, bringen die Stücke die entsprechende unter die Haut gehende Stimmung herüber. Angst und Verzweiflung auf der einen Seite und gnadenloser Triumph auf der anderen.

„The 4 Horsemen Of The Apocalypse“ erschafft eine ähnlich ohnmächtige Stimmung wie das morgendliche Studium der Zeitung. Die Düsternis der Welt…

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