CANNIBAL ANTHEM: Im Gespräch mit Rudy Ratzinger (:Wumpscut:)

Vor etwa 7 Jahren brachte mein „Baby“ (bekennender :w:-Fan) mir einen Einkaufsbeutel mit bespielten Tapes… „…hör mal ´rein…“ – so lernte ich auch :w: kennen. Seither tut mir diese Musik gut. In den besseren und in den schlechten Zeiten. Zwischenzeitlich wurde aus ausgeleierten Tapes eine große CD-Sammlung. Immer war ich neugierig… wer ist das? …´dieser Rudy Ratzinger. Die Interviews, die mir mit den großen Magazinen vor die Augen kamen …. gaben da nun nicht wirklich etwas her. Vergangenes Jahr nun … ja, da wollte ich eigentlich ein Interview… aber wohl doch eher halbherzig. Und Rudy war nicht recht willig. Jedenfalls zerschlug es sich. Dieses Jahr nun wieder das „Ereignis“ – und ein Rezensionsexemplar der „Cannibal Anthem“ UND die Chance, (wie üblich via mail) Rudy mal ´was zu fragen. Und nun haben wir uns ein paar Fragen ausgedacht – in der Hoffnung, dass Rudy uns nicht zu sehr auflaufen lässt.

Hier nun authentisch, ungekürzt: „Fragen an Herrn Rudy Ratziger, alias :WUMPSCUT:“

Wenn man so das eine oder andere Interview von Dir liest, könnte man meinen, dass Du ein humorvoller Mensch bist.

Rudy: HOFF ich.

Auf der anderen Seite hat man aber auch Mitleid mit dem jeweiligen Journalisten.

Rudy: Nein, nein – es liegt nur an EUCH, interessante Fragen zu stellen, Kinder

Macht es Dir Spaß, Journalisten zu verulken oder ist dies ein reiner Selbstschutz, um so wenig als möglich von Dir preiszugeben?

Ich hab eigentlich keine Lust, über :W: zu reden, denn schließlich ist dies MUSIK, und warum in aller Welt sollte man da war drüber SCHREIBEN.

Dein wohlwollendes „Antwortschreibenwollen“ möchten wir nicht nur auf die aktuelle „CANNIBAL ANTHEM“ bezogen wissen. Wie sind Deine „Beziehungen“ zu den Themen, die Du musikalisch und textlich verarbeitest?

:W: war, ist und wird immer das bleiben, was es sein soll: Musik aus einem apokalyptischen Märchenland – und MEINE Meinung ist da nicht groß von Belang. Ich halte nix davon, die Welt verbessern zu wollen, dafür erscheint mir Musik nicht das richtige Medium – oder besser gesagt, das klappt ohnehin nicht, ganz egal, ob nun über Musik, Kunst, oder einfach nur dadurch, dass ich der Oma an der Ampel über die Strasse helf. Die stirbt ja sowieso.

Wir Ohr-Genießer interpretieren ja oft in die Texte viel Subjektives hinein und unterstellen Gleiches dann dem Protagonisten. Wie gehst Du damit um, wenn man dir „Botschaften ans Volk“ unterstellt?

Das fällt in die Rubrik „Was man alles machen kann“.

Die Vorführung des Films „Rohtenburg“, welcher ja bekanntlich das Leben bzw. die Kannibalismus-Tat von Armin Meiwes nachzeichnet, wurde nun in zweiter Instanz untersagt. Der Anwalt ist nun am Abklären, ob man auch gegen Songs wie beispielsweise Rammstein´s „Mein Teil“ juristisch vorgehen kann. Stimmt Dich diese Entwicklung nachdenklich? Werden solche Urteile Deine Arbeit beeinflussen?

Nein, nicht im Entferntesten. Die ganze Rothenburg-Sache ist für mich nur ein Hype: zuerst stürzt sich (natürlich) die Boulevardpresse druff, und jetzt schlachtet er die Sache auch noch aufs Wüsteste/Platteste aus. Ich hab so dein Eindruck, er würde sich am liebsten die ganze Thematik patentieren lassen, und somit ließen sich vielleicht auch bereits ausgestorbene Menschenfresserstämme rückwirkend zur Kasse bitten. Da lassen wir mal besser die Kirche im Dorf, nä?

Rudy, in dieser Medien-Welt, in der alles erlaubt ist und doch auch alles verboten ist – was würdest und könntest Du tun, wenn sich „Verbote“ für einige Deiner Texte abzeichnen? Möglich scheint ja alles zu sein…

Dann wander ich aus.

In wie weit faszinieren Dich die Abgründe der Menschheit?

In SEHR weit – und eigenlich NUR.

Es ist ja bekannt, dass Du Liveauftritte kategorisch ablehnst. Gäbe es irgendwelche Voraussetzungen, welche Deine gegensätzliche Haltung hinsichtlich Liveauftritten ändern könnte? Wie würden diese aussehen? Was müsste unternommen werden, um :Wumpscut: auf eine Konzertbühne zu bringen?

Da müsste schon dick was passieren – ich hab einfach keinen Bock auf live/seh die Sache eher aus der Sicht des Menschen AUF der Bühne: nach 40x derselben Suppe lässt die Spielbegeisterung doch sehr nach, denk ich. Ist wie mit Routinesex, bah!

…roter Teppich? Oder ein schwarzer? Huldigungen und morgendliches Anbeten? Heimsuchungen…

Alles jederzeit gern genommen, solange das Frauen mit großen Nasen machen.

Interessieren Dich Rezensionen Deiner Platten oder gehen Dir die Kritiken positive wie negative – sprichwörtlich am Allerwertesten vorbei?

Ja, tun sie sehr wohl – beim Sonic Seducer konnte diesmal wieder einer wohl nicht verwinden, dass :W: wieder mal nicht mit an Bord war, und da schlägt sich das eben in der „Kritik“ nieder. Vielleicht rufen wir uns mal ins Gedächtnis, was das für eine traurige Veranstaltung ist, das die schreibende Szenezunft „Journalismus“ nennt. Dann lieber 3x nix zu Weihnachten.

Waren die Wünsche Deiner :W:-Fans“ ausschlaggebend dafür, dass Du Deine Texte auf der „CANNIBAL ANTHEM“ fast durchgehend in deutscher Sprache verfasst hast? Was mir sehr gut gefällt (…des Englischen nicht so mächtig – sorry).

MACHT ja nix/Dunk.

Oder steckt doch mehr dahinter?

Die Idee zur deutschen Cannibal-Anthem-Ausführung kam von unserm Enrico, der so an Boeses Junges Fleisch hängt, dass er dringend wieder was in seiner/unserer Sprache haben wollte – und dann kann ich ihn natürlich nicht enttäuschen, denn eigentlich hat er Recht, glaub ich. „Bunkertor 7“ gab´s in Englisch UND in Deutsch. Das wirst Du doch nicht nur meinetwegen gemacht haben? (Okay, ich weiß, dass Du sehr nett sein kannst.)

Doch, hab ich – aber nachdem du mir ja erst JETZT aufgefallen bist, gibt’s eben das eine oder andere :W:-Werk NUR auf englisch – Scheisse mit Reisse.

Abweichend davon – hast Du mit der Kunstsprache beweisen wollen (wie schon auf der „EVOKE“), dass es nicht nur um ein einfaches sprachliches Verstehen geht? Beispielsweise um die Einheit von Musik und Sprache? Also warum hast Du Dich dafür entschieden?

Musik sollte auch funktionieren, OHNE dass man den Text versteht – erinner dich an deine Kindheit, da wusstest du schliesslich auch nicht, was genau du in deine Haarbürste vorm Spiegel gesungen hast, stimmt’s? Ja, stimmt.

Und hast Du die Kunstsprache eigentlich selbst „erfunden“? Wenn ja, wie hast Du das gemacht?

HINgesetzt und AUFgeschrieben – das ist wie mit Musike, Ihr DENKT einfach zuviel, Ihr Menschen!

Das war´s. Wir haben die Antworten unbeschadet überstanden. Dankeschön, Rudy. Und… nächstes Jahr um dieses Zeit… du hast bestimmt schon neue musikalische Ideen im Kopf … dann fragst du vielleicht mal deine Hörerschaft etwas.

Also dann tschüss.

SOLCHE Fragen hätt ich IMMER gern – endlich mal jemand, der originell ist, Dunk dafür!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.