Florian Bald – Ein behaarter Mond

Der Name Florian Bald ist vielleicht noch nicht so vielen Lesern bzw. Hörern bekannt. Sein Verlag stellt ihn folgendermaßen vor: „Der Autor ist selbst Teil der deutschen Kunst- und Medienwelt, in der sein Buch angesiedelt ist. Als Musiker ist er bereits durch seine Chansonpop-Band ‚Mathilda‘ bekannt, mit der er seit 2005 drei Alben veröffentlichte. Er schreibt für die Theaterbühne, für Hörspielverlage und textet Songs für andere Künstler. Im Handel sind von ihm das Hörbuch ‚Eva, Belmondo & ich‘ sowie das Thriller-Hörspiel ‚Pavor‘ erhältlich.“

Sein Romandebut „Ein behaarter Mond“ handelt vom Erwachsenwerden. Allerdings dreht es sich dabei nicht um die Höhen und Tiefen aus dem Leben eines Jugendlichen. Der „Held“ ist Ende 40 und eine Art Urgestein in der Medienlandschaft – Synchron- und Hörbuchsprecher.

Eines Morgens wacht er auf. Im Gesicht etwas demoliert und ohne Stimme. Klinisch gibt es keinen Befund. Es muss einen Grund geben… so beginnt der Roman. Der anschließend in zeitlichen Sprüngen vor und nach dem Schlüsselereignis über Liebe und Lügen erzählt. Und über die Hyänenwelt der Künstler untereinander, über Alkohol-, Drogen- und Sex-Exzesse. Moralische Abgründe (vom bürgerlichen Standpunkt aus betrachtet), Böswilligkeiten – teilweise so komisch ge- und beschrieben, dass man einfach lachen muss. Aber es gibt auch ganz andere Seiten, an einem etwas verkommenen Menschen. Durch den Stimmverlust und die Suche nach dem Grund dafür vollkommen aus der Bahn geworfen, findet er auf einer ganz anderen Ebene Bindungen. Sehr berührende Szenen. Ein Plädoyer für das Gute im Menschen. Auch wenn das manchmal schon sehr verschüttet ist.

Gerade die beiden so gegensätzlichen Seiten dieses Menschen dürften den Leser nachdenklich stimmen. In der Künstler- und Medienwelt dominiert ein harter Konkurrenzkampf. Über Jahrzehnte formt dieser Kampf einen Menschen. Und noch mehr wird durch die bewundernden Fans verdorben. Doch einmal vorhandene Gefühle sind nicht verloren – ein besonderes Ereignis kann sie wieder an die Oberfläche holen. Das besondere Ereignis ist… nein, nein, das wird nicht verraten.

Es kann auch nicht schaden, sich selbst zu betrachten: wie war man früher und wie ist man gegenwärtig? Oberflächlich? Arrogant? Hart? Rücksichtslos? Was davon ist schon in Fleisch und Blut übergegangen und zur Alltagsroutine geworden?

Florian Bald schlägt im Buch nicht mit der Moralkeule um sich. Er zeichnet ein Bild. Eine Bestandsaufnahme. Zwischen drastischen Worten und dann wieder zarten, feinen Schilderungen.

Der Klappentext:
„Künstler und Medienschaffende sind dekadent, promisk, arrogant und ziemlich durch, lautet das Klischee. Das Problem ist, dass Klischees meistens stimmen. Auch der legendäre Berliner Synchron- und Hörbuchsprecher Frank Schaller säuft, hurt und behandelt Kollegen wie Dienstboten. Bis er eines Morgens aufwacht und keine Stimme mehr hat. An die verhängnisvolle Nacht davor kann er sich nur schemenhaft erinnern. Plötzlich wird Schaller bewusst, dass er längst kein Star mehr ist, sondern ein gewöhnlicher Endvierziger, der langsam aus dem Leim geht – mit einer Frau, die ihn verachtet, einem Sohn, der ihn für einen entfernten Bekannten hält und einer Mutter, die schon immer der Meinung war, er solle endlich einen richtigen Beruf ergreifen. Während seine Welt aus den Fugen gerät, erhält Schaller das Angebot, einen Jahrhundertroman einzulesen. Er braucht seine Stimme wieder, und zwar schnell, selbst wenn er dafür sein Leben in Ordnung bringen muss…“

„Ein behaarter Mond“ ist nicht nur ein Buch, welches unterhält, sondern auch ein Blick in einen Menschen, in ein Leben. Ein Buch mit Moral und Unmoral. Lesens- und Hörenswert.

Klappenbroschur mit CD, 170 S./ 74 min.,
print ISBN: 978-3-943876-76-5
epub ISBN 978-3-943876-45-1

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