Thias Bene – Eines schönen Todes

Obwohl die Geschichten Namen tragen wie beispielsweise „Das letzte Einhorn“, „Dornröschen“ oder „Das kalte Herz“ lautet der Untertitel des Buchs „Kein Märchenbuch“? Stimmt, Thias Benes Debüt ist keine leichte Abend-Unterhaltung zum Schmunzeln. Es sind kleine Einblicke in das Leben mehrerer Personen. Und diese Personen tragen Schmerz, Angst aber auch Bosheit in sich. Getäuschte Hoffnungen, befreiende Rache.

Eingangs verwandelt sich jemand in einen „Wolf“. Den Zettel mit dem Zauberwort „Mutabor“ – womit eine Umkehr möglich würde – vernichtet er. Eine Richtung, ohne Umkehr oder Ausweg. Ein gefasster Entschluss, der objektiv gesehen falsch ist, subjektiv betrachtet jedoch unausweichliches Handeln erfordert.

Schicksal kommt nicht von ungefähr. Kränkungen, Missbrauch, Unterdrückung, Hass formen jede Persönlichkeit, bis diese sich eines Tages auf die eine oder andere Art aus diesem Vergangenheitskorsett befreit. Wenn man Glück hat, teilt man das Leben in ein DAVOR und ein DANACH. Und trennt sich von der Davor-Person, steckt diese in einen Safe im Kopf. Gelingt diese Trennung nicht, folgen Mord, Selbstmord, innere Zuflucht oder auch ein „höheres“ Urteil. Nein, „Eines schönen Todes“ sind keine Märchen. Aber die Märchenfiguren flüchten gelegentlich in ein inneres Märchen, um die äußere Realität nicht wahrnehmen zu müssen.

Bemerkenswert ist, dass man als Leser so mancher gewaltsamen Rache durchaus folgen mag. Wenn man die „Vorgeschichte“ erkennt. Erst mit der letzten Geschichte „Rotkäppchen“ vereint sich alles. Viele Protagonisten tauchen schließlich immer wieder auf und schildern ihre Sicht und ihr Empfinden auf gemeinsame Ereignisse. Ein Ereignis aus verschiedenen Blickrichtungen.

Der Klappentext:

„Kein Märchenbuch. Oder vielleicht doch? Thias Bene setzt sich mit seinem Debüt ins kaputte Berlin, in Phantasiewelten und zwischen alle Stühle. Dabei besticht er mit einer sehr eigenen Art, dramatische Geschichten zu erzählen – mit einem doch sehr beeindruckenden Verschleiß an Helden, von denen wir ohne ihn wohl nie erfahren hätten…

Drogendealer und Soldaten, Rumpelstilzchen und Schneewittchen, Kidnapper, Karneval und Dornröschen. In den märchenhaften Tragödien von Thias Bene verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Doch wie im normalen Leben auch gewinnen nicht immer die Guten. Nichts ist nur Schwarz und Weiß. Zwischen Sehnsucht und Liebe, Burnout und Besessenheit taumeln die Protagonisten ihren eigenen Abgründen entgegen, fangen sich wieder, verlieren sich und flüchten in die Schutzräume ihrer Fantasie. Denn überall lauert der Wolf.“

Jeder kleinen Geschichte ist eine Illustration von Luzi Felis vorangestellt, worin sich schon das Zerwürfnis zwischen Märchen und Realität widerspiegelt. Ein wenig grauslich – und passend.

Dieses Nicht-Märchenbuch hat meine Erfahrung, wie kaputt viele Menschen sind, bestätigt. Und mir einen kleinen Gong gegeben: das schreierische Finale anderer Menschen hat meistens auch eine Geschichte davor. Zartbesaiteten Lesern könnte bei „Eines schönen Todes“ doch glatt die Heile-Welt-Illusion abhandenkommen. Trotzdem: das Buch ist sehr gut geschrieben, mit märchenhaften Verklausulierungen, die einem schnell die Erlebnisse der Personen ganz nah bringen. Und deshalb eine Empfehlung für Leser mit Empathie. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sterben sie noch heute…

Buch, Softcover 160 Seiten
print ISBN: 978-3-943876-81-9
epub ISBN: 978-3-943876-49-9

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